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Donnerstag, 2. Dezember 2021

Kapsperger, Giovanni Girolamo - I Pastori di Bettelemme

Die Hirten auf dem Felde


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Pastorale Klänge: Interessante Weihnachtsmusik von Giovanni Girolamo Kapsberger in einer feinsinnigen Deutung durch das Ensembles Echo du Danube.

Giovanni Girolamo Kapsberger (1580-1651) ist der Gegenwart allenfalls als Komponist für die Nische der frühbarocken Zupfinstrumente ein Begriff. Und zweifellos sind von ihm für dieses Repertoire etliche gewichtige Beiträge überliefert. Doch hat der Venezianer deutscher Abstammung, den es am Beginn des 17. Jahrhunderts nach Rom zog, weit mehr zu bieten. Im exquisiten, ebenso kunstliebenden wie verschwenderischen Umfeld der Kardinalshaushalte, vor allem dem der Familie Barberini, entfaltete Kapsberger mit einigen der wichtigsten komponierenden Zeitgenossen eine reiche künstlerische Produktion. Die erstreckte sich natürlich anlassbezogen auch auf geistliche Vokalmusik, so dass das 1630 im Druck erschienene Pastoralstück 'I Pastori di Bettelemme' für das Schaffen Kapsbergers durchaus keinen randständigen Charakter hat.

Konzipiert für die Aufführung in den vatikanischen Gemächern am Abend des 24. Dezember, verknüpft es in dem vom späteren Papst Clemens IX. verfassten Text das Weihnachtsgeschehen mit einer theologischen Einordnung der Ereignisse und deutlichem Lob des Papsttums. Musikalisch ist es pastorale Musik im besten Sinn: Leicht, ein bisschen verspielt, aber auch mit dem immer wieder gebotenen feierlich-besinnlichen Ernst. Längere monodische Passagen einzelner oder kommunizierender Hirten folgen zwar grundsätzlich dem Prinzip des begleiteten Sologesangs, sind aber doch von gedämpfter, wenig virtuoser Expressivität. Da wird die neue ästhetische Freiheit allenfalls angedeutet und gemildert eingesetzt. Kompositorisch deutlich gewichtiger sind da einige Ergänzungen des Programms, die Kapsberger als vollgültigen Meister der technisch anspruchsvollen Monodie zeigen. Hinzu treten gliedernd einige instrumentale Sätze von Giovanni Lorenzo Baldano (1576-1660), die vom charmanten Klang der Sordellina, einer italienischen Sackpfeife, dominiert werden. Überhaupt ist das erklingende Instrumentarium außerordentlich farbig: Neben Violinen und Blockflöte stehen Psalterium, Harfe, Chitarrone, Laute und Gitarre als prägende Elemente – also überwiegend gezupfte und damit auch perkussiv wirksame Klanggrößen.

Anmutig

Die Instrumentalisten von Echo du Danube spielen mit anmutigem Feinsinn, sind manuell sämtlich makellos und stilistisch sicher. Ihr Umgang mit der Musik ist entspannt und zeugt von gelassener Selbstverständlichkeit. Eine farbige, gleichwohl dezente und nie vordergründige Registrierung bringt zarte Spannungsmomente, vor allem der Klang der Sordellina färbt das Gesamtbild immer wieder mit einer speziellen Note.

Die Sopranistinnen Constanze Backes, Chiyuki Okamura, Clementine Jesdinsky, der Altus Franz Vitzthum, der Tenor Christian Dietz und der Bass Markus Flaig überzeugen vor allem als Ensemble – und das, obwohl lange Passagen solistisch-rezitativisch zu bestreiten sind. Doch nehmen auch hier die bruchlosen Übergänge, das homogene Erwachsen der Partien auseinander besonders ein. Für die echten Ensembles in meist homophonem Wohlklang gilt das zumal. Man könnte schlicht zusammenfassen: Technisch, intonatorisch und stilistisch bewegen sich alle Vokalisten nahe an der Ideallinie. Aus diesem Befund ragen die eingeschobenen Stücke von virtuoserem Zuschnitt noch positiv heraus: Wie sich etwa Christian Dietz im 'Laudate Dominum' als herausragender Techniker und Meister der Geläufigkeit profiliert, ist mehr als respektabel.

Das Klangbild ist sehr plastisch, geradezu von luftiger Aufgeräumtheit, Strukturen werden detailliert abgebildet. Besonders die perkussiven Elemente der beteiligten Instrumente werden gelungen abgebildet. Im instruktiven Einführungstext des sehr ansprechend gestalteten dreisprachigen Booklets wird Kapsberger als Teil eines der fruchtbarsten künstlerischen Umfelder jener Zeit vorgestellt. 'I Pastori di Bettelemme' kommen auf der vorliegenden Platte als stil- und niveauvolle geistliche Unterhaltung zu ihrem Recht – als Ergebnis einer anregenden und doch entspannten Deutung durch Echo du Danube. Eine sehr schöne Ergänzung des Repertoires.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kapsperger, Giovanni Girolamo: I Pastori di Bettelemme

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
01.10.2010
Medium:
EAN:

SACD
4015023242319


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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