> > > Dinu Lipatti - The Legend: Werke von Bach, Schumann, Grieg u.a.
Samstag, 26. September 2020

Dinu Lipatti - The Legend - Werke von Bach, Schumann, Grieg u.a.

Der Serene


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Zweit- und Drittverwertungen der raren Einspielungen Dinu Lipattis sind mittlerweile Legion. Sein Musizieren büßt an Strahlkraft dennoch nichts ein.

Dinu Lipatti zehrt vom Nimbus des früh verstorbenen, ätherisch durchgeistigten Wunderkinds. Wie in Mozarts Fall ist ein gerüttelt Maß Mystifizierung im Spiel: Beide waren gewöhnliche Erdenbürger, wenn auch außergewöhnlich begabt. Lipattis (wie Mozarts) Nimbus ist aber nicht allein der tristen Vita geschuldet, sondern der Eigenart des musikalischen Wirkens. Das unvermeidliche Karajan-Wort – ‚Es war nicht mehr Klavierspiel, es war Musik losgelöst, von jeder Erdenschwere.‘ – trifft recht genau seine Eigenart: Ein leichter, ungemein stetiger Anschlag, der Lipattis bevorzugten Instrumenten, oft Marke Bechstein, wesensgemäß scheint. (Nach Steinway-Maß tönen sie staunenswert unaggressiv, weich.) Finger und Handgelenke, die über den Tasten schweben, zugleich die wünschenswerte Festigkeit des Zugriffs bieten. Elastizität der Phrasierung – trotz sicher aufgespannter Bögen, die jedem Erbauer von Brücken Ehre zu machen vermöchten. Passagen und Rankenwerk, die wie Champagner perlen können. Rubato, wo es am Platze ist, vor allem aber feste, kontinuierliche Tempi, die in raschen Abschnitten Bach’scher Konzerte oder Partiten wie aus ‚einem’ Impuls der Bewegung hervorzugehen scheinen. Nicht zuletzt die schiere Unfähigkeit, sentimental zu sein. Neben ‚transzendentaler’ Pianistik und Leichtigkeit des Tons und der Phrasierung ist diese überirdische Reinheit des Ausdrucks hauptverantwortlich für Konnotationen des Seraphischen und Sublimen, die von jeher bei Nennung des Namens Dinu Lipatti mitgedacht werden. (Und scheinbar vorzüglich zur frivolen Legende vom dreiunddreißigjährig krebskrank verschiedenen Genius, dem ‚auf Erden nicht zu helfen war‘, passen.)

Membran hat die meisten der wenigen Einspielungen Dinu Lipattis auf vier CDs zusammengeführt. (Eine kanonische Aufnahme fehlt: das Mozart-Konzert KV 467.) Bach und Scarlatti machen den Anfang. Mit Mozarts Sonate a-Moll KV 310 geht es fort. Joachim Kaiser hat diese Interpretation als schlagendstes Beispiel musikalischer Vollkommenheit gepriesen. Mit Chopin, Liszt und den Schumann- und Grieg-Konzerten wird das 19. Jahrhundert durchmessen. ‚Zeitgenössisches’ hat Lipatti seltener aufgenommen: Hier wird Ravels 'Alborada del Gracioso' geboten – in atemverschlagender Weise: Dass Hände so tanzen können, mag man nicht glauben.

Dies ist der seltene Fall, dass musikalisch herausragende, klanglich achtbare Platten dem Repertoirewert nach belanglos scheinen: Die karge diskographische Hinterlassenschaft Dinu Lipattis wird, seit sie von urheberrechtlichen Ansprüchen befreit worden ist, dutzendfach und von verschiedensten Labels verwertet. Wenn immer wieder dieselben wenigen Einspielungen auf den Markt gebracht werden, muss sich bei minderen Interpreten Überdruss einstellen. Nicht so bei Lipatti.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dinu Lipatti - The Legend: Werke von Bach, Schumann, Grieg u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Membran
4
29.10.2010
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222331304
233130


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"„Es war nicht mehr Klavierspiel, es war Musik, losgelöst von jeder Erdenschwere,“ so beschrieb Herbert von Karajan das Spiel des rumänischen Pianisten Dinu Lipatti. Die Bewunderung, die Lipatti von Musikern und Musikliebhabern noch viele Jahre nach seinem frühen Tod entgegengebracht wird, grenzt an Heiligenverehrung. Der Ausnahmepianist, der bereits mit 33 Jahren seiner Krebskrankung erlag, hat in den wenigen Jahren seiner Konzerttätigkeit wenige, jedoch bedeutende Einspielungen gemacht. Die vorliegenden Aufnahmen, die zwischen 1947 und 1950 entstanden, geben eine Vorstellung von seiner subtilen Interpretationskunst. “An Reinheit und Tiefe des Ausdrucks, an sensibler Klangkultur haben diese Aufnahmen von den Werken Bachs oder Mozarts, Schumanns oder Chopins kaum ihresgleichen.“ (H. C. Worbs)"


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

Ansässig in der Medienstadt Hamburg, konnte Membran seit der Gründung 1968 seine Services beständig ausbauen: Vom Musikvertrieb mit A&R Management, Konzeption und Produktion über das Lizenz- und Rechte-Management von Musik- und Filmtiteln, über Buchverlag und Buchhandel, zum Digitalvertrieb und als Vertriebspartner vieler internationaler Labels: der independent Vertrieb ist mit seinen Katalogen und Produktionen weltweit tätig.

Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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