> > > Chopin, Frédéric: Balladen Nr. 1-4
Sonntag, 22. Juli 2018

Chopin, Frédéric - Balladen Nr. 1-4

Chopin in neuer Klarheit


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bernd Glemser setzt mit seiner Interpretation der Balladen und Scherzi einen erstklassigen Schlusspunkt unter das Chopin-Jahr 2010.

Das Beste kommt zum Schluss: Was nicht für jedes klassische Konzert zutrifft, kann man getrost vom zu Ende gehenden Chopin-Jahr 2010 behaupten. Diese Einspielung der Balladen und Scherzi bildet einen Höhepunkt der kaum überschaubaren Veröffentlichungen mit Musik des berühmten polnischen Tondichters. Bernd Glemser kannte man bisher als herausragenden Interpreten zumal russischer Klaviermusik (Rachmaninow, Prokofjeff, Skrjabin), auch seine Schumann-Aufnahmen stießen auf durchweg hohes Lob.

Chopin spielte bisher nur eine Nebenrolle in seiner Diskographie; zusammen mit Maria Kliegel hatte er Werke für Violoncello und Klavier aufgenommen. Das ändert sich mit dieser CD, die den Hörer vom ersten Ton an überrascht. Gleich die aufstürmenden Skalen nach den dissonanten Einleitungs-Akkorden des ersten Scherzos op. 20 spielt Glemser scheinbar trocken, scharfkantig – ein ungewöhnlicher Ansatz, der aber im weiteren Verlauf des Werkes absolut zwingend wirkt. Klarheit, ja beinahe Nüchternheit herrschen hier vor, der Kontrast zu so manch anderer, übermäßig gefühlsbetonter Chopin-Interpretation ist groß.

Das heißt nun aber keineswegs, dass Glemser die romantisch-melodische Seite dieser Musik verleugnen würde. Gerade in den lyrischen Mittelabschnitten der Scherzi gelingen ihm Momente höchster Eindringlichkeit, und auch die Tempi werden nicht zu straff gehandhabt. Das zweite Scherzo op. 31 liegt sicherlich in flotteren, brillanteren Einspielungen vor. Doch Glemsers Stringenz benötigt keine Tempo-Rekorde. Wer es als vornehmste Aufgabe eines Musiker betrachtet, dem Hörer die Strukturen eines Werkes darzulegen und dabei höchstmögliche Geschlossenheit zu erreichen, der wird sich für diese Aufnahmen begeistern können. Der Pianist sucht nicht nach außermusikalischen Programmen, sondern vertraut ganz auf die Wirkung der Kompositionen.

Das ist insbesondere bei den Balladen von Vorteil, an deren Deutung sich ganze Generationen von Chopin-Forschern abgearbeitet haben: Was genau wollte der Tondichter mit seinen Werken wohl darstellen? Solche Fragen sind natürlich nicht verboten, aber fordert man den Interpreten auf, diese oder jene vermeintliche ‚Aussage‘ einer Ballade darzustellen, wird es heikel. Glemser überträgt seinen in den Scherzi überzeugenden Interpretations-Ansatz mühelos auf die Balladen und wird dadurch den Stücken bestens gerecht. Was bei diesem Pianisten fast schon selbstverständlich wirkt, ist die geschliffene Technik, die das exakte Hervorheben des musikalischen Verlaufs wohl erst ermöglicht. In jedem Fall gibt es hier keinen Pedaleinsatz, kein übermäßiges Fortissimo, das eventuell im Verdacht stünde, Schwierigkeiten zu kaschieren.

Nun sind das Fähigkeiten, über die gewiss auch andere Pianisten verfügen. Zusammen mit der eingangs erwähnten interpretatorischen Klarheit und – besonderes Plus dieser Aufnahme – einem wirklich erstklassigen Klangbild verbinden sie sich jedoch zu einer herausragenden Chopin-CD. Selbst wer die Balladen und Scherzi schon kennt, dürfte über Glemsers Herangehensweise überrascht sein – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es sich um eine sehr angenehme Überraschung handelt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chopin, Frédéric: Balladen Nr. 1-4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
01.01.2012
EAN:

4260034867581


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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