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Samstag, 10. Dezember 2022

Wellesz, Egon - Werke für Kammerorchester

Wellesz' Kammermusik neu entdeckt


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


CPO schließt mit vorliegender Einspielungen von Kammerorchester-Werken aus der Feder von Egon Wellesz eine breite Repertoirelücke.

Das Ensemble Kontrapunkte spielte unter der Leitung seines Dirigenten Peter Keuschnig für CPO alle relevanten Werke für und mit Kammerorchester des österreichischen Komponisten Egon Wellesz ein. Damit wurde eine weitere Lücke in der Wellesz-Diskografie geschlossen und durchaus interessante Werke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1885 in Wien geboren, studierte Wellesz Musikwissenschaft und promovierte bei Guido Adler. Er nahm privaten Kompositionsunterricht bei Arnold Schönberg und zählte in der Zwischenkriegszeit mit seinen Opern und Balletten zu den meistgespielten Komponisten im deutschen Sprachraum. Ab 1913 unterrichtete er an der Wiener Universität, wo er ab 1929 eine Professur inne hatte. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt lag auf byzantinischer Musik. Im März 1938 emigrierte Wellesz nach Oxford, wo er bereits 1932 – als zweiter Österreicher nach Joseph Haydn – die Ehrendoktorwürde erhalten hatte. Er lebte dort bis zu seinem Tod 1974. Nach 1945, also ab seinem 60. Lebensjahr, komponierte er neun Symphonien und viele Kammermusikwerke. Seit 1998 widmet sich der Egon-Wellesz-Fonds bei der Gesellschaft der Musikfreunde der Verbreitung seiner Werke sowie der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit seinem Leben und Schaffen. Auf seine Initiative hin kamen auch einige bisher noch nicht aufgeführte Werke zur Aufführung.

‚Darstellung des Gefühlhaften‘

Wellesz‘ Frühwerk 'Sommernacht' für Kammerensemble und Gesang (1909/12/13) wurde für diese Einspielung erstmals zur Aufführung gebracht und steht stilistisch noch ganz unter dem Einfluss von Mahler und Bruckner. Die Wahl der Singstimme bleibt den Interpreten überlassen und ist mit dem Bariton Adrian Eröd bestens besetzt. Seine warme, und trotzdem frische und ausdrucksstarke Stimme prägt auch die kurze 'Ode an die Musik' von 1965, in der Eröd die Klangfarbe seiner Stimme gekonnt dem jeweiligen Text anpasst. Hier wird Wellesz‘ ‚Altersstil‘ (so titulierte er ihn selbst) mit sparsamer Instrumentierung, einer Melodik, die sich durch große, meist dissonante Intervallschritte markant von seiner jugendlichen spätromantischen Phase abhebt, tragend. Konsequenterweise hält er an seinen künstlerischen Grundsätze fest: sich durch ‚Darstellung des Gefühlhaften‘, des ‚Triebhaften der Empfindung‘ in einer allgemein verständlichen Sprache auszudrücken. Das populärste Werk auf dieser CD ist das 'Persische Ballett', Wellesz‘ Lehrer Arnold Schönberg gewidmet und 1924 in Donaueschingen uraufgeführt. Angeregt durch persische Miniaturen komponierte er kurze, sehr unterschiedliche Szenen, die von lyrischen Flötenpassagen bis hin zu stark rhythmischen, an Militärmusiken erinnernde Teile reichen. In der 'Suite für Violine und Kammerorchester' (1924), geschrieben für sechs Instrumente und Violine, experimentiert Wellesz mit polytonalen, neobarocken und neoklassizistischen Strukturen, über die er sich mit seinem Freund Darius Milhaud intensiv austauschte. Der Solist Josef Hell gestaltet die einprägsamen Melodien intensiv, prägnant und klar.

Am wenigsten überzeugen die 'Four Songs of Return' (1961) mit der Sopranistin Christine Whittlesey. Die vier Lieder auf Gedichte von Elisabeth Mackenzie, eigens für Wellesz geschrieben, handeln von Zeit und Ewigkeit. Mit Harfe, Klavier, Klarinette und Streichquartett entstehen expressionistische, feinfühlig instrumentierte Sätze, denen Whittlesey mit allzu starkem Vibrato ihre Zartheit nimmt. Das Ensemble Kontrapunkte unter der Leitung von Peter Keuschnig interpretiert Wellesz Kammermusik-Kompositionen gut. Ab und an wünschte man sich etwas mehr Präzision und Verve.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wellesz, Egon: Werke für Kammerorchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.09.2010
Medium:
EAN:

CD
761203757527


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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