> > > a late romantic christmas eve: Werke von Humperdinck, Tschaikowski, Schoenberg u.a.
Samstag, 20. Juli 2019

a late romantic christmas eve - Werke von Humperdinck, Tschaikowski, Schoenberg u.a.

Zwischen Andacht und Kaffeehaus


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bedächtige, traditionelle und heitere Weihnachtsstücke von der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert werden von dem Ensemble Le Quatuor Romantique sehr abwechslungsreich gestaltet und auf hohem Niveau präsentiert.

Ein schwedisches Weihnachtsbild der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bildet den Ausgangspunkt für die bei Ars Produktion erschienene Aufnahme mit dem Titel ‚A Late Romantic Christmas Eve‘ des Ensembles Le Quatuor Romantique. Dass die Musik der Vorweihnachtszeit in jenen Jahren nicht immer nur besinnlich sein musste, zeigt die bunte Mischung dieser Einspielung. Das Bürgertum legte in jener Zeit durchaus Wert auf die Ausübung von hoher und anspruchsvoller Kunst, konnte aber auch schnell ins Populäre wechseln. So stehen sich in dieser gelungenen Zusammenstellung bedächtige Kunstmusik – z.B. von Schönberg, Wagner oder Humperdinck – und Unterhaltungsmusik – z.B. von Schneider, Lindemann oder Eilenberg – kontrastreich gegenüber. ‚Alle Jahre wieder‘ gilt für diese Einspielung nicht, da sie viele unbekannte Stücke enthält und damit eine Besonderheit im Musikmarkt der Weihnachtszeit darstellt. Violine, Cello, Harmonium und Klavier bieten die instrumentale Grundlage für eine weihnachtliche Kammermusik, die viel Freude bereitet. Das Quartett Vassili Voroni (Violine), Edward John Semon (Cello), Joachim Diessner (Harmonium) und Markus Märkl (Klavier) erhält dabei von Elena Fink (Sopran) und Wasja Ninow (Violine) Unterstützung. Nicht alle Stücke wurden original für diese Quartett-Besetzung geschrieben, einige sind neue Arrangements bekannter Stücke.

Wie bei vielen Weihnachtsplatten dürfen einige Werke nicht fehlen. Anregend ist dabei die 'Nussknacker-Suite' von Tschaikowsky umgesetzt, in der hauptsächlich der zweite Satz 'Marsch' sehr gelungen ist. Das Harmonium bringt als Solist eine gewisse Jahrmarkt-Atmosphäre in das kurze Stück, die dem Inhalt des Ballettes sehr gut entspricht. Die Läufe in Violine und Klavier bringen weiteren Schwung hinein; ein leicht übertriebener Bogeneinsatz im Cello rundet den kecken Einsatz ab. Die Zuckerfee ist dagegen durchsichtig und zerbrechlich gezeichnet. Neben Tschaikowsky greift das Quartett auch auf die 'Ouvertüre' aus 'Hänsel und Gretel', der Märchenoper Humperdincks, zurück. Die verschiedenen Abschnitte der Ouvertüre – der berühmte ‚Abendsegen‘, der Wind mit dem Hexenhaus, der Jubel der befreiten Kinder – werden in dieser Version kaum unterschieden. Der Klang bleibt durchgängig gleich. Alle Noten werden etwas langgezogen, was gerade in den fröhlichen Passagen gewichtig wirkt und die Ausgelassenheit in den Hintergrund drängt.

Zu den bedächtigen Liedern gehört Gustav Lewins 'Nun ist sie endlich kommen', in der Elena Fink mit volltönender Stimme zum leisen Klavierpart singt. Dadurch wird das Klavier stellenweise in den Hintergrund gedrängt, obwohl in den leisen Passagen eine wunderbare Einheit herrscht. Sigfried Karg-Elerts Arie 'Mein gläubiges Herz' kommt zwar barockisierend daher, strahlt aber trotzdem eine ungeahnte Fröhlichkeit aus. Hier stimmt die Mischung von Gesang und Instrumentalisten viel besser. Von Wilhelm Berger und Arnold Mendelssohn zwei hübsche Lieder beigesteuert. Beide Stücke – die Weihnachtslieder 'Vom Himmel in die tiefsten Klüfte' und 'Markt und Straßen steh'n verlassen' – sind ähnlich gestaltet. Die Abstimmung zwischen Gesang und Instrumentalisten ist hier sehr gut gelungen, wobei die lauten Passagen zu sehr aus der Gesamtatmosphäre herausstechen. Das Harmonium, in beiden Stücken im Hintergrund bekannte Weihnachtslieder als Kontrapunkt anstimmend, bietet durch die einfühlsame Spielweise einen zweiten Ruhepol.

Der 'Weihnachtsmarsch' von Sigismund Schneider gehört zu den Werken der Aufnahme, die durchaus in einem Kaffeehaus vorgetragen werden könnten. In ihnen herrschen Witz, Parodie und Unterhaltung vor. Der Querschnitt aus einigen Weihnachtslieder, die mit einem schmissigen Ritornell verbunden sind, zeigen den anderen Umgang mit der freudigen Zeit. Dieser Stil passt dem Quartett ebenso gut wie die klassischen Werke. Dabei wird das Flair hauptsächlich durch das Violinspiel erreicht, das sehr pathetisch, aber zugleich ironisch wirkt. Auch das schnelle, präzise Pizzicato zeugt von vielfarbigen Klangfarben. Das heiterste Bild ergibt sich allerdings durch die 'Norwegische Renntierpost' von Richard Eilenberg. Wie in seinem bekanntesten Stück, der 'Petersburger Schlittenfahrt', steht dem Zuhörer eine rasante Fahrt bevor, die von einem ständigen Klingen begleitet wird. Schleifer, ungenaue Bindungen und harte Einsätze werden von den Streichern als spezifische Stilistik eingeführt. Harmonium und Klavier sind auch hier wieder einmal mehr reine Begleitung. Viele weitere überraschende, bedächtige, klassische, traditionelle und heitere Stücke werden von diesem Quartett sehr abwechslungsreich gestaltet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    a late romantic christmas eve: Werke von Humperdinck, Tschaikowski, Schoenberg u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.10.2010
Medium:
EAN:

SACD
4260052380864


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Berger, Wilhelm
 - Weihnachtslied op.52 Nr.4 - Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Dasty, Jean
 - Ave Maria -
Eilenberg, Richard
 - Norwegische Renntierpost - Charakterstück
Heykens, Jonny
 - Ave Maria -
Humperdinck, Engelbert
 - Ouverture zur Oper - Hänsel und Gretel
Karg-Elert, Sigfrid
 - Arie - Mein gläubiges Herz
Lewin, Gustav
 - Weihnachtslied - Nun ist sie endlich kommen
Lindemann, Wilhelm
 - Eine Muh, eine Mäh... - Charakterstück
Mendelssohn, Arnold
 - Weihnachtslied - Markt und Straßen stehn verlassen
Schneider, Sigismund
 - Weihnachtsmarsch - 1924
Schönberg, Arnold
 - Weihnachtsmusik - Choralbearbeitung
Schreiner, Adolf
 - Paraphrase - Stille Nacht
Tschaikowsky, Peter
 - Suite aus "Der Nussknacker", op.71 - Ouverture
 - Suite aus "Der Nussknacker", op.71 - Marche
 - Suite aus "Der Nussknacker", op.71 - Danse de la Fee dragee
 - Suite aus "Der Nussknacker", op.71 - Trepak
 - Suite aus "Der Nussknacker", op.71 - Valse des Fleurs
Wagner, Siegfried
 - Weihnachtslied - Was soll das bedeuten
Waldteufel, Emile
 - Les Patineurs - Konzertwalzer


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


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