> > > Beethoven, Ludwig van: Schottische, irische und walisische Lieder Op.108
Mittwoch, 16. Oktober 2019

Beethoven, Ludwig van - Schottische, irische und walisische Lieder Op.108

Eine Auswahl reizvoller Miniaturen


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit ausgewählten Werken aus Ludwig van Beethovens umfangreichen Repertoire von Bearbeitungen schottischer, irischer und walisischer Lieder verhilft die Edition Peters einem kammermusikalischen Kleinod zu mehr Aufmerksamkeit.

Die Volksliedbearbeitungen waren ein Auftragswerk, das Beethoven in den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kontinuierlich anhand zugesandter Melodien schottischer, irischer und walisischer Volkslieder komponierte. Die Melodien hatte der schottische Volksliedsammler George Thomson in mühevoller Arbeit und auf Reisen zusammengetragen und wollte sie von einem prominenten Komponisten vertont und so gewissermaßen ‚veredelt‘ wissen. Am Ende lagen mehr als hundert Liedbearbeitungen vor, die jedoch erst sehr zögerlich Eingang in das Konzertrepertoire fanden. Da das Volkslied-Repertoire eher im Salon der biedermeierlichen Gesellschaft musiziert wurde, Beethovens Bearbeitungen für diesen Zweck aber eigentlich zu komplex und anspruchsvoll waren, ließ der Verkaufserfolg auf sich warten. Die etwas stiefmütterliche Behandlung war wohl auf diese ungewöhnliche Gestalt der Werke zurückzuführen: Beethoven übersetzte die volkstümlichen Melodien und ihr unerkennbarer Charakter in seine klare, klassische Tonsprache, so dass sie ein ‚salonfähiges‘ Antlitz bekamen, ohne ihre Bodenständigkeit zu verlieren. Daraus ergibt sich eine eigentümliche Gestalt, die Züge von Volkslied, Kunstlied und typisch Beethovenscher instrumentaler Kammermusik trägt. Dieser herausgehobene Status macht ihren besonderen Reiz aus, fordert aber gleichzeitig ein besonders hohes Maß an musikalischer Intelligenz und Sensibilität von den Musikern. Eine gute Interpretation der Werke schafft demnach die Gratwanderung zwischen anspruchsvoller Kunst- und charaktervoller Volksmusik. Eine sehr sorgfältige Umsetzung würde sich außerdem durch die Beachtung dialektaler Färbung der Sprache auszeichnen, die wiederum die volkstümlichen Ursprünge des Repertoires betonen würde. Nicht zu unterschätzen ist dabei der spieltechnische Anspruch der instrumentalen Stimmen. Beethoven verwies selber gerne darauf, dass man die Lieder auch ohne die Streicher ausführen könne; der musikalische Satz sagt jedoch eher das Gegenteil aus.

Die Edition erscheint im bewährten Peters-Design als geheftete Notenausgabe. Die Partitur zählt 43 Seiten zuzüglich der Stimmenauszüge für Violine und Violoncello, die separat beiliegen. Der Notentext ist revidiert und entspricht so weit wie möglich der neuen Beethoven-Gesamtausgabe. Enthalten sind acht Solo-Lieder, fünf Terzette und drei Duette. Die Besetzung ist nicht immer eindeutig vorgegeben. Die Terzette liegen gut für eine Besetzung aus Sopran, Tenor und Bariton. Die Solo-Lieder und Oberstimmen sind mehrheitlich für mittlere Stimmlage angelegt. Selbst die explizit für Sopran ausgewiesenen Stimmen übersteigen nie g' und bewegen sich meist im Tonraum d'-e', eine schöne Mittellage der Sänger ist also von Vorteil.

Das Notenbild ist klar. Teilweise stehen die Notensysteme sehr dicht zusammen, aber gerade noch vertretbar und übersichtlich genug. Eine sehr praktische Überlegung des Editors Roland Erben sind Stichnoten der Streicher in der Klavierstimme, die es ermöglichen sollen, die Lieder wenigstens zu Übungszwecken auch nur mit Klavier zu begleiten. Bedauernswert, aber wahrscheinlich der Absicht geschuldet, das Heft nicht zu seitenstark zu machen hingegen, ist das Fehlen einer separaten Vokalpartitur. Diese muss extra zugekauft werden. Prinzipiell lässt das Notenbild für den Sänger auch eine Aufführung aus der Partitur ohne zu große Unbequemlichkeiten zu und wird in vielen Fällen die bessere Lösung sein, da die Vokalpartitur auch nicht die Klavierstimme zur Orientierung enthält. Interessante Zusatzinformationen wie Ausspracheregelungen für altes Vokabular oder dialektale Abweichungen werden dem Leser der vorliegenden Ausgabe jedoch vorenthalten und sind nur in der Vokalpartitur zu finden.

Eine SeiteText zur Geschichte der Werke ist angehängt. Er gibt einen sehr knappen Überblick über die Entstehung der Werke und hätte in Anbetracht der ungewöhnlichen Hintergründe und Eigenschaften der Lieder etwas ausführlicher ausfallen dürfen. Die Auswahl der Lieder ist an eine ältere Peters-Ausgabe von 1890 angelehnt und umfasst nur einen Ausschnitt aus Beethovens op. 108, das insgesamt 25 Lieder enthält. Insofern steht die Edition als Einzelausgabe da. Wer sich länger mit Beethovens Volksliedbearbeitungen beschäftigen möchte, hätte sich eine systematisch vorgehende Editionspraxis gewünscht, die nötigenfalls in mehreren Teilen einen geschlossenen Werkkomplex wiedergibt. Es ist schwierig, die vorliegende durch andere Ausgaben zu ergänzen, ohne dass man einige Lieder am Ende doppelt besitzt. Wer jedoch einfach nur eine Auswahl von Beethovens britischen Volksliedbearbeitungen besitzen (oder verschenken) möchte, ist hiermit recht gut beraten.

Klangqualität:
Repertoirewert: 


Silvia Bier Kritik von Silvia Bier,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Schottische, irische und walisische Lieder Op.108

Label:
Anzahl Medien:
Edition Peters
1

EAN:
BestellNr.:

9790014110260
EP 11251

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"Zwischen seinen Arbeiten an den letzten Klaviersonaten fertigte Beethoven als Auftragsarbeit zahlreiche Volksliedbearbeitungen an, zumeist nach englischen Melodien (Ye Shepherds, Faithfu‘ Johnie, The Soldier, The Chase of the Wolf u. a.). Eine Auswahl erscheint hier in überarbeiteter Neuauflage. Die 15 Stücke teilen sich auf in Terzette, Duette sowie Sololieder für jede Stimmlage. Sie eignen sich zur Ergänzung des Programms für Liederabende oder als Zugabestücke. Die separate Vokalpartitur erleichtert den Sängern die Ausführung, da jeweils alle Strophen den Notenzeilen direkt unterlegt sind."


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Edition Peters

Seit mehr als 200 Jahren steht der Musikverlag C. F. Peters im Dienst von Musikpflege und Musikwissenschaft. Ausgaben klassischer wie zeitgenössischer Werke vereinigen sich in der EDITION PETERS zu einem Gesamtkatalog mit mehr als 12.000 lieferbaren Titeln. Erstklassige Qualität im Druck, ihr eigenes wissenschaftliches Profil und ihre Bezogenheit zur Praxis haben die Ausgaben der EDITION PETERS zu verlässlichen Garanten für eine musikalische Beschäftigung auf hohem Niveau werden lassen. Ungeachtet dessen hat es sich der Verlag zur selbstverständlichen Aufgabe gemacht, die an seine Editionen gestellten Qualitätskriterien immer wieder neu zu überprüfen.

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