> > > Hindemith, Paul: Plöner Musiktag
Samstag, 10. Dezember 2022

Hindemith, Paul - Plöner Musiktag

Ein Tag voller Musik


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wergo bringt mit einer Aufnahme von Paul Hindemiths 'Plöner Musiktag' eine Rarität auf den Plattenmarkt, der vor allem ein aller Ehren wertes Musikprojekt dokumentiert.

Paul Hindemith hatte ab 1927 eine Professur an der Berliner Hochschule für Musik und lehrte ab 1929 an der noch jungen Musikschule Neukölln. Mit seiner pädagogischen Arbeit widmete er sich stets auch den Laien, den Musikinteressierten – nicht nur den spezialisierten Studenten –, wie etwa der Laienmusikbewegung ‚Die Musikantengilde‘. Hindemiths Engagement erweckte auch das Interesse der türkischen Regierung, die ihn 1935 dazu einlud, die Musiker- und Musiklehrerausbildung in der Türkei zu reformieren. Dieses Angebot nahm er an und reiste in den darauffolgenden Jahren mehrmals zu langen Aufenthalten in die Türkei.

Der Plöner Musiktag fand am 20. Juni 1932 statt und war eine einmalige Aktion. Gemeinsam mit den Schülern des Internats im Plöner Schloss (Schleswig-Holstein) gestaltete er einen ganzen Tag mit Musik, ausgerichtet nach den Fähigkeiten und Kenntnissen der Kinder und Jugendlichen. An dieser Schule lernte jedes Kind ein Instrument; der dort engagierte Pädagoge Edgar Rabsch legte auch besonderen Wert auf die Einbindung zeitgenössischer Musik wie Weill oder eben Hindemith.

Jugend an die Instrumente!

Der Tag begann mit einer zehnminütigen Morgenmusik am Turm des Internats, gespielt von den Blechbläsern. Weiter ging es mit Proben der einzelnen Gruppen, verteilt auf das gesamte Areal des Parks. Das Zusammenspielen stand im Zentrum, nicht das Vorspielen. Zum Mittagessen wurde dann die Tafelmusik aufgeführt. Schließlich kommt es zur zentralen Kantate, an der sich alle beteiligen können, da sie besonders einfach komponiert ist. Dem Stück liegt der Text ‚Mahnung an die Jugend sich der Musik zu befleißigen‘ von Martin Agricola zugrunde und lässt mittendrin Raum für ein kurzes gesprochenes Melodram. Der Tag endet mit einem festlichen Abendkonzert, bei dem die unterschiedlichsten Kombinationen der Instrumente zum Einsatz kommen. So komponierte Hindemith etwa eigens ein Blockflötentrio für die ganz kleinen Kinder, damit sie auch an der Aktion teilnehmen konnten. Die Musik des Plöner Musiktags orientiert sich stark an barockem Idiom, sei es in den Besetzungen, der Rhythmik und in ihrer Funktionalität. Hindemith komponierte die Stimmen, wie schon in seinen 'Spielmusiken' nicht für bestimmte Instrumente.

Jobst Liebrecht, der die Stücke für die Schüler der Hans-Werner-Henze-Musikschule in Marzahn-Hellersdorf einrichtete und auch das dort verankerte Jugendsinfonieorchester gründete und leitet, bemühte sich, derselben Einrichtung wie bei der Uraufführung zu folgen. Schließlich handelt es sich um die bei Wergo erschienene Aufnahme um eine Ersteinspielung. Dem Engagement Liebrechts kann nicht genügend Lob entgegengebracht werden – gerade im Kontext der aktuellen Debatte um musikalische Bildung. Unter Liebrechts Leitung agieren alle Beteiligten, sowohl die Jugendlichen (David Reibel als Sprecher, das Jugendsinfonieorchester Marzahn-Hellersdorf, Ensembles der Hans-Werner-Henze-Musikschule, Rundfunkkinderchor Berlin und weitere Berliner Kinder- und Jugendchöre) als auch die Erwachsenen (Dietrich Henschel, Bariton und Mitglieder des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin) mit hörbarer Spielfreude und größtmöglichem Einsatz.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hindemith, Paul: Plöner Musiktag

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.11.2010
Medium:
EAN:

CD
4010228672824


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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