> > > Respighi, Ottorino: La Boutique Fantasque
Freitag, 13. Dezember 2019

Respighi, Ottorino - La Boutique Fantasque

Nicht immer spielfreudig


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Orchestra Sinfonica del Teatro Massimo di Palermo öffnet Respighis 'Zauberladen' mit klangprächtiger Spielkultur. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Dass das Orchestra Sinfonica del Teatro Massimo di Palermo mehr kann als routiniert das allabendliche Opernrepertoire abzuspulen, hat es unter der Leitung des Florentiner Marzio Conti, Jahrgang 1960, Flötist und rühriger Orchesterdirigent, diskographisch mit Aufnahmen der Symphonien Nino Rotas, Alfredo Casellas und Werken Ottorino Respighis längst unter Beweis gestellt. Nun erweitert das Orchester seine beachtliche Discographie um Respighis 'La Boutique Fantasque' und 'Gli Uccelli', erneut unter Contis Stabführung.

Bunt(gefiedert) geht es in Respighis Suite 'Gli Uccelli' von 1927 zu, jener aparten Sammlung orchestral bearbeiteter Vogel-Studien, die auf Tasten- und Lautenmusik von Pasquini, Gallot, Rameau und eines Anonymus aus dem England des 17. Jahrhunderts basiert. Mit geradezu tierliebendem Respekt hat Respighi intrikate Charakterstudien geschaffen, Stimmungen eingefangen, die vor allem erst durch das Orchestrale an Substanz und Aussage gewinnen. Doch die kontrastreichen Vogelporträts leiden in der vorliegenden Aufnahme hörbar an Weichzeichnung. Wo prägnant Kontraste herausgearbeitet und scharf umrissen werden müssten, kann Conti das Orchester gerade noch bei intonatorischer Laune halten. Einsätze indessen werden nicht immer gemeinschaftlich aufgefasst. Wie sehr Conti sich abmüht, wie er hörbar atmet, um das Orchester zu Stringenz und Binnenspannung zu führen, das hat die Tontechnik nicht kaschiert.

Den rundum gelungenen Einspielungen der Symphonien Rotas bei Chandos näher kommt da schon 'La Boutique Fantasque' (Der Zauberladen), ein Ballett, das Respighi 1919 für Serge Diaghilew schrieb und hierfür aus Klavierstücken Rossinis ein dramaturgisch stringentes Orchester-Kaleidoskop schuf. Conti und das Orchester aus Palermo finden hier zu jener detailfreudigen Lesart der Partitur, die schon die Aufnahmen der Rota-Symphonien auszeichneten. Mal fein ausgehört, mal ruppig derb und markant akzentuiert ergeht sich das Orchester im subtilen Musizieraustausch der einzelnen Gruppen. Mitunter aber lässt Conti die Zügel los, dann wird es – insbesondere im Schlagwerk – zügellos laut, weil zugleich die Blechbläser über Gebühr forcieren. Im Großen und Ganzen aber bietet die Aufnahme ein spielfreudig musizierendes Orchester, das sicher nicht Weltrang genießt, aber zwischen Routine und glutvollem Musikmachen durchaus unterscheiden kann. Empfehlenswert ist diese Veröffentlichung nicht zuletzt aus literarischen Gründen: Eckhardt van den Hoogen hat einmal mehr einen hinreißend spritzigen wie informativen Begleittext verfasst. Klangtechnisch ist das Orchestergeschehen differenziert ausgehört, wenngleich die ‘trockene’ und sehr direkte Akustik kleinste intonatorische Schwächen im Orchester offenbart.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Respighi, Ottorino: La Boutique Fantasque

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.08.2010
Medium:
EAN:

SACD
0761203729524


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Respighi, Ottorino
 - La Boutique Fantasque - Overture
 - La Boutique Fantasque - Tarantella
 - La Boutique Fantasque - Mazurka
 - La Boutique Fantasque - Danse Cosaque
 - La Boutique Fantasque - Can Can
 - La Boutique Fantasque - Valse Lente
 - La Boutique Fantasque - Nocturne
 - La Boutique Fantasque - Galop
 - La Boutique Fantasque - Finale (Allegro brillante)
 - Suite Gli Uccelli - Preludio
 - Suite Gli Uccelli - La Colomba
 - Suite Gli Uccelli - La Gallina
 - Suite Gli Uccelli - L Usignolo
 - Suite Gli Uccelli - Cucu


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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