> > > Prokofieff, Sergej: Klavierkonzert Nr.1 in Des-Dur, op.10
Mittwoch, 12. August 2020

Prokofieff, Sergej - Klavierkonzert Nr.1 in Des-Dur, op.10

Brillante Umsetzung


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der junge ukrainische Pianist Alexander Gavrylyuk widmet sich Prokofjews Klavierkonzerten Nr. 1, 2 und 4. Das Ergebnis ist von bezwingender Brillanz.

Der junge ukrainische Pianist Alexander Gavrylyuk feiert seit einiger Zeit große Erfolge in den weltweit bedeutenden Konzertsälen. Doch hierzulande scheinen ihn bislang nur einige Klavier-Aficionados zu kennen. Der 1984 geborene Pianist gewann einige der wichtigsten Klavierwettbewerbe. Vor allem seine ersten Preise beim Internationalen Horowitz-Wettbewerb für junge Pianisten und beim Internationalen Rubinstein-Wettbewerb ebneten ihm den Weg in die Konzertsäle. Einige Jahre lebte er in Sydney. Dort nahm er 2009 mit dem Sydney Symphony Orchestra unter der Leitung von Vladimir Ashkenazy die fünf Klavierkonzerte von Sergej Prokofjew auf, die bei Tritonus als hybride SACD veröffentlicht wurden.

Abgeschnittene Klangwerte

Die Klangabmischung fand in den japanischen Exton-Studios statt, die in der jüngeren Vergangenheit bereits für so manches berauschende Klangerlebnis sorgten. Hier allerdings erfüllt das Ergebnis nicht unbedingt die audiophilen Erwartungen. Dem farbigen, aber recht kompakt erscheinenden Orchesterklang fehlt es ein wenig an Räumlichkeit. Man hat den Eindruck, als sei das Klangbild hier und da etwas nivelliert: Die Bässe sind ein wenig schwach, und obgleich die Piccoloflöte für Prokofjew-typische gellende Aufschreie sorgt, scheint den Violinen doch die Klangspitze genommen.

Trotz dieser kleinen Einschränkungen im Hinblick auf die Klanggestaltung kann das Orchester für sich einnehmen. Vladimir Ashkenazy, der ‚seinen‘ Prokofjew freilich aus dem Effeff kennt, lässt die scharfkantige Rhythmik von des Sydney Symphony Orchestra präzise heraus meißeln, während die Kantilenen mit bittersüßen, zuweilen sardonisch lächelnden Klanggesten aufgegriffen werden. Man vermisst indes den letzten Rest an orchestraler Raffinesse bei den für Prokofjews Instrumentierung typischen Klangfarbenbewegungen. Gerade die von Prokofjew bereits in jungen Jahren fein ausgeleuchteten Farb- und Stimmungsübergänge im Klavierkonzert Nr. 1 Des-Dur op. 10 wirken etwas schwarz-weiß gemalt; hier wäre subtileres Überblenden möglich gewesen. Und auch der wütende Ingrimm, den zumal russische Orchester in Prokofjews Musik legen, erscheint etwas gemildert, insbesondere im Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 16.

Expertise und Furor

Alexander Gavrylyuk meistert die technischen Schwierigkeiten, die der Klaviervirtuose Prokofjew seinen Konzerten eingeschrieben hat, in brillanter Weise. Die kalt funkelnde Leuchtkraft des Eingangsthemas des Des-Dur-Konzerts erklingt ebenso überzeugend wie die wie hin gewischten Girlanden oder der Furor des Zweiten Konzerts, das Prokofjews Ruf als enfant terrible der jüngeren Generation russischer Komponisten entscheidend bekräftigte. Selbst den höchsten manuellen Anforderungen des Klavierkonzerts Nr. 4 für die linke Hand B-Dur op. 53, das Prokofjew für Paul Wittgenstein geschrieben hat, wird Alexander Gavrylyuk in geradezu bravouröser Weise gerecht.

Am meisten begeistert Alexander Gavrylyuks Umsetzung des g-Moll-Klavierkonzerts. In den schnellen Mittelsätzen funkeln die rasenden, gestochen scharfen Noten wie eine blitzende Klinge. Rhythmische Energie und Bewegungsfuror werden lebhaft vermittelt. In den Außensätzen ist Gavrylyuk feinfühlig genug, den Farbnuancen, Stimmungen und Charakteren nachzuspüren. Das Umkippen von Nostalgie in Groteske, von bissiger Heftigkeit in gedeckte Kantabilität – all die großen Kontraste und leisen Stimmungsübergänge und -überlagerungen weiß Gavrylyuk temperamentvoll in Klang umzusetzen. Seine pianistische Expertise ist Garant einer ebenso bewegten wie bewegenden Deutung. Noch schattierungsreicher hätte das Ergebnis allerdings ausfallen können, wenn dem Klavier etwas mehr räumliche Klangentfaltung zugestanden worden wäre. Insgesamt ist die Aufnahme der Konzerte Nr. 1, 2 und 4 runder und überzeugender als die der Konzerte 3 und 5, mehr noch: Sie lässt nur wenige Wünsche offen.

Obgleich Alexander Gavrylyuks Prokofjew-Aufnahmen in den kommenden Jahren wohl im Detail noch differenzierter ausfallen werden, so darf man den ukrainischen Pianisten doch jetzt schon als beachtenswerten Künstler bezeichnen. Von ihm ist noch einiges zu erwarten. Lassen wir uns überraschen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prokofieff, Sergej: Klavierkonzert Nr.1 in Des-Dur, op.10

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
29.10.2010
Medium:
EAN:

SACD
4526977050443


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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