> > > Prokofieff, Sergej: Klavierkonzerte Nr.3 & 5
Freitag, 7. August 2020

Prokofieff, Sergej - Klavierkonzerte Nr.3 & 5

Bestechende Virtuosität


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der junge ukrainische Pianist Alexander Gavrylyuk widmet sich Prokojews Klavierkonzerten Nr. 3 und 5. Auch wenn hier und da noch einiges im Ausdruck differenziert werden kann: Gavrylyuks pianistische Brillanz ist bestechend.

Der junge ukrainische Pianist Alexander Gavrylyuk feiert seit einiger Zeit große Erfolge in den weltweit bedeutenden Konzertsälen. Doch hierzulande scheinen ihn bislang nur einige Klavier-Aficionados zu kennen. Der 1984 geborene Pianist gewann einige der wichtigsten Klavierwettbewerbe. Vor allem seine ersten Preise beim Internationalen Horowitz-Wettbewerb für junge Pianisten und beim Internationalen Rubinstein-Wettbewerb ebneten ihm den Weg in die Konzertsäle. Von 1998 bis 2006 lebte er in Sydney. Dort nahm er 2009 mit der Sydney Symphony unter der Leitung von Vladimir Ashkenazy die fünf Klavierkonzerte von Sergej Prokofjew auf, die bei Tritonus als hybride SACD veröffentlicht wurden.

Abgeschnittene Klangwerte

Die Klangabmischung fand in den japanischen Exton-Studios statt, die in der jüngeren Vergangenheit bereits für so manches berauschende Klangerlebnis gesorgt haben. Hier allerdings gereicht das Ergebnis nicht unbedingt den audiophilen Erwartungen. Dem farbigen, aber recht kompakt erscheinenden Orchesterklang fehlt es ein wenig an Räumlichkeit. Man hat den Eindruck, als sei das Klangbild hier und da etwas nivelliert: Die Bässe sind ein wenig schwach, und obgleich die Piccoloflöte für Prokofjew-typische gellende Aufschreie sorgt, scheint den Violinen doch die Klangspitze genommen.

Trotz dieser kleinen Einschränkungen im Hinblick auf die Klanggestaltung kann das Orchester für sich einnehmen. Vladimir Ashkenazy, der ‚seinen‘ Prokofjew freilich aus dem Effeff kennt, lässt die scharfkantige Rhythmik von der Sydney Symphony präzise heraus meißeln, während die Kantilenen mit bittersüßen, zuweilen sardonisch lächelnden Klanggesten aufgegriffen werden. Man vermisst indes den letzten Rest an orchestraler Raffinesse bei den für Prokofjews Instrumentierung typischen Klangfarbenbewegungen. Und auch der wütende Ingrimm, den zumal russische Orchester in Prokofjews Musik legen, erscheint hier etwas gemildert.

Stupende Technik

Alexander Gavrylyuk verfügt über eine stupende, zuweilen fast beängstigende Technik. Hochgeschwindigkeitsläufe stellen für ebenso wenig ein Hindernis dar wie plötzlich aufzuckende rhythmische Feuerwerkskörper, beißend-hämmernde Repetitionen oder sangliche melodische Gestalten, die eigentlich ganz zahm erschienen, wären sie nicht mit einer kalt erstarrten Klangoberfläche übergezogenen. Gavrylyuk meistert die abrupt umschlagenden Stimmungskontraste von Prokofjews Klavierkonzert Nr. 5 G-Dur op. 55 auf sehr ansprechende Weise. Besonders im ersten Satz, dem an vierter Stelle stehenden 'Larghetto' und dem anschließenden Finalsatz des Konzerts, für das sich Svjatoslav Richter vehement einsetzte, findet Alexander Gavrylyuk zu einer eindringlichen Ausformung des Klavierparts. Im zweiten Satz 'Moderato ben accentuato' und der in der Mitte stehenden 'Toccata (Allegro con fuoco) ' könnten die nagelnden Klavierattacken noch messerscharfer erklingen. Hier scheint Gavrylyuk Artikulationscharakteristika des Orchesters aufzunehmen.

Im Gegensatz zu dem G-Dur-Konzert ist das diskographische Umfeld hinsichtlich des weitaus öfter gespielten und auch auf Tonträger eingespielten Dritten Klavierkonzerts C-Dur op. 26 viel dichter bebaut, und auch mit nicht gerade wenigen kostbaren Pflanzen, die als herausragende Einspielungen betrachtet werden dürfen. Alexander Gavrylyuk kann sich dank seiner pianistischen Brillanz einen Platz mindestens im oberen Mittelfeld sichern. Man hat jedoch den Eindruck, seine Interpretation könne an einigen Stellen mit den Jahren noch differenzierter werden, gerade im Kopfsatz sowie dem Variationssatz. Einige Momente des Mittelsatzes wären in ihrer atmosphärischen Wirkung noch feinfühliger möglich. Manche Stelle wirkt bei Alexander Gavrylyuk, als wolle er ihr einen eindeutigen, klar gezeichneten Ausdrucksbereich zuweisen; dabei zeichnen sich die interessantesten und bewegendsten Momente bei Prokofjew doch dadurch aus, dass sie in der Schwebe gehalten sind, ambivalent erscheinen.

Obgleich Alexander Gavrylyuks Prokofjew-Aufnahmen in den kommenden Jahren wohl im Detail noch differenzierter ausfallen werden, so darf man den ukrainischen Pianisten doch jetzt schon als beachtenswerten Künstler bezeichnen. Von ihm ist noch einiges zu erwarten. Lassen wir uns überraschen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prokofieff, Sergej: Klavierkonzerte Nr.3 & 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
29.10.2010
Medium:
EAN:

CD
4526977050474


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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