> > > Lars Vogt: Schumann & Liszt: Fantasie C - Dur op. 17 - Klaviersonate h-Moll S 178
Montag, 14. Oktober 2019

Lars Vogt: Schumann & Liszt - Fantasie C - Dur op. 17 - Klaviersonate h-Moll S 178

Vielschichtige Gefühlsebenen


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lars Vogt stellt die beiden ungewöhnlichsten Klavierkompositionen des 19. Jahrhunderts einander gegenüber und verzaubert mit seinem Zugang.

‚Lars Vogt legt mit seinem emphatischen wie transparenten Spiel vielschichtige Gefühlsebenen und Strukturen offen und führt den Hörer in einzigartige romantische Tiefen und Höhen.‘ – Normalerweise gebe ich nicht viel auf Beschreibungen wie diese, die auf der Rückseite der CD-Hülle abgedruckt sind und im Grunde der Eigenwerbung dienen. Allerdings lassen sich in diesem Fall kaum geeignetere Worte finden, mit denen man die vorliegende Produktion des Labels Berlin Classics in aller Kürze angemessen beschreiben könnte. Auf besondere Weise fordert schon die eingespielte Kombination zweier äußerst anspruchsvoller Werke das Können des Pianisten heraus: Mit Robert Schumanns Fantasie C-Dur op. 17 und Franz Liszts Sonate h-Moll S 178 fokussiert Lars Vogt nämlich auf die beiden vielleicht ungewöhnlichsten Klavierkompositionen des 19. Jahrhunderts – auf zwei grundverschiedene, aber dennoch in höchstem Maße visionäre Werke, die sich die Komponisten voller Respekt gegenseitig gewidmet haben und die auf jeweils individuelle Weise ganz besondere pianistische Qualitäten erfordern.

Der erste Satz von Schumanns Fantasie wirkt teilweise wie ein Hauch: Die Anweisung ‚Durchaus phantastisch und leidenschaftliche vorzutragen‘ wird gerade in den Sechzehnteln des Beginn ins Filigrane hinein gesteigert. Hier gibt Vogt die klangliche Richtung vor, die er mit seinem in den Pianobereichen höchst fein ausgearbeiteten Vortrag anstrebt, erweitert um Passagen, in denen er das Tasteninstrument förmlich zum Singen bringt, wie etwa in dem mit 'Im Legendenton' überschriebenen Abschnitt. Spannungsvolle Pausen- und Fermatengestaltung zeichnen die Umsetzung aus, die sich dann – bei aller Sicherheit im Umgang mit den vielen Sprüngen – im zweiten Satz weniger durch die Präsentation pianistischer Brillanz als durch ein inneres Leuchten auszeichnet und dabei die Polyphonie der gegeneinander verschobenen Stimmen durchsichtig macht. Der dritte Satz wiederum ist getragen von zarter Kantabilität, resultierend aus einer wunderbar leichten Anschlagskultur und agogisch in Bezug auf die Harmonik fein ausgearbeiteten Akkordwechseln. Doch auch die hymnischen Ausbrüche der Musik vergisst Vogt nicht, setzt sie klangvoll und mit kontrollierter Klanggebung um, die dennoch reich an überraschenden Wendungen bleibt.

Die Liszt’sche Sonate wartet gleichfalls mit verblüffenden Details auf, was angesichts der großen Anzahl von alternativen Einspielungen sehr positiv ist: Auch hier ist Genauigkeit jene Tugend, der Vogt als Leitlinie folgt und dabei vergessen lässt, dass andere Interpreten ihre Annäherungen an die Musik gern zu einer sportlichen Angelegenheit machen. Charakteristisch für die Präzision des Pianisten ist die Leichtfüßigkeit der 'Allegro energico'-Fuge, die eine besondere Transparenz des Satzbilds nach sich zieht. Bezeichnend für sein Spiel ist aber auch der Kontrastreichtum, der zwischen den manchmal in ihrer Dramatik wie gemeißelt wirkenden, schroffen Klangereignissen voller scharfer Attacken und dem stellenweise fast schon impressionistisch wirkenden, aus dem Klavier herausgestreichelten Farbenzauber der ruhigen Teile erwächst. Gerade bei der intensiven Darstellung unterschiedlicher Arten des Singens scheint Vogt kaum Grenzen zu kennen und flicht immer wieder improvisatorisch anmutende Elemente ein, die seinem Vortrag den Anschein von Spontaneität geben. Und selbst in den Augenblicken der Emphase strapaziert der Pianist das Pathos der Musik nicht übermäßig und findet ohne Umschweife wieder zu intimeren Klängen zurück. Dafür muss man ihm ein großes Kompliment aussprechen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lars Vogt: Schumann & Liszt: Fantasie C - Dur op. 17 - Klaviersonate h-Moll S 178

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
1
17.09.2010
64:35
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
885470000640
0300064BC


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"Robert Schumann und seine C-Dur-Fantasie, Franz Liszt und seine h-Moll-Sonate: zwei singuläre Schöpfungen, die in der Klavierliteratur ihresgleichen suchen - zwei grundverschiedene Komponisten, die sich diese Werke jedoch gegenseitig gewidmet haben. Die Verbindung der 200. Geburtstage beider Komponisten in den Jahren 2010 und 2011 bilden also nur den äußeren Rahmen innerer Verbindungen, die für die Entstehung dieser Neuaufnahme entscheidend waren. Im Booklet-Interview äußert Lars Vogt sich folgendermaßen: "Hier sind zwei Genies am Werk, die sich besonders in diesen Werken absolut in keinen Rahmen pressen lassen und dabei offensichtlich alles sprengen, was da war und sein wird. Wie die Schumann-Fantasie den Hörer förmlich anspringt, mit einer irrsinnigen Emotionalität und eng beieinander liegenden Kontrasten, und wie Liszt in der Sonate die ganze Form neu erfindet und darin Dinge aussagt, die jedes Musikstück eigentlich sprengen, weil im Prinzip wirklich die Seele verstörend: Ich glaube, in Ihrem visionären Wurf haben sie eine gewisse Verwandtschaft." Ein Pianist vom Format eines Lars Vogt vermag diesen Worten auch Taten folgen zu lassen, und so legt er mit seinem emphatischen wie transparenten Spiel vielschichtige Gefühlsebenen und Strukturen offen, verdeutlicht, ohne zu demonstrieren, und führt den Hörer in einzigartige romantische Tiefen und Höhen."


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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