> > > Mendelssohn, Bartholdy Felix: Klavierkonzerte Nr. 1 & 2
Samstag, 29. Januar 2022

Mendelssohn, Bartholdy Felix - Klavierkonzerte Nr. 1 & 2

Ein großer Wurf


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Martin Helmchen legt bei Pentatone eine ausgezeichnete Einspielung von Felix Mendelssohn-Bartholdys zwei Klavierkonzerten vor.

Zu den vielen hochkarätigen Neuerscheinungen dieses Jahres gehört auch die hier vorliegende des 28-jährigen deutschen Pianisten Martin Helmchen. Er hat die beiden Klavierkonzerte g-Moll op. 25 sowie d-Moll op. 40 und das 'Rondo brillant' op. 29 von Felix Mendelssohn-Bartholdy eingespielt. Zur Seite steht ihm das holländische Label Pentatone Classics. Helmchen musiziert hier gemeinsam mit dem Royal Flemish Philharmonic unter Philippe Herreweghe. Der 63-Jährige Herreweghe gilt unter Kennern als Spezialist für Alte Musik. Aber auch der Romantik Mendelssohns bekommt sein kraftvolles Dirigat. Wie ein Turbolader dreht das Orchester zu Beginn des g-Moll Opus auf, entrollt dem Solisten den roten Teppich. Helmchen tritt wagemutig hervor, macht seinem Ruf alle Ehre, indem er ungestüm und trotzdem treffsicher in die Vollen langt. Mendelssohn wir hier sehr ernst und zugleich dramatisch interpretiert und rückt damit in die Nähe Robert Schumanns.

Martin Helmchen spielt lyrisch in den Kadenzen, sinniert dabei und alterniert fabelhaft mit den Orchestersoli. Kultiviert ist sein Anschlag, so dass man ihn zu den Solisten Deutschlands mit großer Zukunft zählen darf. Wunderbar fällt der Hörer in die Kissen, wenn Helmchen das 'Andante' zelebriert. Unweigerlich fühlt der Hörer sich an Chopin erinnert. Dafür geht es umso forscher im Finalsatz 'Presto' zur Sache. Hier spürt der Solist mit tiefem Gefühl der Musik nach, die er mit strotzender Gebärde auslebt. Helmchen ist aber nicht einer, der das Werk als seine Virtuosenbühne missbraucht; das tut Mendelsohns g-Moll-Klavierkonzert gut und adelt den Interpreten. Das Orchester gefällt hier übrigens als fulminant aufbrausender Partner, agiert flexibel, intonationssicher und verfügt über das typisch flämisch weite Farbspektrum, was die im Februar 2010 eingespielte Aufnahme exakt widerspiegelt. Ein Lob an das Aufnahmeteam um Sebastian Stein, Jean-Marie Geijsen und Roger de Schot. Leider fehlt eine Übersetzung der Künstlerbiografien ins Deutsche und Französische.

Was für das erste Konzert gesagt wurde, gilt parallel für das zweite Klavierkonzert in d-Moll: Klaviertechnisch ist der Martin Helmchen auf dem Zenit seines Könnens. Das 'Allegro appassionato' des Konzerts Nr. 2 d-Moll op. 40 für Klavier und Orchester von Felix Mendelsohn-Bartholdy eröffnet dräuend, quasi mit einer Kadenz. Ein Schelm, wer verkennt, dass Mendelssohn hier nicht seine Eindrücke von Mozarts d-Moll-Konzert verarbeitet hat. Helmchen lässt die geballte Oktavenflut zu Beginn über die Tasten schwappen. Auch wenn Schumann dieses Werk nicht so schätzte, hat es seine Stärken. Es erzählt mehr märchenhaft eine Geschichte, und die geht ohne Satzpausen nahtlos ineinander über, so wie Mendelssohn es später auch bei seinem Violinkonzert e-Moll op. 64 handhabte. Eine Formirregularität, die Mendelssohn offenbar liebte, möglicherweise kompositorischer Reflex der zu Mendelssohns Zeiten üblichen Praxis, bei Klavierabenden die Stücke improvisierend miteinander zu verknüpfen, und immerhin hat sich das bis in Klavierabende von Friedrich Gulda hineingezogen, bei denen es der Künstler mithin so weit trieb, fast alle an einem Abend gespielten Werke ineinander gleiten zu lassen: absolute Kunst ohne störenden Applaus.

Ruhe und Besinnlichkeit transportiert Helmchen im 'Adagio.molto sostenuto', Herzblut und Temperament im 'Finale. Presto-Scherzando'. All dies ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu brechen. Helmchen ist ein Solist von Format. Die in Harenbergs Konzertführer geführte Referenzaufnahme mit András Schiff und dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks könnte in der nächsten Auflage um diese Aufnahme ergänzt werden.

Eine glänzende Zugabe zu den beiden Mendelssohn’schen Klavierkonzerten und eine logische Repertoire-Ergänzung der SACD ist das ebenfalls auf der Platte enthaltene 'Rondo brillant' op. 29 von Mendelssohn. Hier zaubert der Solist noch einmal mit all seinen herausragenden Fähigkeiten: überlegene Musikalität, fundierte Anschlagskultur, saubere Pedaltechnik und glasklare Virtuosität. Fünfundfünfzig Minuten und zwei Sekunden Glück für den Gabentisch.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mendelssohn, Bartholdy Felix: Klavierkonzerte Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
1
24.09.2010
Medium:
EAN:

SACD
827949036668


Cover vergössern

Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...



Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Pentatone Classics:

  • Zur Kritik... Aus den Tiefen des Lieder-Waldes: Dem Lied-Duo Bostridge & Giorgini gelingt mit diesen 'Respighi Songs' ein durchaus hörenswertes Album, das so manchen Sängerinnen und Sängern als Inspiration für mögliche Liederabende dienen möge. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Eingedampfte Konzert-Highlights: Marin Alsop befeuert die Kraft und Energie von Gershwins 'Porgy and Bess' mit einer fulminanten Angel Blue in den Sopranpartien. Leider beschränkt sich die SACD auf Highlights. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Wegen Corona ins Studio: Dieser 'Fidelio' macht in vielen Punkten definitiv Freude – auch wenn es so einige frühere Aufnahmen gibt, die tiefer schürfen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Pentatone Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Manuel Stangorra:

blättern

Alle Kritiken von Manuel Stangorra...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Aus den Tiefen des Lieder-Waldes: Dem Lied-Duo Bostridge & Giorgini gelingt mit diesen 'Respighi Songs' ein durchaus hörenswertes Album, das so manchen Sängerinnen und Sängern als Inspiration für mögliche Liederabende dienen möge. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Berliner Oboe: Ein frisch leuchtendes Porträt Berliner Kammermusik des mittleren 18. Jahrhunderts: Xenia Löffler und ihr feines Ensemble warten mit edler Oboen-Kost auf, die eine breite Hörerschaft verdient. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Fließend Wienerisch: Günther Groissböck realisiert mit berufenen Künstlerkollegen ein Herzensprojekt. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich