> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Missa brevis C-Dur KV 220 "Spatzenmesse"
Samstag, 19. Oktober 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Missa brevis C-Dur KV 220 "Spatzenmesse"

Wieder Mozart


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Edition Peters präsentiert eine handliche Ausgabe der 'Missa in C', der sogenannten Spatzenmesse Mozarts, die die verschiedenen Versionen überzeugend vereint und für Laien und Profis zugänglich macht.

Bei der Herausgabe einer Urtext-Aussage stellt sich die Frage, warum sich der Editor gerade für die jeweilige Komposition entschied. Wenn es sich dabei noch um eine Werk Mozarts handelt, dessen neue und kritisch überarbeitete Gesamtausgabe erst vor vier Jahren abgeschlossen wurde und dazu noch für jedermann online einsehbar ist, ist das Erstaunen umso größer. Doch diese Bearbeitung der 'Missa C-Dur' KV 220, der sogenannten ‚Spatzenmesse‘ liegt schon 35 Jahre zurück; sie gehörte zu den Werken des ersten Bandes. Sollten in dieser Zeitspanne wesentliche neue Erkenntnisse über das Werk gewonnen worden sein?

Schon in der Einleitung stellt der Herausgeber Klaus Burmeister fest, dass er die gleichen Quellen aus dem St. Peter Dom in Salzburg und des Chorherrenstifts Heilig Kreuz in Augsburg für die Auswertung nutzte und ihm als weitere Grundlage zusätzlich auch die Neue Gesamtausgabe diente. Eine vollständige Partitur aus der Zeit Mozarts ist nicht erhalten, und nicht einmal die vollständigen Stimmen sind an einem Ort einsehbar. Die Urtext-Ausgabe entspricht somit einem Konglomerat verschiedener Einzelstimmen. Das Ziel Burmeisters und der Edition Peters ist die Präsentation der Partitur nach den neuesten Regeln der Editionspraxis in einer handlichen und praktischen Form.

Dass Burmeister im Bereich der Urtext-Ausgaben erfahren ist, zeigt sich auch bei Mozarts ‚Spatzenmesse‘, die diesen Zusatztitel aufgrund der Violinfiguren im 'Sanctus' und 'Benedictus' erhalten hat. Wohl überlegt werden die Unterschiede der verschiedenen Einzelstimmen gegeneinander abgewogen und sachlich begründet ausgewählt. Ein ausführlicher Revisionsbericht am Ende der Partitur gibt darüber Auskunft und bietet dem Interessierten die Möglichkeit, auch einmal über die anderen Versionen nachzudenken, die sogar von Mozarts Hand selbst stammen können. Die Auswahl, die Burmeister bezüglich der musikalischen Parameter vorgenommen hat, ist jedoch plausibel und durch die einheitliche Darstellung leicht lesbar.

Die festliche Messe

Mozarts 'Missa in C' entsprach in der Mitte der 1770 Jahre einer Neuheit, denn neben den Streichern verlangte Colloredo, der Erzbischof von Salzburg, für ein Hochfest eine Musik mit Pauken und Trompeten. Mozart ließ sich auf diesen Wunsch ein und setzte zwei Klarinette, drei Trompeten und ein Fagott ein, die der Musik einen besonderen Glanz verleihen sollten. Salzburg hatte aber noch andere Traditionen, die sich in dieser Messe ebenfalls ablesen lassen. Bratschen kamen nicht zum Einsatz, dafür unterstützen Posaunen die Alt-, Tenor- und Bass-Stimmen. Zudem befanden sich Chor und Solisten in Salzburg auf zwei getrennten Emporen, die jeweils eine eigene Orgel besitzen. Somit konnte jede Gruppe mit einer eigenen Begleitung ausgestattet werden, was noch einmal den Klang veränderte.

Das Verhältnis von Solisten und Chor verwundert bei dieser Musik für ein Hochfest, denn die Solisten kommen kaum zum Einsatz. Sie haben lediglich kurze Abschnitte zwischen den Chorpassagen, die somit die Basis der Gesangsstimme darstellen. Auf Arien verzichtete Mozart in dieser Messe gänzlich. Im Sopran gibt es im 'Benedictus' ariose Ansätze, doch selbst in diesen Stellen werden die anderen Solisten zu Begleitern, so dass ein Solo wiederum nicht vorliegt.

Die Urtext-Ausgabe der Edition Peters ist eine gelungene Ausgabe für alle, die die Noten der Messe zuraten ziehen möchten, aber dabei nicht gleich von einem kritischen Bericht der Gesamtausgabe ‚erschlagen‘ werden wollen. Die knappe, aber sehr informative Einleitung bringt die wichtigsten Entscheidungsgrundlagen zur Sprache. Darin werden verschiedene Fragen aufgeworfen, über die man nach einer Durchsicht nachdenken kann.

Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Missa brevis C-Dur KV 220 "Spatzenmesse"

Label:
Anzahl Medien:
Edition Peters
1

EAN:
BestellNr.:

9790014110314
EP 11045

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"Mozart komponierte seine Spatzenmesse aller Wahrscheinlichkeit nach 1775. Der Beiname „Spatzenmesse“ entstand im 19. Jahrhundert aufgrund der Begleitfigur der Violinen im Sanctus. Für die Ausgabe wurden alle überlieferten handschriftlichen Quellen herangezogen"


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Edition Peters

Seit mehr als 200 Jahren steht der Musikverlag C. F. Peters im Dienst von Musikpflege und Musikwissenschaft. Ausgaben klassischer wie zeitgenössischer Werke vereinigen sich in der EDITION PETERS zu einem Gesamtkatalog mit mehr als 12.000 lieferbaren Titeln. Erstklassige Qualität im Druck, ihr eigenes wissenschaftliches Profil und ihre Bezogenheit zur Praxis haben die Ausgaben der EDITION PETERS zu verlässlichen Garanten für eine musikalische Beschäftigung auf hohem Niveau werden lassen. Ungeachtet dessen hat es sich der Verlag zur selbstverständlichen Aufgabe gemacht, die an seine Editionen gestellten Qualitätskriterien immer wieder neu zu überprüfen.

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