> > > Christmas at San Marco: Werke von Bertoni, Galuppi und Latilla
Sonntag, 28. November 2021

Christmas at San Marco - Werke von Bertoni, Galuppi und Latilla

Festliche Messe


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Christmas at San Marco' bietet für jeden Hörer ein stimmungsvolles Weihnachtskonzert, das jede Adventsstunde mit Vorfreude auf das große Fest füllt.

Wie mag wohl im Jahr 1767 die Weihnachtsmusik in San Marco geklungen haben? Dieser spannenden Frage nähert sich die vorliegende CD. Denn während in der Adventszeit landauf, landab das Bachsche Weihnachtsoratorium erklingt, wird manchmal ganz vergessen, dass es noch viele andere lohnende Barockwerke gibt, die für weihnachtliche Freude sorgen können.

Von Reisebeschreibungen und anderen Tagebucheinträgen weiß man, dass die Feiertage in Venedig ganz besonders festlich begangen wurden, was neben dem strahlenden Kerzenglanz auch an der prächtigen Musik lag, die aufgeführt wurde. San Marco galt damals seit über hundert Jahren auf Grund seiner exzellenten Chorpraxis als Pilgerziel aller Musikliebhaber. Die mehrchörigen Kompositionen der dortigen Kapellmeister prägten den sakralen Stil Europas. Im April 2010 versuchte sich der Dresdner Chordirigent Peter Kopp zusammen mit dem Musikwissenschaftler Christoph Koop an einer Rekonstruktion der Weihnachtsmesse von 1767. Als Grundgerüst dient ihnen dabei die Messe, die Galuppi in jenem Jahr aus dem fernen Moskau in seine Heimatstadt Venedig sandte. Als einer der berühmtesten Komponisten seiner Zeit konnte sich Galuppi selbst während seines längeren Russlandaufenthalts für ihn günstige Bedingungen in Venedig aushandeln, die ihm sowohl eine Weiterzahlung seines Salärs als maestro di capella als auch eine Aufführung seiner Werke gewährleisteten. Koop und Kopp kombinierten die in Russland entstandene Messe für San Marco mit Kompositionen von Galuppis venezianischen Kollegen, die zu seiner Zeit ebenfalls in San Marco angestellt waren. Ob nun genau diese Werke am Heiligabend 1767 tatsächlich erklangen oder nicht, kann nicht mehr rekonstruiert werden. Koop und Kopp haben aus den möglichen Kompositionen das 'Kyrie in F' von Ferdinando Bertoni sowie die 'Sinfonia in G' von Gaetano Latilla ausgewählt, um ein rundes Programm zu gestalten.

Kopps Interpretation der evoziert festlichen Glanz und feierliche Andacht. In den grazil gearbeiteten Tuttisätzen kombiniert er die Klangpracht eines großen Ensembles mit der nuancierten Differenziertheit eines Kammerorchesters. Das Dresdner Instrumental-Concert und das Vocal Concert Dresden agieren wunderbar ausgewogen und harmonisch. Auch die Gesangssolisten lassen wenig zu wünschen übrig. Die stupende Virtuosität der Sänger ist nicht immer lupenrein, dafür aber exzellent musikalisch ausgestaltet. Die Sopranistinnen Gemma Bertagnoli und Valentina Varriale singen mit warmem, lyrischem Timbre, das sich gut mit den anderen Stimmen mischt. Besonders Bertanollis Interpretation des 'Adeste fideles' ist traumhaft schön. Das diese Komposition abschließende 'Alleluja' wirkt in einigen Passagen sehr vertraut, denn offenbar kannte Mozart diese Arie ebenfalls und verwendete Ausschnitte daraus in seiner berühmten Kantate 'Exultate Jubilate'. Varriale trägt das 'Qui tollis peccata mundi' aus der 'Messa per San Marco' mit strahlendem Ton und elegant phrasiert vor. Ihre Stimme gleitet mühelos durch die Oktaven, während sie ihren Ausdruck sekundenschnell dem jeweiligen Text anpassen kann.

Nicht ganz so souverän wie die beiden Sopranistinnen ist die gesangliche Leistung von Mary-Ellen Nesi (Alt). Sie gestaltet ihre Soloarie 'Gratias agimus tibi' aus der 'Messa per San Marco' mit einer extrem dunklen Stimmfärbung, die etwas zu schwer klingt. Ihr Vibrato ist sehr ausgeprägt, wodurch die Tonhöhen teilweise etwas verwischen. Die Soloarie des Tenors Julien Behr verlangt vom Interpreten große stimmliche Wendigkeit. Das lyrische Timbre des Sängers passt gut in die von der Partitur vorgegebenen Abläufe, doch wirkt sein Gesang durch den näselnden Klang seiner Stimme recht glanzlos. In den Ensemblesätzen fällt dies nicht ins Gewicht, denn Behr fügt sich perfekt in den Satz ein, doch fällt der matte Ausdruck in seinem Soloauftritt deutlich ins Gewicht. Clemens Heidrich (Bass) tritt nur in Zusammenhang mit Chor und seinen anderen Gesangskollegen auf. Er hat eine solide Bassstimme, mit der er ein verlässliches Fundament bildet.

Das Vocal Concert Dresden ist eine sichere Bank dieser Einspielung. Ein besonderes Merkmal seines Gesamtklangs ist, dass die Sopranstimmen nicht ganz so dominant sind, wodurch die Nebenstimmen Alt und Tenor sehr gut herauszuhören sind. Kopp erreicht mit seinen Sängern einen fein aufgefächerten Klang. Das Programm der CD wird durch die Einbindung von Latillas Sinfonia in G sehr gut aufgelockert. Es ist eine angenehme Abwechslung, einem reinen Orchesterklang lauschen zu können, denn dem Hörer wird mit dieser weihevollen Instrumentalmusik ein guter Kontrast zu den Gesangskompositionen geboten, der einen wieder neugierig auf das nächste Stück macht.

‚Christmas at San Marco‘ bietet für jeden Hörer ein stimmungsvolles Weihnachtskonzert, das jede Adventsstunde mit Vorfreude auf das große Fest füllt. Allein das Booklet könnte mit genaueren Informationen zum 'Adeste fideles' von Galuppi sowie zu den beiden Komponisten Bertoni und Latilla aufwarten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Christmas at San Marco: Werke von Bertoni, Galuppi und Latilla

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
1
29.10.2010
70:24
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
885470000633
0300063BC


Cover vergössern

"Venedig im Winter des Jahres 1767. Für einen festlichen Weihnachtsgottesdienst an San Marco wurde wie üblich die Komposition einer Messe vom Maestro di cappella Baldassare Galuppi erwartet. Galuppi hielt sich zu dieser Zeit zwar in Mosaku auf, lieferte jedoch eine Komposition in die Heimat, von der überliefert ist, dass ihre Qualität sowohl das Publikum als auch die Ausführenden begeisterte. Bei dieser Gelegenheit sind auch noch weitere Werke zu Gehör gebracht worden, und aus diesem Grunde wurden für diese Aufnahme die anderen zu einem typischen venezianischen Weihnachtsgottesdienst gehörenden Teile erkundet und sorgfältig ausgewählt: Das "Kyrie" hatte traditionell der erste Organist (hier: Ferdinando Bertoni) zu komponieren, "Gloria" und "Credo" der Maestro di cappella (Galuppi) selbst. "Sanctus" und "Agnus Dei" wurden in der Regel durch einen Motetto und ein Instrumentalstück (hier vom Vize maestro di cappella: Gaetano Latilla) ersetzt, während das Messproprium dem patriarchalischen Ritus folgend noch immer in gregorianischer Tradition gesungen wurde. Auf diese Weise ersteht durch diese Neuaufnahme des Vocal Concert Dresden der musikalische Eindruck eines klangprächtigen venezianischen Weihnachtsfestes. Ein hervorragendes internationales Solistenquintett und das Dresdner Instrumental-Concert musizieren mit dem hoch gelobten Chor unter der Leitung von Peter Kopp."


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Christiane Bayer:

  • Zur Kritik... Wo ist das Strahlen?: Die Stücke sind schön eingesungen, wenn auch ohne große interpretatorische Überraschungen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Frühling für die Ohren: Stefen Temmingh und Dorothee Mields spüren mit Neugier den unterschiedlichen Vogelstimmen und deren Bedeutungen in der europäischen Barockmusik nach. Was für ein buntes Gezwitscher, bei dem einem Ohr und Herz aufgehen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Ein würdiger Auftakt: Der Startschuss zu einer Kuhnau-Reihe bei cpo könnte fulminanter gar nicht ausfallen: tadellose Umsetzung großartiger Musik durch das Ensemble Opella Musica mit Unterstützung der Camerata Lipsiensis. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Christiane Bayer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich