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Mittwoch, 12. August 2020

Sibelius, Jean - Klavierwerke

Auf pianistischer Entdeckungsreise


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sibelius als Klavierkomponist - von Vladimir Ashkenazy aus dem Schattendasein ins rechte Licht gerückt.

Bei Jean Sibelius denkt man als allererstes wohl an seine Sinfonien, die Tondichtung 'Finlandia', dann noch das Violinkonzert und die Schauspielmusik zu 'Kuolema' (daraus besonders den 'Valse triste') – als letztes aber sicherlich an Klaviermusik. Die existiert aber, wenn auch auf Tonträgern und im Konzertsaal unterrepräsentiert, durchaus, und kein Geringerer als Altmeister Vladimir Ashkenazy hat sie für würdig befunden, sie für das Label Exton einzuspielen.

Spannende Gegenüberstellung

Auf besagten 'Valse triste' op. 44/1 tritt man auch hier – und zwar gleich zweimal, als erstes und letztes Stück. Kein Lückenfüller oder Versehen indessen, sondern eine spannende Gegenüberstellung, denn die erste Version wurde in der Londoner Studioatmosphäre, die zweite am ‚Originalschauplatz‘ von Sibelius‘ Wohnsitz Ainola aufgenommen. Der Unterschied zwischen beiden äußert sich naturgemäß primär im instrumentalen Klangbild, dasjenige der ersten Fassung fällt wohliger und wärmer aus, während die zweite eine etwas sprödere Note aufweist, im Gegenzug aber so etwas wie den besonderen Reiz eines nordisch-herben Timbres gewinnt.

Im Impromptu op. 5/5 mit seinen glitzernd funkelnden Arpeggien und Klangkaskaden kann man Ashkenazys ungebrochene phänomenale Technik bewundern, mit der er einst etwa in seiner Einspielung der Chopin-Etüden bis heute nur selten erreichte Maßstäbe setzte. Sein Spiel verströmt aber nicht nur virtuosen Glanz, sondern vermittelt gleichzeitig eine eingehende klangliche Differenzierung.

Landschafts- und Stimmungsgemälde

Bei den übrigen Werken handelt es sich im Wesentlichen um Charakterstücke, vornehmlich Landschafts- und Stimmungsgemälde. Eingeteilt in die Sammlungen der Zehn Stücke op. 58, Fünf Stücke op. 85 (die ausschließlich Blumenarten beschreiben), Fünf Romantische Stücke op. 101 und Fünf Esquisses op. 114 tragen sie Titel wie 'Des Abends', 'Sommerlied' oder 'Waldsee'. Die einzelnen Bilder koloriert Ashkenazy mit feinem Gespür für melodisch zarte Poesie, die immer wieder überraschenden harmonischen Wendungen setzt er aussagekräftig buchstäblich in Szene. Dank dieser Fähigkeiten gelingt es ihm, dass die überwiegend elegisch eingefärbten Miniaturen niemals in statische Trägheit verfallen, und so ist es nur ein scheinbarer Widerspruch, dass sie einerseits zwar introvertiert in sich ruhen, andererseits aber stets ein musikalisch waches Eigenleben führen.

Eher selten, etwa im 'Scherzino' op. 58/2 oder in Opus 85/1 und 85/4 geht es auch mal metrisch turbulent zu. Dort überzeugt Ashkenazy durch kristallklar perlendes Passagenwerk, klug dosierte, aber nicht inflationär gebrauchte Rubati sowie natürlichen dynamischen Fluss. Den Spaß an der Entdeckung von Sibelius‘ Klavierwelt  optimiert die ausgezeichnete Tonqualität.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sibelius, Jean: Klavierwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
01.10.2010
Medium:
EAN:

CD
4526977050177


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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