> > > Lang, Bernhard: Die Sterne des Hungers
Montag, 17. Januar 2022

Lang, Bernhard - Die Sterne des Hungers

Wuchernde Wiederholungen


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Neues von Bernhard Lang, der sein Spiel mit den Wiederholungen deutlich differenziert hat.

Selten findet man in der aktuellen Musik einen Komponisten, der mit einer solchen Stringenz und konzeptuellen Kraft zu Werke geht wie Bernhard Lang. Über lange Jahre hindurch hat er seine Musik dem Prinzip von Differenz und Wiederholung gewidmet, das Gilles Deleuze in seiner gleichnamigen Habilitationsschrift so eindrücklich erläutert hat. Das Wiederholungskonzept hat Bernhard Lang in einer neuen Werkreihe nun erweitert. Seit 2007 entstehen Stücke mit dem Titel 'Monadologie', ein Terminus, der Gottfried Wilhelm Leibniz entliehen ist. Die Urmonade ist in den meisten Fällen ein Zitat aus der Musikgeschichte, die in unterschiedlichen Wiederholungsprozessen weiterwuchert und so zu ganz neuen Formen findet. Als Metakompositionen, die sich mit der Musikgeschichte auseinandersetzen, bezeichnet Lang dann auch seine Monadologien. Von dieser neuen Kompositionsweise zeugt eine Einspielung des Klangforum Wien, die jüngst bei Kairos erschienen ist. Neben der 'Monadologie VII' findet sich auf ihr 'Die Sterne des Hungers' für Mezzosopran und Ensemble, ein Stück, das keiner Werkreihe zugeordnet ist, jedoch in seiner Struktur unverkennbar auf das monadologische Prinzip hinweist.

'Die Sterne des Hungers' bezieht sich auf Gedichte von Christine Lavant, aus denen mithilfe eines Textgenerators im Zufallsmodus eine Collage erstellt wird – das Original wird dabei in DJ-Manier neu gemischt, in seiner Haecceitas jedoch nicht angetastet. In das Werk interpoliert ist Musik von Guillaume de Machaut, dessen Rondeau 'Ma fin est mon commencement' nach 20 Takten im Original exakt rückwärts läuft. Auch in den anderen Teilen färbt der Satz de Machauts Langs Musik immer wieder subtil ein, so dass man die Komposition durchaus als einen wichtigen Schritt hin zur Monadologie-Werkreihe betrachten darf, die sich als Auseinandersetzung mit zentralen Werken der Musikgeschichte und ihrer Rezeption im heutigen Hören versteht.

'…for Arnold' ist der Untertitel der 2009 entstandenen 'Monadologie VII', der somit gleichzeitig auf zwei wichtige Bezugspersonen hinweist: auf Arnold Schönberg, dessen Zweiter Kammersymphonie Bernhard Lang das musikalische Material seines Ensemblestücks entnommen hat, und auf den österreichischen Filmemacher Martin Arnold, dessen kunstvolle filmische Loopsequenzen zu den wichtigsten Inspirationsquellen für Lang gehören. Aus den Readymades entstehen Variationen, feine Differenzen ergeben sich in raffinierten Wiederholungsschemata, die unglaublich dynamisch und in keiner Weise monoton sind. Bernhard Lang gehört zu einer Generation von medienreflektierten Komponisten. In Zeiten, in denen die allgemeine Hörerfahrung vor allem durch Musikgeräte geprägt ist, die auf eine standardisierte Wiederholungstechnik getrimmt sind, ändert sich das Bewusstsein für Musik grundlegend. Es scheint, dass Walter Benjamins Traktat über das ‚Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit‘ erst jetzt so richtig in der Musikwelt angekommen ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Paul Hübner Kritik von Paul Hübner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lang, Bernhard: Die Sterne des Hungers

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
12.11.2010
Medium:
EAN:

CD
9120010281662


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