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Mittwoch, 23. September 2020

A Surprise in Texas - The Thirteenth Van Cliburn International Piano Competition

TSDS


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hier gilt es nicht der Kunst: Beim Van-Cliburn-Klavierwettbewerb 2009 herrscht Jahrmarktsstimmung.

Dies ist die halboffizielle filmische Dokumentation des Van-Cliburn-Klavierwettbewerbs 2009, von Euroarts und der Van Cliburn Foundation herausgebracht. Peter Rosen, Altvater des amerikanischen Musikdokumentarfilms, führt kompetent Regie. Die Filmerzählung folgt dem zeitlichen Ablauf des Wettbewerbs. Hieraus bezieht sie human interest und Spannung: Dem Zuschauer wird Einfühlung leicht gemacht, er ist gehalten, die Nöte und Hoffnungen der Teilnehmer mitzuvollziehen. Texanische Gastfamilien kommen zu Wort, daneben Hörer, Juroren und einige der jungen Künstler selbst. Diese zeigen sich günstigenfalls wortkarg. Sprache ist nicht ihr Metier. Ungünstigenfalls äußern sie krude Trivialitäten. Einige männliche Teilnehmer geben, durchdrungen von eitlem Sendungsbewusstsein, mission statements zum Besten, die, wären sie weniger lachhaft, empörten.

Die Ausdrucks- und Denkweise vieler, die während neunzig Minuten zu Wort kommen, ist cowboyhaft rustikal, großsprecherisch, voller floskelhafter religiöser Überhöhung und wohlfeiler Superlative. Durch Bass Hall, Fort Worth, weht ein Hauch von ‚Texas sucht den Superstar‘. Dass Dieter Bohlen in dieser Umgebung unangenehm auffiele, ist keineswegs sicher.

Beim angeblich weltweit ‚prestigeträchtigsten‘ Klavierwettbewerb wird auf knallig brillanten, perkussiven Steinways musiziert. Das Klangbild ist meistenteils gleichförmig, dynamisch wenig nuanciert. Technisches Können steht trotz gegenteiliger Beteuerungen im Vordergrund. Anders ließe sich die Dominanz virtuosen Repertoires zwischen Chopin’schen Etüden, Liszt, Rachmaninow und Strawinsky nicht erklären. Bach und die Wiener Klassik spielen eine untergeordnete Rolle. Selbst in der zweiten Auswahlrunde – Kammermusik soll die Fähigkeit zum Zusammenspiel prüfen –, dominiert wildromantisches Repertoire. Die Musiker des Takács-Quartetts stellen sich als Sekundanten zur Verfügung.

Nicht, dass es ausschließlich um Athletik der Finger ginge. Aber leise Töne werden selten vernommen. Man greift tief in den Farbtopf und trägt mit dickem Pinsel auf. In parodistischer Überzeichnung begegnet diese Haltung bei Vertretern der ‚russischen‘ Schule: Osteuropäischen Pianisten fällt die Aufgabe zu, ‚slawische Seele‘, Tiefgründigkeit und Trinkfestigkeit zu verkörpern. Einer der ihren versenkt Bachs Chaconne im Ozean des Pedals und tumbem Pathos: Wenn Kunst und Moral zusammengehören, ist dies ein Kapitalverbrechen.

Van Cliburn hat dem Wettbewerb seinen Namen geliehen. Kein anderer Pianist ist so rasch und hoch gestiegen – Tschaikowsky-Wettbewerb 1958 – und gestürzt. Dasselbe Schicksal erleiden (im Miniaturformat) die meisten Eroberer von Fort Worth. Nur wenigen gelingt es, sich dauerhaft auf den Höhen der Siegerpodeste zu halten. Auch ist nicht ausgemacht, ob Radu Lupu, Christian Zacharias und Olga Kern des Van-Cliburn-Wettbewerbs bedurften, um ihren Weg in die Konzertsäle und Plattenstudios zu finden.

Was die Karriereaussichten der Sieger von 2009 betrifft, besteht kein Anlass zum Optimismus. Der blinde Nobuyuki Tsuji (Gold-Medaille) könnte zum Andrea Bocelli des Klaviers herabsinken. Haochen Zhang (Gold), Harry Potter recht ähnlich, stellt sich als einziger – neben allerlei perkussivem Repertoire – der Herausforderung Mozart. Musikalische Reife deutet sich an. Yeoul Eum Son (Silber) wird als sportlich-unbeschwertes Girl Next Door inszeniert und erhält oder ergreift keine Gelegenheit, diesen Eindruck zu widerlegen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    A Surprise in Texas: The Thirteenth Van Cliburn International Piano Competition

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
27.09.2010
Medium:
EAN:

DVD
880242581686


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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