> > > Mixa, Franz: Sinfonie Nr.3 und 5
Montag, 30. Januar 2023

Mixa, Franz - Sinfonie Nr.3 und 5

Karge Landschaften


Label/Verlag: Antes Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dass der Wiener Komponist Franz Mixa fast zehn Jahre in Island zu Hause war, merkt man diesen Orchesterwerken direkt (Isländische Volksweisen) oder indirekt (kühl-transparente Instrumentierung) an. Solide Darbietung der Donau Philharmonie.

Wer war eigentlich Franz Mixa? Immerhin geht eine ausschließlich den Orchesterwerken dieses wohl selbst in seiner Heimat unbekannten Komponisten gewidmete Serie beim Label Antes Edition bereits in die zweite Runde. Fragen wir das Booklet, erfahren wir (unter anderem), dass der 1902 in Wien geborene Musiker nach Studium und erster beruflicher Tätigkeit 1929 für fast zehn Jahre nach Island ging, wo er in der Hauptstadt Reykjavik das dortige Musikleben entscheidend prägte. Schließlich bot ihm das Land aber doch zu geringe Möglichkeiten, so dass er 1938 nach Österreich zurückkehrte; später übersiedelte er nach München, wo seine zweite Ehefrau (die Sängerin Hertha Töpper) eine Anstellung gefunden hatte. Hier verbrachte Mixa den Rest seines Lebens als Liedbegleiter seiner berühmten Gattin und als freischaffender Komponist; er starb 1994. Man erfährt ferner, dass Mixa trotz ‚parteipolitischen Engagements‘ zur Wehrmacht eingezogen worden war und in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Klar ausgesprochen wird jedoch nicht, dass der Komponist bereits 1932 der NSDAP beigetreten war und von 1938 bis 1943 die Reichsmusikkammer Gau Steiermark leitete. Vielen wird es schwer fallen, einem Künstler, der in das System des Nationalsozialismus verstrickt war, eine Chance zu geben. Dem Rezensenten ist unbekannt, inwieweit Mixa die Partei-Ideologie aktiv vertrat, oder ob er tatsächlich in erster Linie seine Karriere im Blick gehabt hatte.

Tonal oder nicht?

Die drei hier präsentierten Orchesterwerke, zwei Sinfonien und eine zweisätzige Suite, sind allesamt erst nach dem zweiten Weltkrieg entstanden. Der Islandaufenthalt hatte anscheinend so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass er Mixa noch 1958 zu seiner 'Musik über isländische Volksweisen' anregte – zwei Sätze, die einen eigenwilligen Umgang mit der Volksmusik pflegen. Zudem zwei Sätze, deren eigenwillig karge Instrumentierung mit markanten Schlagzeugeinwürfen offenbar nicht auf die raue isländische Natur gemünzt ist, sondern als typisch für den Komponisten gelten darf, denn die beiden Sinfonien zeigen eine ähnliche Orchesterbehandlung. Die Dritte Sinfonie e-Moll entstand 1969. Auch hier fühlt man sich spontan in die eisig kahlen Landschaften Islands versetzt; kein Wunder wohl, dass das Werk ausgerechnet in Island uraufgeführt wurde. 1975 schrieb Mixa seine Fünfte und letzte Sinfonie: das Werk in a-Moll mag etwas reifer wirken, setzt im Prinzip aber das vorher Erreichte fort. Die grundsätzlich transparente und klare, bisweilen aber unterkühlt wirkende Instrumentierung wurde bereits angesprochen; in Verbindung mit instrumentalen Details wie dem Schlagzeugeinsatz und Besonderheiten der Melodik lässt sich – insbesondere in der Fünften Sinfonie – eine Verwandtschaft zu Allan Pettersson ausmachen, freilich ohne dass Mixa dem exzentrischen Schweden gleichkäme. Mit traditioneller Tonalität hat Mixas Klangsprache – den Tonartenangaben zum Trotz – nicht viel gemein. Der Charakter der verschiedenen Kompositionen ist vergleichsweise ähnlich – stets durchdrungen von großem Ernst bis hin zur Unnahbarkeit; man merkt, dass Mixa als Freischaffender keine ‚Rücksicht‘ auf seine Hörer nehmen musste. Das könnte in diesem Falle Stärke und Schwäche zugleich sein.

Solide Leistung

Die 2009 entstandene Einspielung bietet in Sachen Interpretation und Aufnahmequalität solides Niveau. Die Donau Philharmonie Wien, die Musiker aus Österreich, Deutschland, Ungarn und der Slowakei unter einem europäischen Dach vereinigt, musiziert unter der Leitung ihres Chefdirigenten Manfred Müssauer zwar engagiert und recht gut, ohne dabei aber zu brillieren. Am Ende ist es der allerletzte Schliff, der fehlt, wie auch die Spielkultur nicht immer Weltklasseniveau erreicht. Da gibt es Unstimmigkeiten in der Intonation und Defizite in der Klangschönheit der Bläser. Die Aufnahme bildet das Orchester recht direkt ab, wobei die Balance insbesondere beim Schlagwerk, welches das Geschehen akustisch doch arg dominiert, zu hinterfragen wäre. Andererseits kommt diese Aufnahmetechnik der stets durchsichtigen, bisweilen kammermusikalisch intimen, nie aber überladenen Instrumentierung Mixas sehr entgegen. Abgesehen von der bereits genannten Kritik kann das Booklet durch einen recht umfangreichen Einführungstext punkten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mixa, Franz: Sinfonie Nr.3 und 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Antes Classics
2
03.01.2011
Medium:
EAN:

CD
4014513024091


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Antes Classics

Zu Beginn der 90er Jahre wurde die ANTES EDITION gegründet, in der hochwertige E-Musik auf Tonträger und im Notendruck erscheint unter dem Motto: Hohe Qualität, unvergleichliches Repertoire und Förderung junger Talente. So wird Komponisten und ausübenden Musikern ein kreatives und aktives Forum der klassischen Musik geboten. Veröffentlicht wurden bisher mehr als 250 CD-Produktionen mit ausgefallenen Kammermusikwerken und herausragenden Interpretationen des bekannten Repertoires. Einen besonderen Schwerpunkt stellt eine Reihe zeitgenössischer Werke aus Estland dar. Gerade die Tatsache, dass Estlands Avantgarde nicht an der Richtschnur westlicher Tendenzen in der Neuen Musik zu messen ist, macht sie so interessant.

Eine Vielzahl hervorragender Kritiken und Informationen wurden publiziert.

ANTES EDITION ist ein Label der BELLA MUSICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER


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