> > > Vorspiel-Training Vol.1: Violinstücke der Mittelstufe mit Übungsanleitung
Mittwoch, 16. Oktober 2019

Vorspiel-Training Vol.1 - Violinstücke der Mittelstufe mit Übungsanleitung

Zu mechanisch


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


An sich eine gute Idee. Doch die Umsetzung kann nicht überzeugen. Die eingespielte Begleitung wie auch die Solostimme wirken hölzern und wenig inspiriert. So lernen Schüler es nicht, musikalisch feinfühlig zu kommunizieren und zu agieren.

Hilfe, zur rechten Zeit kein Korrepetitor in Sicht, der die Violinschülerin oder den Violinschüler im Unterricht am Klavier begleitet – wer unter den Violinlehrern an vornehmlich kleineren Musikschulen oder privaten Instituten, oftmals in der Provinz, kennt nicht diese Not? Kerstin Wartberg (Autorin/Violinistin/Arrangeurin) sowie Rudolf Gaehler (Violine), Kathrin Averdung (Violine) und David Andruss (Klavier) haben für diesen gar nicht so selten vorkommenden Fall für die Edition Peters (Nr. 11291) ein dreibändiges Vorspieltrainings-Kompendium für Violinisten der Mittelstufe (geeignet für Suzuki-Bände 4-7) entworfen, das durchaus zum Selbststudium taugt, da die beiden (hinten im Heft in Kunststofffolie eingeklebten) mitgelieferten CDs auch Klavierbegleitung ohne Violine in drei Tempi-Stufen enthalten. CD-Player an, gleich mitspielen und dabei lernen. Klingt doch einfach.

Dabei lehnt sich die ehemalige Suzuki-Schülerin Kerstin Wartberg, die stellvertretende Vorsitzende der deutschen Suzuki Gesellschaft und künstlerisch-pädagogische Leiterin des Deutschen Suzuki Instituts ist, mit ihrem Konzept natürlich an die durch den wirtschaftlich höchst erfolgreichen japanischen Violinpädagogen Dr. Shin‘ichi Suzuki (1898-1998) entwickelte Methode an. Dessen Vater Masak‘ichi Suzuki war es übrigens, der 1888 die ersten Violinfabrik Japans gründete. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Könnte es vielleicht sein, dass sein Sohn Shin‘ichi das Violinspiel nur deshalb revolutionierte (und zur Massenware stilisierte), damit seines Vaters Fabrik ausgelastet war? Diese Frage darf wohl so heute nicht mehr gestellt werden, aber der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm. Wenn Eltern und Lehrerschaft aufmerksam die Methode in diesem Vorspiel-Trainings-Buch unter die Lupe nehmen, erhärtet sich rasch die These: Die Musik kommt hier in diesem Band eindeutig zu kurz; das Mechanische des Übens steht im Vordergrund.

Was gegen diese Publikation spricht: Eigentlich ist Musik eine höchst lebendige, dynamische Angelegenheit. Das sture Mitspielen mit einem mechanischen Gerät ohne Reaktion auf der anderen Seite ist nicht Sinn und Zweck des Zusammenspiels und ein verfehlter pädagogischer Ansatz. Gerade das Aufeinander-Hören, Eingehen, Reagieren kann so gar nicht stattfinden – und schon gar nicht erlernt werden. Im Gegenteil: Der noch aufnahmebereite Schüler wird musikalisch stumpf und verharrt im funktionalen technischen Modus. Zumal die auf der CD gebotene Begleitung am Klavier durch den amerikanischen Pianisten David Andruss alles andere als musikalisch einfühlsam ausfällt. Zwar spielt der an der University of Southern California und an der Northern Illinois University in DeKalb ausgebildete Pianist, Cembalist und Pädagoge, der auch noch ein Fulbright Stipendium in Saarbrücken und sein Meisterklassendiplom in der Klavierklasse von Bernd Glemser (Musikhochschule Würzburg) aufsattelte, fehlerlos; dafür aber zu starr in der Gestaltung, zu plump in der Dynamik. Da darf der Käufer durchaus etwas mehr Musikalität im Spiel erwarten. Auch die erklingenden Violinsoli sind qualitativ nur unterdurchschnittlich, weil sie klanglich hölzern und in der Interpretation emotionslos daherkommen. Besser wäre es gewesen, jüngere renommierte Künstler von Ruf hier spielen zu lassen, wie beispielsweise Julia Fischer, Lisa Batiashvili oder Vilde Frang, um nur drei Namen zu nennen. Denn auch ein Konzert von Seitz, Vivaldi oder Bach kann für einen Künstler von Rang musikalisch inspirierend spielen. Das ist hier kaum der Fall.

In dem hier besprochenen Recital-Training Band 1 sind folgende zwölf Werke enthalten, die nach dem ‚Drei-Tempi-Übungsprinzip‘ durchgenommen werden: Friedrich Seitz: Konzert Nr. 2 G-Dur op. 13, dritter Satz; Irische Volksweise/ Irisches Fiddlestück für drei Geigen (Arrangement: Kerstin Wartberg); Friedrich Seitz: Konzert D-Dur op. 22, erster Satz; Amerikanische Volksweise/ Western Fiddler für drei Geigen (Arrangement: Kerstin Wartberg); Friedrich Seitz: Konzert D-Dur op. 22, dritter Satz; Wiegenlieder: Franz Schubert; Engelbert Humperdinck: Abendsegen; Antonio Vivaldi: Violinkonzert a-Moll op. 3 Nr. 6, erster Satz; Kerstin Wartberg: Saitenwechsel-Etüde im Stil von A. Vivaldi; Antonio Vivaldi: Violinkonzert a-Moll op. 3 Nr. 6, dritter Satz; Kerstin Wartberg: Drei kurze Dreiklangsetüden; Johann Sebastian Bach: Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll BWV 1043; Carl Bohm: Kleine Suite op. 6, daraus 'Perpetuum Mobile'.

Warum fehlen einzelne Sätze mancher Werke? Dafür gibt es keine plausible Erklärung. Werke gehören in ihrer Gesamtheit gespielt, Einzelsätze bleiben Stückwerk und tragen nicht zum musikalischen Gesamtverständnis bei.

Immerhin bietet das gänzlich zweisprachig Englisch/Deutsch abgefasste Notenheft mit insgesamt 76 Seiten (schmutzabweisendes imprägniertes Cover) viel Raum für Kreativität beim Üben. Das ist gut so. Zum Beispiel wird der Kopfsatz des Bach-Doppelkonzerts in elf ‚komplizierte Passagen‘ unterteilt. Dazu soll sich die Schülerin oder der Schüler selbst sinnvolle Übemethoden ausdenken und diese schriftlich festhalten, wofür extra freie Notenzeilen bereitgehalten werden. Auch Tipps wie ‚übe verzwickte Tonfolgen mit Tonwiederholungen‘ oder ‚übe mit Temposteigerung oder verschiedenen Rhythmen‘ sind durchaus sinnvoll, aber nicht unbedingt eine Sensation. Jeder gute Lehrer gibt diese Tipps selbstverständlich auch. Aber als Behelfslösung oder wenn im Elternhaus keine Musiker vorhanden sind oder Erwachsene neu wiedereinsteigen möchten, kann die Übe-Violinschule durchaus Sinn machen. Jeder muss das selbst ausprobieren. So hat das Heft seine Vor- und Nachteile.

Wichtig anzumerken ist noch, dass im vorliegenden Band I die Klavierstimme nicht (!) enthalten ist. Diese muss separat bestellt werden: Edition Peters 11291a. Ein Manko, das diese Edition besonders kostspielig macht. Peinlich auch der durchweg falsch gedruckte Name des Salonmusik-Komponisten Carl Bohm – nicht zu verwechseln mit Karl Böhm.

Klangqualität:
Repertoirewert: 



Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Vorspiel-Training Vol.1: Violinstücke der Mittelstufe mit Übungsanleitung

Label:
Anzahl Medien:
Edition Peters
1

EAN:
BestellNr.:

9790014110024
EP 11291

Cover vergössern

"Diese dreibändige Sammlung kann sowohl im Suzuki-Bereich für Schüler der Hefte 4-7 als auch im traditionellen Violinunterricht verwendet werden. Ebenso ist sie für Wiedereinsteiger als auch für Autodidakten geeignet. Im Mittelpunkt von Band 1 steht die sichere Erarbeitung einzelner Sätze aus Violinkonzerten von J. S. Bach, Antonio Vivaldi und Friedrich Seitz. Zur Auflockerung gibt es „Fiddle Tunes“ und leichtere kurze Bearbeitungen, u. a. von Schubert und Humperdinck. Zu allen Stücken gehören systematische Vorübungen und Übetipps sowie CD-Einspielungen in drei verschiedenen Übetempi."


Cover vergössern

Edition Peters

Seit mehr als 200 Jahren steht der Musikverlag C. F. Peters im Dienst von Musikpflege und Musikwissenschaft. Ausgaben klassischer wie zeitgenössischer Werke vereinigen sich in der EDITION PETERS zu einem Gesamtkatalog mit mehr als 12.000 lieferbaren Titeln. Erstklassige Qualität im Druck, ihr eigenes wissenschaftliches Profil und ihre Bezogenheit zur Praxis haben die Ausgaben der EDITION PETERS zu verlässlichen Garanten für eine musikalische Beschäftigung auf hohem Niveau werden lassen. Ungeachtet dessen hat es sich der Verlag zur selbstverständlichen Aufgabe gemacht, die an seine Editionen gestellten Qualitätskriterien immer wieder neu zu überprüfen.

Die EDITION PETERS zeichnet sich aus durch

  • neue Urtextausgaben nach aktuellem wissenschaftlichem Forschungsstand sowie bewährte Traditionsausgaben
  • editorische Zusammenarbeit mit renommierten, praxiserfahrenen Herausgebern
  • hochwertige Papierqualität und mustergültige buchbinderische Verarbeitung
  • lesefreundliches Layout und hervorragendes Druckbild


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Edition Peters:

  • Zur Kritik... Ein Weg zum Klavier für Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene I: Wer Günter Kaluzas andere Hefte wie beispielsweise 'Faszination Weihnachten' oder 'Faszination Klavier' kennt, ist vielleicht ein bisschen enttäuscht über 'Einfach Klavier spielen 1'. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Gut, aber wenig hilfreich: Viele der Stücke, die in den '66 Highlights für Männerchor' zu finden sind, dürften sich in den Regalen der Chöre bereits befinden. Es sind aber auch einige Entdeckungen zu machen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Wo bleibt das Neue?: Mit seinem dritten Lehrwerk wendet sich Simon Fischer dem Skalenstudium auf der Violine zu. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Edition Peters...

Weitere CD-Besprechungen von Manuel Stangorra:

  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Zwei Erste: Der erste Schritt hin zur Gesamteinspielung: Michaels Sanderling dirigierte die Dresdner Philharmonie bei zwei sinfonischen Erstlingen von Beethoven und Schostakowitsch. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Lebensweisheiten – nicht nur für Klavierspieler: Dieses überaus lesenswerte Buch versammelt Gespräche mit András Schiff und inspirierende Essays des Pianisten. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von Manuel Stangorra...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Wichtige Farbe: Die Kammermusik Heinrich Anton Hoffmanns ist ein wichtiger zeithistorischer Beitrag. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Der finno-ugrische Prinz: Insgesamt eine überzeugende Interpretation der beiden Bartók-Ballette, denen ein wenig mehr Schmackes jedoch nicht geschadet hätte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Rihm-Frauenpower: Tianwa Yang komplettiert 'ihren' Rihm. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2019) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Joseph Rheinberger: Sinfonisches Tongemälde d-moll op.10 - Wallensteins Lager: Allegretto - Trio: Kapuzinerpredigt - Poco piu moderato

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich