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Freitag, 15. November 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Die Milde des Titus

Formen der Macht


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In Martin Kusejs Salzburger 'Titus'-Inszenierung entfaltet sich ein Vexierspiel über die Formen der Macht.

In diesen Tagen ist wieder viel von den Formen der Macht die Rede, von Herrschaft und Unterwerfung, Tyrannenmord, Rache und Verzeihung. Zur künstlerischen Reflexion könnte hier die kürzlich bei Arthaus Musik erschienene Inszenierung Martin Kusejs von Mozarts 'La Clemenza di Tito' dienen, ein Mitschnitt der Salzburger Festspiele 2003. In ihr entfaltet sich ein Vexierspiel über Macht und Gewalt, und ihre Auswirkungen auf die Psyche und Beziehungen ihrer Darsteller.

Der 'Titus' ist Mozarts letzte Oper, das dunkle Gegenstück zur Lichtwelt der 'Zauberflöte'. Formal eine Opera seria, eine denkbar obsolete Form im ausgehenden 18. Jahrhundert, konnte sich das Spätwerk nie im Repertoire behaupten, wirkte es in seinem Aufbau und seiner herrschaftlichen Struktur doch sehr sperrig, aller musikalischen Genialität zum Trotz. Dabei geht es hier um weit mehr als um ein klassizistisches Lehrstück von Moral und Tugend eines weisen Herrschers: Der milde Herrscher Titus war einst einer der blutrünstigsten Feldherren des römischen Imperiums, und die permanenten Wohltaten sind ein Terror der besonderen Art, ein ‚Terror der Güte‘, der die Untertanen umso fester an ihren Herrscher kettet.

Solchermaßen zwiespältig zeichnet Martin Kusej dann auch den Antihelden der Oper, in all seiner Zerrissenheit überzeugend verkörpert von Michael Schade: Wie paranoid schleicht der Kaiser durch die Gänge des Betonpalastes, die im zweiten Akt von Brandanschlägen geschwärzt sind. In der Heimatlosigkeit der Korridore gibt es viel Kabale und wenig Liebe, jeder ist jedem verfallen, vor allem sich selbst, und am Ende steht kein glücklich entwirrtes Beziehungsgeflecht, sondern ein Trümmerhaufen der Gefühle. Die Sprengkraft der Inszenierung findet sich unter der Oberfläche. Auf skandalös Brisantes verzichtet Kusej in dieser Regiearbeit, zumindest auf optischer Ebene.

Nikolaus Harnoncourts Zugriff auf die Oper legt keinen großen Wert auf die radikale Zerrissenheit des Personals, hier herrscht vielmehr die ‚Clemenza‘, Milde auf der ganzen Linie. Langeweile kommt trotzdem nicht auf, dafür sorgt schon die Tiefenschärfe, die durch die präzise Herausarbeitung der musikalischen Details entsteht. Auf der Bühne haben die Frauen die Hosen an – im wahrsten Sinne des Wortes. Und so glänzen besonders Vesselina Kasarova als Sesto und Elina Garanca in ihrem Salzburger Debüt als Annio. Man erlebt hier ein besonders eindrückliches Zusammenspiel zwischen inszenierter Personenregie und stimmlicher Finesse, der leider immer noch seltene Fall, wo eine gelungene Regie der Musik zusätzliche Facetten zu verleihen vermag. Zu oft noch endet die schauspielerische Leistung dort, wo die Stimme anfängt, dabei sollte sie eigentlich dort ihren Ursprung haben. In dieser Salzburger Inszenierung wird dieses Desiderat zur packenden Wirklichkeit.

Interpretation:
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Repertoirewert: 
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Regie:






Paul Hübner Kritik von Paul Hübner,


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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Milde des Titus

Label:
Anzahl Medien:
Arthaus Musik
1
Medium:
EAN:

DVD
807280718195


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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