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Dienstag, 30. November 2021

Bach, Johann Sebastian - Partiten für Violin Solo

Alone together


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Midori Seiler hat eine bestechende Interpretation von Bachs Solopartiten vorgelegt, die nicht überwältigen will - und damit trifft.

Bachs drei Partiten für Violine solo BWV 1002, 1004 und 1006 aus dem Jahr 1720 tragen als Solokompositionen den Anspruch besonders deutlicher Aussprache in sich: gegenüber der Tradition und der eigenen Stellung, was den Komponisten angeht, gegenüber dem Publikum in besonderer Festbeleuchtung und Schutzlosigkeit zugleich, was den Interpreten angeht. Hier lässt es sich buchstäblich auf den Punkt bringen, auf den einen schwarzen Notenpunkt, den einen schweren Zeitpunkt; hier lässt sich jene Urszene des genuin musikalischen Wunders vollziehen, dass ein einziger Mensch vor unseren Augen und Ohren zum Gestalter mehrerer gleichberechtigter und gleich intensiv durchgeformter Akteure wird. Gerade für letzteres, für die Mehrstimmigkeit des Soloparts sind Bachs Solowerke für Streicher bekannt und hier finden sie mehr als eine technische Schwierigkeit.

Die Violinistin Midori Seiler, die nun eine neue Einspielung der drei Partiten vorgelegt hat, ist in vielerlei Hinsicht prädestiniert für die Interpretation dieser Werke. So ist sie unter anderem seit dem Jahr 2000 Konzertmeisterin der Akademie für Alte Musik Berlin und hat diesen Posten zuweilen als Gast auch in namhaften Ensembles wie dem Orchestra of the Age of Enlightenment und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen inne, ist aber seit dem letzten Jahr auch Professorin für Barockgeige am Institut für Alte Musik an der Musikhochschule Weimar. Die Erwartungen, die man so naturgemäß an die CD stellt, werden nicht enttäuscht.

Öffnung des Raumes

Der Klang besticht von Anfang an. Ohne großen Virtuosengestus (selbst in den furiosen Doubles der h-Moll-Partita), ohne ins Süße neigendes Schönheitswollen gibt Seiler den Werken eine Schönheit nicht der Glätte, sondern des Reliefs. Silbrig und glänzend rührt der Ton zwar ans Gesangliche, will aber gleichsam nie etwas anderes sein als Saite und Haar. Seiler geht auch mit der Gestaltung der dynamischen Ebenen klug um. Die bloße Differenzierung nach lauter und leiser wird so geschickt eingesetzt und auch aufgenommen, dass ein geradezu räumlicher Effekt entsteht, dessen Einsatz in stetem Zusammenhang mit der Struktur der Stücke steht. Gerade die Echo-Effekte, die ja oft eine musikalisch recht banale Angelegenheit zu werden drohen, sind hier wunderbar eingelöst: nicht zuletzt, weil auf der Geige ein Raum suggeriert wird, in dem sich ein Echo zuallererst bewegen kann. Besonders in der berühmten Ciaccona der d-Moll-Partita erzielt Seiler auf der Höhe dieser Technik überraschende und bestechende Wirkungen.

Die Tanzsätze behalten einen tänzerischen Kern, ohne den Rhythmus über zu betonen. Sie bleiben vielmehr biegsam, lebendig und nicht zuletzt, wie etwa die taghelle Gigue der E-Dur-Partita, die die CD beschließt, gemessen und in einem sehr positiven Sinne bescheiden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Partiten für Violin Solo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
1
28.01.2011
79:34
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124167226
0016722BC


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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