> > > Klughardt, August: Klavierquintett op. 43
Sonntag, 16. Mai 2021

Klughardt, August - Klavierquintett op. 43

Kammermusikleckerbissen


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwei Kammermusikwerke des Romantikers August Klughardt. Das ist zu Unrecht vergessene Musik, die hier vom Leipziger Streichquartett und anderen glänzend dargeboten wird - ein überzeugendes Plädoyer!

August Klughardt (1847-1902) gehört zu der Riege von Komponisten, die vollständig in Vergessenheit geraten sind und bis heute nicht einmal ansatzweise wiederentdeckt wurden, was – von der Qualität der wenigen Werke, die es ins Repertoire geschafft haben, her zu urteilen – aber dringendst notwendig wäre. Was kennt man von Klughardt? Bestenfalls wohl das Cellokonzert, das Bläserquintett und die 'Schilflieder', die das Repertoire der seltenen Besetzung Oboe, Viola und Klavier bereichern. Die Sinfonien, Opern und sonstigen Kammermusikwerke hingegen schlummern in den Archiven und Bibliotheken. Vielleicht ist Klughardts Bestreben, einen Ausgleich zwischen den Richtungen der progressiven ‚neudeutschen Schule‘ um Richard Wagner und Franz Liszt und des konservativen Lagers, zu dessen Hauptvertreter Brahms gemacht wurde, für das mangelnde Interesse verantwortlich zu machen. Denn sowohl der damalige Konzertgänger, Konzertkritiker und später die Musikwissenschaft dachten (und denken) in Lagern (Schubladen). Und da passt Klughardt, der bei aller Verehrung für Wagner zwar dessen Leitmotivtechnik übernahm, aber an der ‚veralteten‘ Nummernoper festhielt, und der sich (ähnlich übrigens wie Joachim Raff) der Gattung der sinfonischen Dichtung verweigerte, beim besten Willen nicht hinein.

Streichquartett plus 1

Die vorliegende Platte aus dem Hause MDG bietet zwei größere Kammermusikwerke Klughardts: das Klavierquintett g-Moll op. 43 und das Streichquintett op. 62 in derselben Tonart. Es musiziert – als Kern – das Leipziger Streichquartett, das um die Pianistin Olga Gollej bzw. den Cellisten Julian Steckel erweitert wird. In beiden Fällen ist es kaum verständlich, wie solch hochwertige Musik so konsequent und nachhaltig durch Nichtbeachtung gestraft werden konnte. Bereits im Kopfsatz des Klavierquintetts überzeugen Einfallsreichtum und Raffinesse allein in der Instrumentenbehandlung: vom vollen, geradezu orchestralen Sound über wuchtige Ostinati, zart schmelzende Violinkantilenen bis zum differenziert kontrapunktischen Geflecht der Streichinstrumente ist alles vertreten, was diese Besetzung leisten kann. Genial auch, wie die markanten Themen in immer neuen Beleuchtungen und Farben erscheinen. Auch das Streichquintett verbindet in ungewohnter Weise volkstümliche Melodik mit einer anspruchsvollen kontrapunktisch geprägten Satztechnik und avancierter Harmonik.

Interpretatorischer Glücksfall

Die Interpretationen des Leipziger Streichquartetts mit Olga Gollej und Julian Steckel sind schlichtweg meisterlich. Die Musiker scheinen sich blind zu verstehen und musizieren perfekt zusammen; besonders hervorzuheben ist aber die hochgradig durchdachte Gestaltung, die sofort offenbart, wie gründlich die beiden Kompositionen erarbeitet wurden. Da sitzt jede Note, jede Phrase ist intelligent gestaltet, alles atmet und lebt, wirkt zielgerichtet und stimmig. Schön auch, wie groß das dynamische Spektrum ist; die wie hingetupften filigranen Strukturen, die das Streichquintett enthält, sind von ganz besonderer Delikatesse. In Kombination mit der bei MDG gewohnt hervorragenden Klagqualität – es wurde im Dezember 2009 aufgenommen – und dem soliden Einführungstext rundet sich die Produktion zu einem Kammermusikleckerbissen, den sich niemand entgehen lassen sollte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klughardt, August: Klavierquintett op. 43

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
24.09.2010
Medium:
EAN:

CD
760623165226


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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