> > > Bach, Johann Sebastian: Cantatas 18
Sonntag, 22. September 2019

Bach, Johann Sebastian - Cantatas 18

Oratorisches auf hohem Niveau


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Was werden die Leipziger gedacht haben, als am Karfreitag des Jahres 1724 zum erstenmal die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach erklang? Waren sie erstaunt über Bachs Kunstfertigkeit, ergriffen von der dramatischen Gestaltung, berührt von den erlesenen Arien und den traditionellen Chorälen? Wir wissen es nicht. Allerdings verblieb den Leipziger Bürgern wenig Zeit zum Staunen: Bereits drei Tage später erklangen zum Osterfest ? das damals vom Ostersonntag bis zum Osterdienstag begangen wurde ? festliche Kantaten. Aus arbeitsökonomischen Gründen griff Bach dabei auf bereits komponierte Werke zurück. Für den ersten Sonntag nach Ostern legte er jedoch wieder eine Neukomposition vor.

Zwischen Furcht und Hoffnung: Ostern
Die nun vorgelegte Compact Disc enthält drei Kantaten zum Osterfest, die zum erstenmal im Jahr 1724 in Leipzig erklangen (BWV 66, 134 und 67). Eingespielt wurden sie vom Bach Collegium Japan unter der Leitung von Masaaki Suzuki. Neben den älteren Zyklen von Harnoncourt und Rilling und dem neueren von Ton Koopman wird damit auch außerhalb Europas der Versuch gewagt, eine Gesamtaufnahme aller (geistlicher) Kantaten Johann Sebastian Bachs vorzulegen. Bisher wurden die Einspielungen vom Bach Collegium Japan in den höchsten Tönen gelobt und auch Folge 18 enttäuscht nicht.
Mittlerweile bedarf es fast keiner besonderen Erwähnung mehr: Selbstverständlich greifen Masaaki Suzuki und das 1990 gegründete Bach Collegium Japan auf authentische Instrumente sowie die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis zurück. Chor und Orchester sind kammermusikalisch besetzt: Jeweils vier Sänger (inklusive der Solisten) bilden eine Stimmgruppe; das Orchester besteht aus vier Bläsern (Trompete, Traversflöte, zwei Oboen), acht Streichern und einer sechsköpfigen Continuo-Gruppe (zwei Violoncelli, Violone, Fagott, Cembalo, Orgel).
Das erste Werk, das auf der Compact Disc zu hören ist, wurde von Bach für den 2. Ostertag des Jahres 1724 komponiert: Die Kantate ?Erfreuet euch, ihr Herzen? BWV 66. Sie stellt die Parodie einer Glückwunschkantate für den Köthener Hof dar. Entsprechend der Vorlage ist BWV 66 als geistlicher Dialogus gestaltet: Als allegorische Figuren treten die ?Furcht? (Altus) und die ?Hoffnung? (Tenor) auf. Eröffnet wird das Werk jedoch durch einen jubelnden Eingangssatz, bei dem sich der Chor des Bach Collegium Japan von seiner besten Seite präsentieren kann. Überhaupt hat der Chor Lob verdient: Sowohl technisch-intonatorisch als auch musikalisch bleiben keine Wünsche offen ? bis hin zur Gestaltung der Triller. Die Textverständlichkeit ist vorzüglich; mancher deutscher Chor könnte hier durchaus von den japanischen Sängerinnen und Sängern lernen. Erwähnenswert ist im Eingangssatz auch das Continuo: Besonders die hinabstürzenden Skalen sind eindrucksvoll gestaltet.

Das folgende Bassrezitativ und die zugehörige Arie wird von dem bekannten Bassisten Peter Kooij vorgetragen, der in der Alten-Musik-Szene seit langem einen guten Ruf genießt ? erinnert sei an seine Einspielung der Bachschen Solokantaten für Bass. Freilich kommt seine Sternstunde bei der nun vorgelegten Aufnahme erst in der Kantate BWV 67 ?Halt im Gedächtnis Jesum Christ?: Dort trägt er als vox Christi den Satz ?Friede sei mit euch!? mit einer Ruhe und Gelassenheit vor, die dem zugesagten Frieden gerecht wird. Unterstützt wird er dabei von den Holzbläsern, die eine pastorale Stimmung verbreiten.
?Furcht? und ?Hoffnung? werden von dem englischen Countertenor Robin Blaze und dem japanischen Tenor Makoto Sakurada verkörpert. Die beiden überzeugen besonders im Rezitativ und Arioso ?Bei Jesu Leben freudig sein? und dem zugehörigen Duett ?Ich furchte zwar (nicht) des Grabes Finsternissen?. Wie schon beim Chor ist die Aussprache und Deklamation vorbildlich und beide gefallen durch klare und helle Stimmgebung. Selbstverständlich dienen Blaze und Sakurada dem Text und den damit verbundenen Affekten. Das gleiche gilt für die Instrumente, besonders das sensibel und abwechslungsreich gestaltete Continuo. Die Aufnahme macht damit auch deutlich, dass Masaaki Suzuki, der sich persönlich dem reformierten Glauben verbunden weiß, nicht nur großen Wert auf die musikalische Gestaltung, sondern auch auf die sprachlich-theologische Aussage legt.

Eigentümliche Instrumente
Die beiden anderen Kantaten stehen, was die interpretatorische Qualität betrifft, BWV 66 in nichts nach. Eine Besonderheit kann der Hörer dieser Compact Disc bei der Kantate BWV 67 ?Halt im Gedächtnis Jesum Christ? erleben. Dort ist ein Nachbau eines ?Corno da tirarsi? (Zugtrompete) zu hören. Allerdings konnte bisher noch nicht geklärt werden, welches Instrument Bach mit dieser Bezeichnung wirklich meinte. Das vom Bach Collegium Japan benutzte Instrument klingt hornähnlich und fügt sich gut in den Gesamtklang ein.
Insgesamt schließt sich Masaaki Suzuki mit seiner Interpretationshaltung der neueren historischen Aufführungspraxis (Koopman, Herreweghe) an. Die Musik steht im Dienste des Textes und der Affektdarstellung, musikalische Extreme (Dynamik, Tempo, Artikulation) werden vermieden. Positiv hervorzuheben ist noch, dass das Booklet keinerlei Wünsche offen lässt: Die Werke werden korrekt bezeichnet (BWV-Nummer, Datierung, Besetzung, Textquelle) und ausführlich erläutert, und zwar in musikalischer als auch in inhaltlicher Hinsicht (Klaus Hoffmann). Masaaki Suzuki hat zusätzlich einen hilfreichen Kommentar zur Einspielung (Quellen-, Besetzungsfragen) hinzugefügt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Cantatas 18

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
02.04.2002
69:43
2001
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
7318590012512
BIS-CD-1251

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Bach, Johann Sebastian


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Dirigent(en):Suzuki, Masaaki
Interpret(en):Bach-Collegium Japan,


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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