> > > Schütz, Heinrich: Ich hebe meine Augen auf
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Schütz, Heinrich - Ich hebe meine Augen auf

Großer Schütz


Label/Verlag: Raumklang
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine rund Sache: Geistliche Konzerte von Heinrich Schütz in einer beglückend niveauvollen Interpretation mit der Cappella Sagittariana Dresden.

Heinrich Schütz’ Werke überzeugen durch ihre schiere Qualität – ganz gleich, ob in systematischen Gesamtaufnahmen oder anthologischen Programmen mit Kompositionen verschiedener Meister: Immer werden die perfekte satztechnische Basis und die tiefe, eigenständige Inspiration auf der Basis der zeittypischen musikästhetischen Neuerungen deutlich. Insofern überrascht der geschlossene Eindruck der vorliegenden Platte nicht. Sie vereint ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine Reihe affektstarker, repräsentativer Sätze. Quellen sind die Psalmen Davids von 1619, der zweite und dritte Teil der 'Symphoniae Sacrae' von 1629 und 1650 sowie die zweite Sammlung der Kleinen geistlichen Konzerte aus dem Jahr 1639. Hinzu treten mit den Konzerten 'Syncharma Musicum' SWV 49 und 'Teutoniam dudum' SWV 338 zwei Werke mit weltlichem Entstehungsanlass: Sie wurden anlässlich der von Kurfürst Johann Georg I. 1621 entgegengenommenen Huldigung durch die schlesischen Stände komponiert. Schließlich füllen das vermutlich bereits 1614 entstandene 'Veni, sancte spiritus' SWV 475 und das große Magnificat SWV 468 das runde Programm.

Zwischen den Entstehungs- bzw. Veröffentlichungsdaten der Kompositionen liegen etwa dreieinhalb Jahrzehnte. Und doch können die Werke als gleichwertige Größen gehört werden; einmal frühgenial und einmal erfahrungssatt – beides deutet auf Schütz’ eminente Qualitäten: Er war ein absolut eigenständiger Genius, der gleichwohl begierig neue künstlerische Impulse aufnahm und in sein Werk integrierte. Vor allem die beiden Breslauer Konzerte von 1621 und das ebenfalls seltener gespielte Pfingstkonzert 'Veni, sancte spiritus' SWV 475 bereichern das Programm, zeigen sie doch, dass es bei Schütz auch abseits der deutlich bekannteren großen Sammlungen gleichfalls gewichtige Werke gibt, die rhetorisch, affektiv, durchaus auch rhythmisch von vergleichbarem Gewicht wie die bekannteren Sätze sind. Man höre nur aufmerksam auf die Klangwirkung, die Schütz im Konzert SWV 475 durch chromatische Akkordrückungen bei den Worten ‚O lux‘ erreicht – allein sie sind ein sicheres Zeichen für eine zu ihrer Zeit hochmoderne, expressive Satzkunst.

Echte Könner

Diese organisatorisch so anspruchsvolle Musik verlangt nach einem harmonischen Ensemble. Die Besetzung der vorliegenden Platte erweist sich in dieser Hinsicht als höchst geeignet: Im Einzelnen sind es die Soprane Maria Skiba, Heidi Maria Taubert und Dorothea Wagner, der Altus David Erler, die beiden Tenöre Tobias Hunger und Stephan Gähler, der Bariton Ingolf Seidel und die Bässe Clemens Heidrich und Matthias Lutze. Die sehr verschiedenen vokalen Konstellationen überzeugen in der oft mehrchörigen Anlage deutlich, die Soli lösen sich niveaugleich aus dem Ensemblekontext. Die Vokalisten zeigen dann ein erhebliches technisches Potenzial und nehmen mit stilistischem Gespür für sich ein. Gerade in Kleingruppen oder Registerduetten – die beiden Tenöre seien stellvertretend genannt – sind absolut homogene Gesangsleistungen zu hören.

Die Instrumentalisten der Cappella Sagittariana Dresden spielen mit vielen Farben: Dezent in der Begleitung monodischer Passagen, kraftvoll und mit starker Klangentfaltung in den repräsentativeren Abschnitten. Dabei wird auch im größer dimensionierten Klang deutlich artikuliert – Voraussetzung für ein sehr differenziertes, alle Sphären gelungen definierendes Klangbild mit einem erheblichen, gleichwohl kontrollierten Raumanteil.

Der vom Violone aus leitende Norbert Schuster setzt auf frische, impulsreiche Tempi und kostet die dynamisch möglichen Klangstufungen versiert aus. In der Summe ist es also Schütz-Interpretation auf sehr hohem Niveau, gleichermaßen vokal wie instrumental. Vor allem die seltener gespielten Werke verleihen der Platte programmatische Würze. Die Einspielung zeigt Heinrich Schütz als Meister des Klangeffekts und als Souverän der expressiven Möglichkeiten im Frühbarock.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Ich hebe meine Augen auf

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Raumklang
1
03.12.2010
Medium:
EAN:

CD
4018767030013


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Raumklang

Das Label RAUMKLANG wurde 1993 von Sebastian Pank in Leipzig gegründet. Nach wie vor steht der Name Raumklang für ein authentisches Klangerlebnis. Die Aufnahmen entstehen überwiegend mit nur einem Stereo-Kugelflächen-Mikrophon (One-Point-Recording).
Den Schwerpunkt aller RAUMKLANG-Veröffentlichungen bildet die Alte Musik. In jüngster Zeit ergänzt neben experimenteller/zeitgenössischer Musik eine Reihe mit Weltmusik das RAUMKLANG-Programm. Für seine aufwendig produzierten und anspruchsvoll gestalteten CDs mit ausführlichem Begleitheft erhielt RAUMKLANG bereits zahlreiche begehrte Auszeichnungen, darunter "Grand Prix de l'Académie Charles Cros" und den "Diapason 5".
Seit 1998 liegt der Hauptsitz des Labels auf Schloss Goseck in Sachsen Anhalt, auf dem sich in den letzten Jahren das "Europäsiche Musik- und Kulturzentrum" sowie ein Zentrum für Archäologie (7000 Jahre altes Sonnenobservatorium) etabliert haben. Nicht zuletzt aus dieser Verknüpfung ergeben sich zahlreiche Kontakte zu renommierten Künstlern der Alten Musik im In- und Ausland.
Seit 2003 veröffentlicht RAUMKLANG verschiedene Editionen. Jede Edition wird von einem anderen Produzenten herausgegeben und erweitert damit die Vielfalt des Labelrepertoires. So erscheint neben edition raumklang von Sebastian Pank (Schloss Goseck) die marc aurel edition in Köln, gegründet von Aurelius Donath. Aus der Zusammenarbeit mit der berühmten Schola Cantorum Basiliensis (SCB) in Basel hat sich die schola cantorum basiliensis edition ergeben. In dieser Reihe stellt der Produzent Thomas Drescher (stellv. Direktor der SCB) viel versprechende Absolventen aus Basel vor. 2005 entstand aus den engen Kontakten zur Musikstadt Leipzig eine weitere neue Edition: Unter dem Namen edition apollon veröffentlicht nun das international bekannte Vokalesemble "amarcord" seine CDs.


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