> > > Vasks, Peteris: Streichquartette Nr. 1 - 3
Sonntag, 18. August 2019

Vasks, Peteris - Streichquartette Nr. 1 - 3

Emotionale Streichquartett-Lektüre


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Navarra String Quartet lässt mit einer souveränen und kontrastreichen Einspielung von Peteris Vasks Streichquartetten Nr. 1-3 aufhorchen.

Das Streichquartett-Repertoire dreht sich mittlerweile ebenso im Kreis wie das Repertoire sinfonischer Konzerte, und Aufnahmen der Beethoven’schen, Haydn’schen oder Schubert’schen Highlights jagen die nächste. Klar, dass manches Ensemble angesichts dieser Situation schon mal nach brauchbaren, selten gespielten Alternativen sucht, um sich vor anderen ein unterscheidbares interpretatorisches Profil zu geben. Dem Navarra String Quartet (Xander van Vliet und Marije Ploemacher, Violine; Simone van der Giessen, Viola; Nathaniel Boyd, Violoncello) ist dies mit einer Einspielung von drei der bislang fünf Streichquartette des lettischen Komponisten Peteris Vasks beim Label Challenge Classics gelungen. So leicht erschließbar Vasks Musik im Vergleich zu der manches anderen Zeitgenossen zunächst auch anmuten mag, so trügerisch sind die Fallstricke, denen sich der Hörer gelegentlich gegenüber sieht, wenn er die kontrastierende Emotionalität der musikalischen Einfälle einzuordnen versucht. Die vier jungen Musiker allerdings meistern gerade dieses auch für die musikalische Umsetzung zentrale Problem der Werke mit erstaunlicher Souveränität und liefern daher mit dieser Einspielung einen eindrucksvollen Beleg für ihre gestalterischen Fähigkeiten.

Dass die drei Kompositionen entgegen ihrer Entstehungszeit angeordnet sind, der Hörer also vom Streichquartett Nr. 3 (1995) ausgeht und über dessen zweites ('Sommerweisen', 1984) zum Erstlingswerk aus dem Jahr 1977 (revidiert 1997) zurück schreitet, macht die Angelegenheit besonders faszinierend, weil man dabei zu erfassen glaubt, unter welchen Bedingungen sich die ausgeglichenere musikalische Sprache des jüngsten Werkes entwickelt hat. Klar wird vor allem, dass die mit Momenten extremer Extrovertiertheit und Introspektion arbeitende Musik auch etwas von den Zeitläuften verrät, in die Vasks als Litauer hineingeboren wurde – und die ihn auch einen anderen ästhetischen Weg beschreiten ließen als seine Zeitgenossen in Mitteleuropa. So setzt das zornige Streichquartett Nr. 1 in der 'Intrada' auf aggressive Klangdarstellungen, die immer wieder von zarten, sich allmählich verfestigenden Glissandolinien unterbrochen werden, die 'Sonata' gibt sich in Harmonik wie Rhythmik wild und energetisch, und das Ziel ist schließlich mit der 'Elegie' erreicht. Gerade hier zeigt das Ensemble, welche Gestaltungsnuancen ihm zur Verfügung stehen: In gedeckten, später mehr und mehr strahlenden, aber dennoch mit scheuer Zurückhaltung gezeichneten Melodieverläufen von großer Zartheit und Intensität, die immer wieder geschickt von musikalischen Einbrüchen aus dem ersten Satz unterbrochen werden, entsteht ein Klangergebnis, in dem sich Kontinuität und Brechung die Waage halten.

Doch nicht nur an dieser Stelle wirkt die Aufnahme geschlossen und auf allen Ebenen überzeugend, auch anderswo bedenkt das Navarra String Quartet den Klang mit vielfältigen Farbgebungen. So entstehen zu Beginn des zweiten Streichquartetts filigrane, klanglich pulsierende Dichtezustände, die der Musik einen gewissen Plastizitätsgrad verleihen und sich – als stilisierte Naturlaute – durch das gesamte Werk ziehen. Ein exzellentes Beispiel für die Fähigkeiten des Ensembles ist aber auch der Beginn des dritten Quartetts, wo die sensibel gestalteten Einzelstimmen ständig ihre Bezüge zueinander verändern, bis sie sich in klagendem Duktus vereinen. Die rhythmisch energischen Ausbrüche im zweiten Satz zeigen dagegen die andere Seite der Musiker: Prägnant und scharf im Klang, aber in der Auffassung der Tempo immer flexibel, arbeiten die Musiker hier auf eine perspektivenreiche Darstellung der Musik hin, wodurch die mit Spannung aufgeladene Ruhe des nachfolgenden des 'Adagio'-Satzes mit seinem konzentriert gewobenen, manchmal auf nur zwei Stimmen reduzierten Trauergesang erst recht zur Geltung kommt. Einfallsreich und auf der dynamischen Ebene meisterhaft gelingt auch hier die Umsetzung des Finales, in dem die unterschiedlichen Stimmungen wiederum in gegenseitiger Brechung auftreten und sich bis hin zu extremen Ausbrüchen auswachsen. Die emotionalen Komponenten, die das Navarra String Quartet dabei herausstreicht, macht die CD hier wie an anderen Stellen zu einer wahren Achterbahnfahrt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vasks, Peteris: Streichquartette Nr. 1 - 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Challenge Classics
1
03.09.2010
76:48
2010
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
608917236521
CC72365


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"Marksteine zeitgenössischer Streichquartette: Die Mitglieder des Navarra Quartet - 2002 am Royal Northern College of Music in Großbritannien gegründet - sind Schüler des Alban Berg Quartetts. Pēteris Vasks‘ erste drei Streichquartette werden in ihrer hoch emotionalen Interpretation zu einer berührenden Abstraktion von Sorge und Leid."


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


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