> > > Prokofieff, Sergej: Sinfonie Nr.1 in D-Dur, op.25
Mittwoch, 12. August 2020

Prokofieff, Sergej - Sinfonie Nr.1 in D-Dur, op.25

Besondere Gesamtleistung trotz Detailschwächen


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch wenn bei genauem Hören einige musikalische Schwachstellen dieser Aufnahme offensichtlich sind, überwiegt der positive Eindruck einer gelungenen interpretatorischen Konzepts.

Die Gegenüberstellung der zwei wohl berühmtesten Sinfonien des russischen Komponisten Sergej Prokofjew beleuchtet von selbst den indifferenten, teils gar widersprüchlichen Charakter des Künstlers auf eine solch deutliche Weise, dass es neben der Musik keinerlei Worte mehr bedarf, die verheerende Situation von Komponisten zur Stalin-Zeit zu unterstreichen. Die Fünfte Sinfonie, 1944 komponiert und im letzten Kriegsjahr unter der Leitung des Komponisten aufgeführt, bedeutet zum einen die erstmalige Rückkehr zur sinfonischen Form nach 16 Jahren. Zum anderen erhält Prokofjew mit diesem etwa 45-minütigen Werk die parteioffizielle Anerkennung als bedeutendster Komponist der Sowjetunion. Den Beigeschmack einer sowjetischen Kriegssinfonie kann man dem großangelegten Werk auch mit der zeitlichen und analytischen Distanz der Gegenwart wohl kaum absprechen. Die durchweg mächtigen Klanggewalten der Komposition versetzen in weit entfernte musikalische Welten.

Zur überzeugenden Interpretation des Werkes bedarf es demzufolge eines sehr bewussten Musizierens, um in keinem Fall musikalische Zweifel und Unsicherheit zu offenbaren. Das Sydney Symphony Orchestra unter der Leitung von Vladimir Ashkenazy bestätigt die Hoffnung und Erwartung einer packenden, mitreißenden und der klanglichen Eigenart des Werkes gerecht werdenden Interpretation. Der Gesamteindruck der Orchesterleistung ist hervorragend, denn der gut disponierte Klangkörper vermittelt deutlich den Willen zu größtmöglicher musikalischer Ausdrucksstärke. Besondere Achtung verdient die Lesart des letzten Satzes der Fünften Sinfonie, des 'Allegro giocoso'. Dem Orchester gelingt eine solch klangliche Perspektivenvielfalt, dass die Komposition mal direkt und unmittelbar ergreifend und nur kurze Zeit später indirekt – wie aus der Ferne und absolut hintergründig – erklingt. Dies betont in bestmöglicher Weise die subtile Vielschichtigkeit der Komposition. Die einzige Schwäche der Einspielung bei dieser Sinfonie ist die zuweilen unreine Intonation der Holzbläser sowie deren teils mangelnde Spielpräzision.

Während die Interpretation des 'Allegro' aus Prokofjews Erster Sinfonie (1918) mit dem Beinamen ‚Klassische‘ vor allem aufgrund des sehr mäßigen Tempos enttäuscht, entsprechen die drei weiteren Sätze auf dieser Aufnahme weitaus mehr dem besonderen Höreindruck der Fünften Sinfonie. Die Komposition, nach eigener Aussage Prokofjews ganz ohne Zuhilfenahme des Klaviers und orientiert am Stil Haydns entstanden, ist zwar ein humorvolles Werk voller Heiterkeit und Lebendigkeit. Auf der anderen Seite aber wird der vitale Charakter immer wieder von einer leichten musikalischen Ironie durchzogen, denn der Komponist begnügt sich nicht mit bloßer stilistischer Nachahmung, sondern fügt – in bester neoklassizistischer Manier – seine persönliche musikalische Handschrift hinzu. Die vollkommene Übereinstimmung mit dem individuellen Charakter des Werkes gelingt den Interpreten leider nur im Finalsatz, während sich in den übrigen Sätzen die Wirkung erst allmählich von einer allzu nüchternen, ernsten Spielhaltung zum eingeschränkten Witz in der ausgeklügelten Tonsprache Prokofjews wandelt.

Insgesamt berauscht aber auf vorliegender Aufnahme vor allem die hervorragende klangliche Wirkung der Orchestereinheit, während glücklicherweise Schwächen im musikalischen Detail eher im Hintergrund bleiben. Gerade aufgrund der gelugenen, spannenden Gegenüberstellung der zwei einander gänzlich verschiedenen Sinfonien verdient die Einspielung eine Empfehlung, zumal auch die klangliche Präsentation äußerst klar und nuancenreich gestaltet ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prokofieff, Sergej: Sinfonie Nr.1 in D-Dur, op.25

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
01.10.2010
Medium:
EAN:

SACD
4526977050429


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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