> > > EinfachKlavierSpielen Band 1: Ein Weg zum Klavier für Jugentliche und jung gebliebende Erwachsene
Mittwoch, 16. Oktober 2019

EinfachKlavierSpielen Band 1 - Ein Weg zum Klavier für Jugentliche und jung gebliebende Erwachsene

Ein Weg zum Klavier für Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene I


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wer Günter Kaluzas andere Hefte wie beispielsweise 'Faszination Weihnachten' oder 'Faszination Klavier' kennt, ist vielleicht ein bisschen enttäuscht über 'Einfach Klavier spielen 1'.

Schon das Vorwort zur neuen dreibändigen Klavierspiel-Schule ‚Einfach Klavier spielen‘ aus der Edition Peters (EP 11301) macht neugierig. Autor Günter Kaluza hat einen sehr wohlklingenden Namen für dieses Projekt gefunden. Auch sein Vortext ‚Auf ein Wort‘ (nahezu druckgleich sowohl im Haupt- wie im Begleitheft) verspricht viel. Insbesondere preist der langjährig erfahrene Pädagoge (zunächst Kirchen- und Schulmusiker in NRW, nach der Wende Konrektor der Landesmusikschule Dresden und Geschäftsführer des Heinrich-Schütz-Konservatoriums daselbst) hier das Miteinander von Lernenden und Lehrenden, die dem ‚Erleben wunderbarer Klänge und Klangwelten‘ nachspüren. So könnte es sein beim modernen Klavierunterricht.

Die Auswahl Kaluzas hätte indes noch etwas üppiger und auch farbiger ausfallen können. Gerade einmal 48 Seiten umfasst Band 1, der etwas altbacken mit Illustrationen aus Wilhelm Buschs Bildergeschichte ‚Der Virtuos‘ bebildert ist. Die alte amerikanische Klavierschule von J.W. Schaum (1962) hatte da ihren ‚Herrn Siehmehr‘ mit den Noten als Augen.

Ganz nebenbei: Dieser Band eignet sich vorzüglich zum Blattspieltraining etwa für begabte junge Pianistinnen und Pianisten, die schon etwa ein Jahr Unterricht hatten. Kaluza hat die Werke so bearbeitet, dass Pianistinnen und Pianisten immer minutiös hinschauen müssen, da sich manchmal Nuancen ändern oder in fortschreitenden Melodien Töne der Leiter ausgelassen werden. Das schult. In dieser Hinsicht ist der in frischem pfirsich-orange gehaltene und in kunststoffbeschichteten Pappkarton eingebunden daherkommende Band (samt Begleitband) empfehlenswert. Er kann allerdings die zahlreiche Originalliteratur und die verschiedenen etablierten Klavierschulen für Anfänger weder ersetzen noch ablösen, geschweige denn ausstechen. Sowohl methodisch als auch aus melodiösen Gründen gibt es bestimmt liebenswertere Auswahlhefte, die den Auf- und Ausbau der technischen Möglichkeiten weitaus systematischer gestalten. Meist hängt es ja sowieso am Fleiß des Schülers, wie gut er lernt und nicht an der Methodik der Klavierschule.

Die Abfolge der Instruktionen ist zwar relativ plausibel aufgereiht, das Notenmaterial überspringt allerdings manchen Hinweis: Zum Beispiel erklärt Heft 1 ‚Einfach Klavierspielen‘ die Notenschrift und die Klavier-Notation erst im zweiten (!) Kapitel auf Seite 11 und den Takt auf Seite 19. Aber bereits die Anfangsstücke setzen eigentlich die Kenntnis darüber voraus. Dafür gibt es dann einen Schaukasten ‚Die ersten Noten und Töne‘. Das Ganze ist also nicht wirklich absolut logisch angeordnet und verlangt ein Hin- und Herspringen im Text. Deswegen: ein bisschen Klavierspielen sollte man schon können, wenn man zu dieser Klavierschule greift oder eben einen Lehrer haben, der fehlende Informationen dieser Klavierschule von sich aus im Unterricht vermittelt.

Auch die Beschreibung der Sitzposition (S. 4: ‚Man sitzt bequem, aufrecht und locker […] und neigt sich dabei leicht nach vorn‘) wirft Fragen auf: Wie ist die ‚entsprechende Höhe‘ des Klavierhockers einzustellen oder wie soll das Kind oder deren Eltern den ‚leicht stumpfen Winkel‘ der Armhaltung einschätzen? Ein klärendes Foto dazu fehlt. Für Autodidakten stellen sich hier mehr Fragen als der Autor Antworten gibt. Wenn der Lernende das Buch als Selbstanleitung zum Klavierspielenlernen versteht, fehlt zum Beispiel ebenfalls die Anleitung zum Staccato- und Tenutospiel auf Seite 16. Da steht lediglich: ‚Im nachfolgenden Stück sind punktierte Noten und punktierte Pausen sowie Legato, Staccato und Haltebögen zu finden. Neu ist auch der Tenuto-Strich.‘ Aber was bedeutet das? Was hat es damit auf sich? Kaluza bleibt die Antwort dazu schuldig.

Interessant wäre es gewesen, dem Hinweis zur ‚Dynamik‘ (S. 18) einen kleinen Exkurs in die Geschichte und Entwicklung des Pianoforte einzuflechten, anstatt die ‚Mannheimer Schule‘ als Erfinderin des Crescendo/Diminuendo zu erwähnen oder zu behaupten, dass Musiker bis zum 18. Jahrhundert ‚im Allgemeinen im mittleren (dynamischen) Bereich‘ musiziert hätten. Das ist schlichtweg Humbug. Durch die Präsentation der Intervalle (S. 22) wäre es wichtig gewesen, auf die Bedeutung des Aufbaus und des Lösens der Spannung im musikalischen Geschehen zu verweisen.

Bedauerlicherweise fehlt im Band auch jeglicher Hinweis zu der wichtigen Dur-/Moll- Farbkomponente. Ebenso wird das nötige Wissen für den Aufbau einer Tonleiter nicht vermittelt. Diese Information hätte besonders gut im Unterkapitel ‚Ganzton und Halbtonschritte‘ (S.37) behandelt werden müssen. Insgesamt verfügt die Auswahl im Begleitheft über nur zwei (!) Originalwerke, ein Menuett (S. 44) von Joseph Haydn und den 'Valse du Chocolat aux Amandes' von Erik Satie.

Wer Günter Kaluzas andere Hefte wie beispielsweise ‚Faszination Weihnachten‘ oder ‚Faszination Klavier‘ kennt, ist vielleicht ein bisschen enttäuscht über ‚Einfach Klavier spielen 1‘.

Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    EinfachKlavierSpielen Band 1: Ein Weg zum Klavier für Jugentliche und jung gebliebende Erwachsene

Label:
Anzahl Medien:
Edition Peters
1

EAN:
BestellNr.:

9790014109875
EP 11301

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"In zunehmendem Maß haben auch Erwachsene den Wunsch, Klavierspielen zu erlernen. Das mehrbändige Lehrwerk von Günter Kaluza bietet einen neuartigen Einstieg. Im Gegensatz zu Klavierschulen für Kinder wird hier das mehrstimmige Spiel mit einem unabhängigen Zusammenwirken beider Hände bereits sehr früh eingesetzt. Bewusst kleine Lernschritte, die jeweils als Fortschritte wahrgenommen werden, wirken hoch motivierend. Um Lernmengen individuell anpassen zu können, wurden ergänzend die begleitenden Spielhefte entwickelt, deren Kapitel synoptisch zu den Hauptbänden angelegt sind."


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Edition Peters

Seit mehr als 200 Jahren steht der Musikverlag C. F. Peters im Dienst von Musikpflege und Musikwissenschaft. Ausgaben klassischer wie zeitgenössischer Werke vereinigen sich in der EDITION PETERS zu einem Gesamtkatalog mit mehr als 12.000 lieferbaren Titeln. Erstklassige Qualität im Druck, ihr eigenes wissenschaftliches Profil und ihre Bezogenheit zur Praxis haben die Ausgaben der EDITION PETERS zu verlässlichen Garanten für eine musikalische Beschäftigung auf hohem Niveau werden lassen. Ungeachtet dessen hat es sich der Verlag zur selbstverständlichen Aufgabe gemacht, die an seine Editionen gestellten Qualitätskriterien immer wieder neu zu überprüfen.

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