> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Große Messe in c-Moll
Mittwoch, 15. Juli 2020

Mozart, Wolfgang Amadeus - Große Messe in c-Moll

Schwache Solisten und schwerfälliges Dirigat


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Chorstücke werden allzu breit gesungen, die Solisten agieren mit opernhaftem Duktus und Christophers kann aus dem Orchester keinen durchsichtigen Klang hervorzaubern. Schade.

Von Mozarts 18 Messen blieben zwei unvollendet. Zu diesen zählt auch die Messe in c-Moll KV 427, die der englische Dirigent Harry Christophers mit der altehrwürdigen amerikanischen Handel and Haydn Society neu eingespielt hat. Christophers leitet normalerweise sein Ensemble The Sixteen, mit dem er höchst differenzierte Interpretationen barocker und vor-barocker Musik vorgelegt hat. Der durchsichtige Chorklang seiner Sänger ist einer der hervorstechendsten Merkmale seiner bisherigen fantastischen Einspielungen.

Nun dirigiert Christophers in diesem Live-Mitschnitt aber die 1815 gegründete Bostoner Handel and Haydn Society (Chor und Orchester), die als eine der ältesten Musikformationen Amerikas gilt. Seit 1854 führt das Ensemble jährlich den 'Messias' auf, wodurch die Society stark geprägt ist. Sie hat sich seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert ganz der Pflege Händelscher und Haydnscher Musik verschrieben, um die eine Art Kult betrieben wird. Ende der 1969er Jahre wandelte sich die Gruppierung von einem Laienensemble zu einer Profiformation, die den Anspruch Historischer Aufführungspraxis hat. Lange Jahre war deshalb Christopher Hogwood künstlerischer Leiter, dessen Arbeit man durch die Verpflichtung von Harry Christophers fortsetzen möchte.

Opernhafte Interpretation

Die Interpretation der Mozart-Messe lässt aber leider das selbstzugeschriebene Renommee vermissen, denn hier scheint nur die zu Grunde liegende unvollendete Partiturfassung historisch verbürgt zu sein. Die Chorstücke werden allzu breit und schwerfällig gesungen (besonders im 'Kyrie', 'Qui tollis'), die Solisten agieren mit opernhaftem Duktus, und Christophers kann aus dem Orchester keinen durchsichtigen Klang hervorzaubern. Die Tempi wirken behäbig, während die Arien so pathosgeladen vorgetragen werden, dass man glatt vergisst, dass hier Mozart erklingt. Die Sopranistin Gillian Keith agiert streckenweise recht unbeholfen. Ihr ausgeprägtes Vibrato lässt jeden Esprit vermissen. Recht hölzern fällt auch ihr Duett 'Domine Deus' mit der Mezzosopranistin Tove Dahlberg aus, bei dem sich die beiden Stimmen im Wechselspiel der Melodieführung in grellen Spitzentönen überbieten. Thomas Cooley stand während der Aufzeichnung entweder ungünstig zu den Mikrophonen oder er verfügt über eine sehr kleine Stimme. Man hört seinen Gesang im 'Quoniam' neben Dahlberg und Keith kaum heraus. Auch in den solistischen Passagen verschwindet er leider stimmlich hinter dem Orchesterklang. Im 'Benedictus' wirkt er in den Koloraturen atemlos und gehetzt. Der Bass-Bariton Nathan Berg hat einen kurzen Auftritt im letzten Satz, der aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Der Chor singt schwerfällig und etwas stumpf. Es fehlen sowohl die luziden Höhen als auch ein überzeugendes Bassfundament. Stattdessen gestaltet sich der Klang der Sänger undifferenziert mulmig. Oft versteht man den lateinischen Text kaum, und der Interpretation fehlt rhythmische Prägnanz. Abgerundet wird die CD von minutenlangem Beifall, der die Begeisterungsstürme des Bostoner Publikums wiedergibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Große Messe in c-Moll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coro
1
22.10.2010
Medium:
EAN:

CD
828021608421


Cover vergössern

Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Coro:

  • Zur Kritik... Expressive Gestaltung: Der englische Chor The Sixteen interpretiert unter der Leitung von Harry Christophers mit warmem Klang Alte Musik aus Rom, die teils in die Passionszeit passt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Palestrina ganz frisch: So ist die Tour durch das geistliche Werk Palestrinas ein echtes Vergnügen: Harry Christophers und The Sixteen mit einer wirklich gelungenen achten Folge ihrer Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Delightful: Diese Aufnahme von 'Acis and Galatea' macht einfach Freude und lässt im Rahmen der klar lesbaren Intention keine Wünsche offen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Coro...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Christiane Bayer:

  • Zur Kritik... Wo ist das Strahlen?: Die Stücke sind schön eingesungen, wenn auch ohne große interpretatorische Überraschungen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Frühling für die Ohren: Stefen Temmingh und Dorothee Mields spüren mit Neugier den unterschiedlichen Vogelstimmen und deren Bedeutungen in der europäischen Barockmusik nach. Was für ein buntes Gezwitscher, bei dem einem Ohr und Herz aufgehen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Ein würdiger Auftakt: Der Startschuss zu einer Kuhnau-Reihe bei cpo könnte fulminanter gar nicht ausfallen: tadellose Umsetzung großartiger Musik durch das Ensemble Opella Musica mit Unterstützung der Camerata Lipsiensis. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Christiane Bayer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Loreleys Klangzauber: Schöner und inniger als Julia Kleiter kann man diese Lieder kaum singen – inhaltlich ist aber noch deutlich Luft nach oben. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Rhythmisches Einerlei: Francesco Corti und Il pomo d'oro widmen sich Bachs Cembalo-Konzerten. Weiter...
    (Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Teamarbeit: Die Gesamtleistung der Musiker von Il gardellino überzeugt in zwei großen geistlichen Chorwerken von Niccolò Jommelli ebenso wie ihre Einzelleistungen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Hans Eklund: Symphony No.5 Quadri - Allegro e feroce. Andante sostenuto. Allegro. Andante sostenuto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich