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Montag, 25. Oktober 2021

Gibbs, Armstrong - Complete works for violin and piano

Impressionistisches aus England


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Produktion von Guild entdeckt die Musik für Violine und Klavier des Briten Armstrong Gibbs.

Der britische Komponist Cecil Armstrong Gibbs (1889-1960) ist hierzulande relativ unbekannt. Nichtsdestotrotz bietet die vorliegende CD aus dem Hause Guild mit den ‚Complete works for violin and piano‘ allerlei Hörenswertes, das vor allem – aber nicht ausschließlich – den Liebhaber von Violin-Kammermusik erfreuen dürfte. Der Geiger Robert Atchison und seine Klavierpartnerin Olga Dudnik geben sich redlich Mühe, die insgesamt sechs Kompositionen, entstanden zwischen 1915 und 1942, auf bestmögliche Weise zum Klingen zu bringen. Das Ergebnis ist rundum überzeugend, auch wenn sich die eine oder andere Passage findet, die weitaus mehr klangliches Raffinement verdient hätte. Was beim Hörer auf jeden Fall ankommt, ist der Ernst, mit dem beide Musiker die Kompositionen umsetzen. Er spricht auch aus Atchisons kurzem Booklet-Text, der leider nur rudimentäre Informationen beinhaltet und den Zuhörer mit vielen offenen Fragen zurücklässt. Hier wäre ein substanziellerer Textkommentar sehr zu wünschen gewesen, auch um die historische Position von Gibbs besser verstehen zu können.

Impressionistisch

Das Besondere an den hier versammelten Kompositionen ist ihre Affinität zu einer vom musikalischen Impressionismus beeinflussten Ausdruckswelt: Gerade in den früheren Werken finden sich Passagen, die an die Klangwelten von Komponisten wie Eric Satie und Claude Debussy erinnern, während etwa die zur gleichen Zeit entstandene Musik von Zeitgenossen wie Edward Elgar, Frederick Delius oder Arnold Bax ganz andere Töne anschlägt. Es ist der Primat des Melodischen, das – häufig sehr lyrisch aufgefasst – in dieser Kammermusik im Vordergrund steht, in den reizvollen Stimmungsbildern der 'Three Pieces' (1923) gar in eine großflächig angelegte pastorale Stimmung mündend. Zu Recht bedauert Atchison, dass den Werken von Seiten der geigenden Zunft viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Der beste Beleg für ihre Qualität ist indes die außergewöhnlich schöne 'Lyric Sonata' (1928), nach der 'Sonata No. 1 in E' (1918) das zweite Werk dieser Gattung. Doch auch die leicht ungestüme 'Phantasy' op. 5 (1915), das 'Almayne' (1932), eine ganz dem Gesang verpflichtete Bearbeitung einer volkstümlichen Melodie mit Variationen, und die deutlich an barocken Vorbildern orientierte fünfsätzige Suite op. 101 (1942) haben viele Reize.

Möglichkeiten subtilerer Gestaltung

Atchinsons Vortrag überzeugt durch viele Abstufungen, auch wenn die Musik durchaus noch stärkere klangfarbliche Abstufungen vertragen hätte. So bleibt auch das Zusammenspiel mit Dudnik manchmal hinter den Möglichkeiten der Musik zurück: Mehr Nuancen hätte man sich vom Akkordspiel der Pianistin gewünscht, einen zarteren, vielleicht auch geheimnisvolleren Zugang zu den darüber liegen melodischen Linien vom Violinisten, ein wenig mehr Aufmerksamkeit für unscheinbare Details von beiden. Dort etwa, wo sich, wie in der 'Phantasy' oder der 'Lyric Sonata', ständig die Stimmungen ändern, hätten sich Übergänge fließender gestalten lassen, hätte die eine oder andere agogische Verzögerung die Wirkung unterstützen können. Und gelegentlich hält sich Atchison bei der Wiedergabe der verschwenderischen Melodien auch zu stark zurück, lässt eine gewisse Emphase vermisse, die hier sicherlich gut hingepasst hätte. Ansonsten ist das Zusammenspiel sehr überzeugend und technisch sauber, in der von kontrapunktischen Satztechniken durchzogenen »Suite« gar besonders transparent. So hat die Platte auf jeden Fall viele Reize: Nicht zuletzt stellt sie einen wichtigen diskografischen Beitrag dar, der vielleicht dazu anregen mögen, der Musik von Gibbs mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gibbs, Armstrong: Complete works for violin and piano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
31.01.2011
Medium:
EAN:

CD
795754735321


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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