> > > Bach, Johann Sebastian: Kantaten BWV 32, 49 & 154
Montag, 19. August 2019

Bach, Johann Sebastian - Kantaten BWV 32, 49 & 154

Solistischer Bach


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bach-Kantaten in solistischer Besetzung mit dem belgischen Ensemble Il Gardellino unter der Leitung von Marcel Ponseele.

An Kantaten-Einspielungen aus dem umfangreichen Werk Johann Sebastian Bachs herrscht kein Mangelteil – im Gegenteil: Wohl nur wenige Bereiche vokal-instrumentalen Musizierens sind wiederholt auf so hohem Niveau systematisch erschlossen und zugänglich gemacht worden. Dass dennoch immer wieder neue Interpretationen auf dem Markt erscheinen, bedarf freilich ebenso wenig einer Rechtfertigung – zu offensichtlich sind die vielgestaltigen Reize, die von Bachs Arbeiten ausgehen. Die vorliegende Platte des belgischen Ensembles Il Gardellino zeigt das aufs Neue. Versammelt sind unter dem etwas reißerischen Titel ‚Desire‘ einige jener Kantaten, in denen Bach die verlangende Seele mit ihrem Erlöser in teils innige Wechselgesänge treten lässt. Mit BWV 32, 49 sowie 154 sind es zudem Kantaten, die mit bemerkenswerten Anteilen obligater Instrumente versehen sind; neben der Violine treten vor allem die Orgel, das Violoncello piccolo und die Oboe d’amore.

Der Oboist Marcel Ponseele folgt in der Art der Besetzung den Überlegungen Joshua Rifkins und Andrew Parrotts – die in jüngerer Vergangenheit vor allem Sigiswald Kuijken immer wieder fruchtbar gemacht hat – und besetzt die vokalen wie auch die instrumentalen Stimmen einfach. Das verfängt in diesen kaum von chorischen Sätzen geprägten Kantaten besonders deutlich. Vor allem die Instrumente bringen etlichen Glanz ein: Sie musizieren sehr konzentriert und mit Dezenz, auch leicht und doch artikulatorisch entschieden – gerade in diesem Punkt wirkt sich die solistische Besetzung positiv aus. Alle kleinteilige Arbeit wird in den Ensembleansatz integriert und so auf eine überindividuelle Ebene gehoben. Ein feiner kammermusikalischer Hauch umweht das Spiel der Instrumentalisten, vor allem die ausladende Sinfonia von BWV 49 zeigt das famose Potenzial des Ensembles. Es wird in frischen, dabei wünschenswert gelassenen Tempi musiziert, in feiner dynamischer Stufung. Das Klangbild ist vor allem im instrumentalen Bereich sehr plastisch und durchhörbar. Die Vokalisten sind in die Gesamtszene gelungen integriert und bilden eine fein interagierende Größe.

Vor allem die Sopranistin Caroline Weynants überzeugt mit ihrer klaren, brillanten und präzisen Stimme, die gleichwohl niemals schmal oder monochrom ist. Mit dem Bariton Lieven Termont musikalisch schön duettierend, hat sie wie dieser immer wieder leichte Schwierigkeiten mit der Aussprache der deutschen Sprache. Termont nimmt mit baritonalem Schmelz für sich ein, der allerdings gelegentlich durch eine kehlige Note verunklart wird. Seine insgesamt leichte Stimme hat Stärken in bewegten Passagen. Eine partiebedingt geringere Rolle spielt es, dass Termont in der Tiefe über keine besonders präsenten Töne verfügt.

Der Altus Patrick van Goethem zeigt sich wie gewohnt lyrisch stark, kann aber in Johann Christoph Bachs 'Ach, dass ich Wassers g'nug hätte' bei allem Klangschmelz nicht ganz mit dem nötigen erblühenden Volumen aufwarten – da haben ältere Einspielungen mit Andreas Scholl oder Magdalena Kozena höhere Maßstäbe gesetzt. Schließlich zeigt sich Marcus Ullmann in seinen vergleichsweise kurzen Soli als feiner lyrischer Tenor mit vielfarbigem Potenzial.

Die konsequent solistische Besetzung aller Stimmen bietet einmal mehr einen klingenden Beleg dafür, dass dieses interpretatorische Prinzip für die Musik Bachs deutlich verfängt. Auf der vorliegenden Platte wird das vor allem im instrumentalen Bereich unterstrichen, während im Vokalen kleinere Abstriche zu machen sind. Eine dennoch ausgewogen gute Platte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Kantaten BWV 32, 49 & 154

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Passacaille
1
01.09.2010
Medium:
EAN:

CD
5425004849564


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Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


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