> > > Edwin Fischer - Nobler Romantiker: Werke von Beethoven, Mozart, Bach u.a.
Samstag, 26. September 2020

Edwin Fischer - Nobler Romantiker - Werke von Beethoven, Mozart, Bach u.a.

...dein Zauberton


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Edwin Fischer, oft göttlich, mit Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, den Hausgöttern seines Repertoires.

Es hat Zeiten regsamen kulturellen Austauschs zwischen Deutschland und der Schweiz gegeben. Sie dauerten mindestens bis in die achtziger Jahre, als Dürrenmatt und Frisch, in ihrem Heimatland als Nestbeschmutzer verunglimpft, vor allem in Deutschland ein Publikum fanden. Tempi passati: Die Deutschen sind – abgesehen von Muslimen – zum Lieblingsfeind der Schweizer Medien geraten: Zu armen, leider großen Nachbarn, die den Hort in Zürcher Tresoren zu plündern gedenken.

Ein Musterbeispiel schweizerisch-deutscher Symbiose bot Edwin Fischer. Membran hat auf zehn Platten sein Wirken zwischen Bach, Mozart, Beethoven, Schubert und Brahms dokumentiert. (Die berühmte Gesamteinspielung des 'Wohltemperierten Klaviers' ist nur in Auszügen zu hören.) Die Aufnahmen datieren aus den vierziger und fünfziger, seltener dreißiger Jahren und geben, in solider digitaler Überspielung, die Eigenart Fischer’schen Musizierens eindringlich wieder. Der Titel des Albums – ‚Edwin Fischer: Nobler Romantiker’ – bleibt vergleichsweise unverbindlich und vage. Dass Fischer, ein Enkelschüler Franz Liszts, tief im 19. Jahrhundert und dessen romantischer Musikauffassung wurzelt, ist unbestritten, aber auch andere Pianisten seiner Generation können in diesem Sinn als ‚Romantiker’ gelten.

Ein Schweizer Cortot?

Am naheliegendsten scheint der Vergleich mit Alfred Cortot, einem germanophilen Franzosen mit (mehr noch als Fischer) ambivalentem Verhältnis zum Nationalsozialismus. Beide sind Meister des Anschlags, die Tasten werden gleichsam mit Zauberstäben berührt, der Ton erblüht und schwingt, weitatmig und leuchtend. (Die leichte Ansprache und Fokussiertheit des Bechstein kommt dem entgegen.) Beide wissen das Metrum diszipliniert, aber flexibel wiederzugeben und durch Rubatospiel und geschickte Tempodramaturgie zu beleben. Auch verstehen sie, Tonart- und Beleuchtungswechseln nachzuspüren. Das Spiel von Licht und Schatten, das Schuberts Musik prägt, ist Fischers Metier. Beide nehmen sich mancherlei Freiheiten dem Notentext gegenüber – nicht dem Wortlaut der Partitur gilt ihr Augenmerk, sondern dem musikalischen ‚Sinn’. Sie scheuen sich nicht, höchst ungeniert und arglos, beinahe kokett, falsche Töne zu spielen: Mit Manuellem hält man sich nicht auf.

Mit solcher ‚romantischen’ Haltung scheint Edwin Fischer für Bach am wenigsten prädestiniert. Tatsächlich haben nur wenige Bach-Darstellungen seiner Generation bis heute Bestand, und Dinu Lipatti wie Pablo Casals nehmen sich, obwohl Fischers Zeitgenossen, um einiges moderner aus. Trotzdem geht Fischers Ruhm in erster Linie auf die Bach-Aufnahmen zurück. Vor allem Alfred Brendel, einflussmächtigster Fischer-Verehrer unter den Lebenden, zieht alle Register des Lobes, wenn dessen Bach-Spiel zur Debatte steht: Tatsächlich stellt es sich weniger anachronistisch aus, als die ‚romantische’ Grundprägung vermuten lässt. Von barocker ‚Klangrede’ ist wenig zu hören, aber für rhythmische Stetigkeit ist zuverlässig gesorgt, und die Ecksätze lassen motorischen Drive und zügige Tempi hören, die historisch aufgeklärtem Bach-Geschmack kaum etwas schuldig bleiben. Langsamen Sätze wiederum kommt Fischers ariose Freiheit der Phrasierung und Fülle des Anschlags zugute, sodass für Augenblicke Sehnsucht nach den Bach-Busoni-Zeiten naiver ‚Romantisierung’ barocken Repertoires aufkommen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Edwin Fischer - Nobler Romantiker: Werke von Beethoven, Mozart, Bach u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Membran
10
29.10.2010
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222330796
233079


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"„Nur noch Medium, nur Mittler zu sein zwischen dem Göttlichen, dem Ewigen und den Menschen“, lautete das Credo des Schweizer Pianisten Edwin Fischer, von dessen hohem künstlerischen Anspruch die vorliegenden Aufnahmen aus den Jahren 1933 bis 1954 Zeugnis ablegen. Diese Kompilation hält Klavierkonzerte von Bach, Beethoven und Mozart bereit. Neben den „musts“ der Literatur für Klavier solo - u. a. die Präludien und Fugen aus dem „Wohltemperierten Klavier“ von Johann Sebastian Bach oder Beethovens „Appassionata“ und „Pathétique“ oder Schuberts Impromptus - ist der aufnahmescheue Fischer an der Seite der Geigerin Gioconda de Vito und der Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf als ebenso sensibler wie exzellenter Kammermusiker und Liedbegleiter zu erleben. Mit seinem eigenen Kammerorchester schließlich stellt er sich auch als Dirigent an die Seite seiner berühmten Kollegen Wilhelm Furtwängler, Eugen Jochum und Josef Krips."


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

Ansässig in der Medienstadt Hamburg, konnte Membran seit der Gründung 1968 seine Services beständig ausbauen: Vom Musikvertrieb mit A&R Management, Konzeption und Produktion über das Lizenz- und Rechte-Management von Musik- und Filmtiteln, über Buchverlag und Buchhandel, zum Digitalvertrieb und als Vertriebspartner vieler internationaler Labels: der independent Vertrieb ist mit seinen Katalogen und Produktionen weltweit tätig.

Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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