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Montag, 25. Oktober 2021

Mahler, Gustav - Lieder eines fahrenden Gesellen

Westküstenklassik


Label/Verlag: San Francisco Symphony
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sogar im Sonnenschein kann Mahler glühen.

Kalifornien galt für lange Zeit als musikalische Diaspora. Jenseits der Beach Boys schien es künstlerisch öde, für stehende Ensembles klassischer Musik schien Kalifornien denkbar ungeeignet. Die Musikmetropolen im Osten und Norden – New York, Chicago, Boston, Cleveland, Philadelphia – blickten mit unverhohlener Verachtung aufs Land im Sonnenschein und Surferparadies herab.

Dieses Bild hat sich gründlich gewandelt: Die ‚Big Five’ der amerikanischen Orchesterlandschaft sind in Auflösung begriffen. New York Philharmonic will es partout nicht gelingen, dem künstlerischen Niedergang und Ansehensverlust entgegenzuwirken. Philadelphia wird im jüngsten, von Gramophone erstellten Ranking der weltweit besten Orchester nicht mehr erwähnt – anders Los Angeles Philharmonic und San Francisco Symphony. Diesen Ensembles ist es gelungen, aus provinziellen Verhältnissen technisch wie künstlerisch zur Weltspitze aufzusteigen. Was San Francisco betrifft, ist diese Entwicklung vor allem dem Chefdirigenten, Michael Tilson Thomas, zu danken. Zugleich ist sie Mahler verbunden, dessen Werke unter MTTs Ägide einen Repertoireschwerpunkt bilden. Nun hat das hauseigene Label auf zwei CDs Orchesterlieder Mahlers vorgelegt: 'Lieder eines fahrenden Gesellen', 'Rückertlieder', und einige Stücke aus 'Des Knaben Wunderhorn'. Als Solisten wurden Susan Graham und Thomas Hampson gewonnen.

Zwei Meister

Thomas Hampson kann mit einigem Recht als ‚der’ Mahler-Sänger seiner Generation angesehen werden. Kein Zufall, dass Jens Malte Fischers Mahler-Biographie, das jüngste und umfassendste Werk dieser Art, Hampson als kongenialem Interpreten Mahlers zugeeignet ist. Auch diese Aufnahmen bezeugen die unübertroffene Mahler-Kompetenz Hampsons: Jenseits technischer Vorzüge, die bei Sängern dieses Karats vorausgesetzt werden mögen, bei Hampson freilich – auch im sechsten Jahrzehnt seines Lebens – an Vollkommenheit grenzen, ist ein besonderes Talent zur unforcierten Deutlichkeit zu rühmen: Hampson lässt gelegentlich durch künstlerische Intelligenz (und perfekt angebundene Höhe) an Dietrich Fischer-Dieskau denken – ohne in dessen Manierismen zu fallen, und ohne die Neigung, die melodische Linie und Rundung des Tons zugunsten des Wortlauts und Ausdrucks zu opfern. Hampson gelingt es, Inhalt und Form zur Übereinstimmung zu bringen, so auch bei Mahler, der berufenere Interpreten nicht finden könnte.

Auch Susan Graham ist zu rühmen: Ihre Diktion ist von muttersprachlicher Klarheit, die Stimme auch in heiklen Intervallen bewundernswert sicher geführt. Zu Grahams Vorzügen zählen bruchloses Legato wie messa di voce, differenziertes Vibrato und eindringlich-genaue Wortauslegungskunst, die nie zum Chargieren neigt. Mag sein, dass manche Hörer mehr Saft und Schmalz wünschen, krudere Weltschmerzexzesse. Nach objektivierbaren Kriterien musikalischer Kunst ist an Grahams – wie Hampsons – Leistung aber nichts zu deuteln.

Ein dritter

Wie sich die Sänger Mahler kongenial gewachsen zeigen, ist Michael Tilson Thomas ein meisterlicher Begleiter. Mahlers schmerzlich transparente, die Bläser zu ungewohnter Deutlichkeit treibende Instrumentierung wird kompromisslos exekutiert. Die Tempi sind allgemein eher verhalten, von jeglicher Hektik befreit – die kalkulierte Sprödigkeit des Klangbilds lässt selbstverliebte Nabelschau aber nicht zu. Auch werden Dissonanzen und Sforzati ohne Glättung ausgestellt – dies alles im klaren Bewusstsein, dass nicht das Orchester die Hauptrolle spielt: MTT und die Seinen brauchen nichts zu beweisen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Lieder eines fahrenden Gesellen

Label:
Anzahl Medien:
San Francisco Symphony
1
Medium:
EAN:

SACD
821936003626


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San Francisco Symphony

Das SAN FRANCISCO SYMPHONY Orchestra gab seine ersten Konzerte im Jahre 1911 und hat seitdem bei wachsender Publikumsbegeisterung unter einer Reihe von Dirigenten konzertiert: Henry Hadley, Alfred Hertz, Basil Cameron, Issay Dobrowen, Pierre Monteux, Enrique Jordá, Josef Krips, Seiji Ozawa, Edo de Waart, Herbert Blomstedt (nun zum Ehren-Dirigenten ernannt) und seit 1995 unter Michael Tilson Thomas. In den vergangenen Jahren konnte das San Francisco Symphony Orchestra einige der weltweit bedeutendsten Schallplatten-Preise gewinnen, wie den französichen Grand Prix du Disque, den britischen Gramophone Award und eine Reihe von Grammys für die Aufnahmen von Werken Brahms', Orffs, Prokofievs und Strawinskys. Die erste Aufnahme des Mahler-Zyklus', die 6. Sinfonie, erhielt 2002 den Grammy für die beste Orchesterproduktion des Jahres, die Aufnahme der 3. Sinfonie wurde 2003 mit dem Grammy der Kategorie "bestes klassisches Album" ausgezeichnet. 2006 wurden dem San Francisco Symphony Orchestra anlässlich der Aufnahme der 7. Sinfonie die beiden Grammys für die beste Orchesterproduktion und für das beste klassische Album des Jahres zuerkannt; die Aufnahme von Mahlers Achter wurde 2009 mit drei Grammys für das beste klassische Album, die beste Chorproduktion und das bestausgeführte klassische Album geehrt. 2004 wurde das multimediale Pädagogikprojekt Keeping Score im TV, auf DVD, über den Rundfunkt und die Website keepingscore.org lanciert.

Für das Label RCA Red Seal hat das SFS unter Michael Tilson Thomas auch Berlioz' Symphonie fantastique, zwei Copland-Alben, eine musikalische Auswahl von Charles Ives und eine Gershwin-Sammlung aufgenommen, die das Programm der Eröffnungsgala der Saison 1998 in der Carnegie Hall New York enthält. Die Celebration of Leonard Bernstein, eine Live-Aufnahme der Carnegie Hall-Eröffnungsgala von 2008, wurde bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt und ist auf DVD erhältlich.

Das San Francisco Symphony Orchestra ist regelmäßig in den USA, Europa und Asien zu hören und debütierte 1990 mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen und beim Lucerne Festival. 1980 übersiedelte das Orchester in die neu erbaute Louise M. Davies Symphony Hall. Im selben Jahr wurde zusätzlich das San Francisco Jugendsymphonie-Orchester gegründet. Der San Francisco Symphony Chorus ist auf dem Soundtrack der drei weltbekannten Filme "Amadeus", "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und "Der Pate III" zu hören. Das San Francisco Symphony Orchestra hat nicht nur im Jahre 1926 als erstes amerikanisches Orchester überhaupt im Radio symphonische Musik aufgeführt, sondern wird auch noch heute überall in den USA gern gehört und leistet durch seine künstlerische Vielfalt einen wesentlichen Beitrag zum amerikanischen Musikleben.


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