> > > Hamelin, Marc-Andre: Etudes
Samstag, 25. Mai 2019

Hamelin, Marc-Andre - Etudes

Vorsprung durch Technik


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Marc-André Hamelins jüngste Einspielung präsentiert ihn einmal mehr als brillanten Techniker, der jedoch vor allem durch feinsinnige Musikalität besticht. Eine großartige Einspielung.

Den kanadischen Pianisten Marc-André Hamelin kann man gleich in mehrfacher Hinsicht als Ausnahmeerscheinung bezeichnen: Zunächst aufgrund seiner pianistischen Fähigkeiten – nicht wenige halten ihn für den technisch vollkommensten seiner Zunft. Nie hat man bei ihm aber das Gefühl, dass er seinen technischen Vorsprung dazu benutzt, sich oder dem Publikum etwas beweisen zu wollen. Vielmehr geht dieser Aspekt seines Spiels voll und ganz in seiner außergewöhnlich feinsinnigen Musikalität auf. Daneben aber auch deshalb, weil Hamelin sich konsequent jeglichen Vermarktungsmechanismen entzieht, die ihm ansonsten sicherlich ein Vielfaches an Popularität und Einnahmen bescheren könnten. Schließlich überrascht und fesselt er seine Zuhörer immer wieder mit verblüffenden Entdeckungsreisen in entlegenes, häufig auch besonders virtuoses Repertoire. Wenn einer, der ohnehin technische Herausforderungen liebt, dann auch noch selbst gerne komponiert und eigene Werke immer wieder auch im Konzertsaal präsentiert, ist es keine Überraschung, wenn er irgendwann das herausbringt, was nun beim Label Hyperion erschienen ist: ein Album mit selbst geschriebenen und eigenhändig gespielten Etüden und Klavierstücken.

Was ist schwerer als eine Chopin-Etüde? Zwei. Und was ist noch schwieriger? Logisch, drei. Was nach einem abgestandenen Witz klingt, ist Hamelins voller Ernst: Schon im ersten Werk unterzieht er sich dem hals- bzw. fingerbrecherischen Unterfangen, die Etüden op. 10 Nr. 2 sowie op. 25 Nr. 5 und 11 zu verschmelzen. Heraus kommt dabei ein vor Energie sprudelndes, hoch komplexes Stück, in dem man Hamelins stupende Technik und seine vitale Spielfreude gleich zu Anfang bestaunen kann. Die Idee, Chopins Etüden zu noch komplizierteren Studien umzufunktionieren, stammt freilich nicht von Hamelin selbst, sondern von Leopold Godowsky (1870-1938). Auch in den folgenden der '12 Etüden in allen Molltonarten' nimmt Hamelin zahlreiche Anleihen bei anderen Komponisten: Kreativ und originell ‚frisiert‘ werden auf diese Weise z. B. Liszts/Paganinis 'La Campanella', eine Scarlatti-Sonate oder Tschaikowskys Wiegenlied op. 16/1 (nur für die linke Hand).

Zu Genüge gibt es aber auch aus der ganz persönlichen Feder Hamelins stammende – und auch für ‚Normalsterbliche‘ spielbare – Werke, etwa ein kleines 'Nocturne' oder die aus fünf kurzen Stücken bestehende Sammlung 'Con intimissimo sentimento'. Zum Abschluss spielt Hamelin noch ein seiner Lebensgefährtin Cathy Fuller gewidmetes Thema mit Variationen, das seinen kompositorischen Phantasiereichtum und seine satztechnischen Fertigkeiten in ihrer ganzen Bandbreite noch einmal unter Beweis stellt. Spannend und informativ ist auch das Booklet, in dem man sich darauf verlassen kann, Informationen aus erster Hand zu bekommen: Die Kommentare stammen vom Pianisten und Komponisten selbst.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Hamelin, Marc-Andre: Etudes

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
17.09.2010
EAN:

034571177892


Cover vergössern

Interpret(en):Hamelin, Marc-André


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... In Liszts Herz der Finsternis: Düster klingt diese späte Klaviermusik von Franz Liszt, immerfort um das Thema Tod und implizit auch Depression kreisend. Der Aufgabe, dies mit pianistischen Mitteln ausdrucksvoll auszumalen, wird Cédric Tiberghien sehr gerecht. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Franzose im Halbschatten: Für Antoine de Févin und seine ebenso unbestreitbaren wie weitgehend unbekannten Qualitäten zu plädieren, ist sehr verdienstvoll. Das Brabant Ensemble und Stephen Rice tun das in hoher Qualität. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Goldstandard: Das Orlando Consort steht seit einigen Jahren für den Goldstandard bei Guillaume de Machaut. Und die Vokalisten setzen das im sechsten Teil ihrer Reihe ohne Mühe fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Dirigierender Komponist: Die kommunikative Qualität von Hans Zenders Musik kommt auf dieser Einspielung bestens zur Geltung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Charakterisierungskunst: Andreas Haefliger will uns Altbekanntes in neuem Licht erscheinen lassen. Auch wenn das teils fragwürdige Ergebnisse zeitigt – spannend ist es immer. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... 'Indianer'-Triptychon: Die vorliegende Einspielung von Rameaus 'Les Indes galantes' bringt fürs Kennenlernen alles mit, was man sich wünscht: hörbaren Spaß an barocker Theatralik und bei aller Schönheit einen hohen Unterhaltungswert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2019) herunterladen (2900 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich