> > > Georg Solti dirigiert: Sinfonien von Haydn, Mozart, Schubert & Mendelssohn Bartholdy
Mittwoch, 23. September 2020

Georg Solti dirigiert - Sinfonien von Haydn, Mozart, Schubert & Mendelssohn Bartholdy

Frühe Reife


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sinfonisches aus Soltis frühem Schaffen, von Haydn bis Schubert: nicht überrumpelnd enthusiasmierend, doch eindrucksvoll konsistent.

Georg Soltis Ansehen und Ruhm reicht ein gutes Jahrzehnt nach seinem Tod an Karajans und Bernsteins Nimbus nicht heran, zumindest außerhalb der angelsächsischen Welt. Dies kann in mancher Hinsicht überraschen, denn Soltis Schlankheit und Neigung zu zügigen Tempi kommt heutigen geschmacklichen Präferenzen vergleichsweise nahe. Sein Wiener 'Ring' wird immerhin als ‚Jahrhundertaufnahme’ gepriesen, und der Anzahl verkaufter CDs nach dürfte Solti den beiden anderen Meistern nicht nachstehen. So entbehrt es nicht überzeugenden kommerziellen Kalküls, wenn Membran auf vier CDs Aufnahmen der frühen Schaffensphase, großenteils Wiener Klassik gewidmet, zusammenführt. Es werden Haydn-Sinfonien geboten (Nr. 100 G-Dur, Nr. 102 B-Dur, Nr. 103 Es-Dur), Mozarts ‚Kleine g-moll-Sinfonie’ KV 183 sowie die ‚Prager’ KV 504, weiters Schuberts Sinfonie Nr. 5 B-Dur und Mendelssohns Sinfonien Nr. 3 a-Moll, und Nr. 4 A-Dur: die ‚Schottische’ bzw. ‚Italienische’. Alle Einspielungen datieren aus den fünfziger Jahren und bieten ordentlich aufbereitetes Mono. Es kommen London Philharmonic, London Symphony und Israel Philharmonic zu Gehör.

Wer nun erwartet, mit motorischer Kraft, rasenden Tempi und stählernen Phrasierungen überfahren zu werden, wird glücklich enttäuscht. Der ‚junge’ Solti, etwa vierzigjährig, scheint konzilianter, flexibler, in Tempofragen konventioneller, rundum moderater als jener Greis, der in den achtziger und neunziger Jahren mit durchaus vitalen, in der Tendenz jedoch überspannten Mozart- und Beethoven-Darstellungen zu überraschen wusste. Womöglich bleibt der junge Solti, obschon Schüler Bartóks und Toscanini-Bewunderer, dem breit-satten, gelegentlich pathos-überstrahlten Mozart-Stil der Jahrhundertmitte verhaftet – ohne die eigene rhythmische Prägnanz und klangliche Schlankheit, die Spannkraft und Plastizität der Phrasierung daranzugeben oder sentimental säuselnd zu werden. Ein Rokoko-Mozart ist dies jedenfalls nicht. Eher scheint 'Don Giovanni' durch die ‚Prager’ durch. Der dramatisierende Impetus, wiewohl im Zaum gehalten, sorgt beispielsweise auch bei Mendelssohn, in jenen Passagen der ‚Schottischen’, die gelegentlich ins Nordisch-Nebulöse zu zerfließen drohen, für Kontur.

Mit Haydn wiederum ist wenig Ruhm einzuheimsen. Gewiss ist dieser klassischste der Wiener Klassiker höchst transparent und zerbrechlich in der Phrasierung: falsche Akzente, dick aufgetragene Drücker und expressive Mätzchen fallen kaum weniger unangenehm auf als bei Mozart. Nicht von ungefähr dient Haydn beim Probespiel für Orchesterstellen als sicherster Prüfstein für musikalische Intelligenz und Herzenstakt. Alles in allem ‚hält’ Haydn aber bedeutend ‚mehr aus’ als Mozart. Anders lässt sich nicht begreifen, dass solcherart archaische Haydn-Lesarten wie jene Furtwänglers, Karajans oder Bernsteins heute noch ernst genommen werden können – anders als deren bestenfalls niveauvoll scheiternde Bemühungen um Mozart oder barockes Repertoire. Andererseits hat sich die Originalklang-Bewegung Haydns bemächtigt und prägt unser Empfinden seiner Musik: Die Vielfalt legitimer Zugriffsweisen ist also außergewöhnlich. Auch Soltis Darstellungen können – nach immerhin sechzig Jahren – weitgehend überzeugen. Breite Tempi, exaktes (beinahe mechanisches) Metrum, kraftvolles Tutti und akkurates Ensemblespiel garantieren grundsolide Resultate, denen letzte Verfeinerung gebricht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Georg Solti dirigiert: Sinfonien von Haydn, Mozart, Schubert & Mendelssohn Bartholdy

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Membran
4
13.08.2010
195:00
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
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Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

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Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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