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Montag, 21. Oktober 2019

Weber, Carl Maria von - Der Freischütz

Ins Schwarze getroffen


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Carl Maria von Weber ist besonders durch ein Werk bekannt geworden: den 'Freischütz'. Erich Kleiber hat dieses Werk 1955 in seiner Gesamtheit mit einem illustren Ensemble eingespielt und damit einen künstlerischen Volltreffer gelandet.

Anders als der glücklose Jäger Max bei den Vorbereitungen auf seinen Probeschuss, hat der legendäre Dirigent Erich Kleiber mit seiner 1955 entstandenen Aufnahme des 'Freischütz' ins Schwarze getroffen. So mitreißend und zupackend hat man diese Oper wohl selten gehört. Jeder dramatischen Nuance spürt Kleiber mit seinem bestens disponierten Ensemble - dem Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester, dem feinsinnigen und beispielhafte Stimmkultur beweisenden Kölner Rundfunkchor sowie herausragenden Solisten - nach. Besonders überzeugend sind die vielen unterschiedlich ausdifferenzierten Klangfarben, die Kleiber dem Orchester entlockt. Das teuflische Grauen könnte kaum dunkler und bedrohlicher klingen, die rustikalen Volksszenen präsentieren sich als eine perfekte Mischung zwischen Leichtigkeit und bäuerlicher Schwere, die der Liebe zwischen Max und Agathe zugeordneten Themen atmen berührende Reinheit und Unschuld. Der Meinung nicht weniger Musikkritiker, dass es sich hier um eine der besten Aufnahmen dieser überaus wirkungsvollen, romantischen Oper handelt, kann sich der Rezensent nur anschließend, wirkt die Einspielung doch in allen Teilen stimmig und wird hörbar von Herzblut und Engagement getragen.

Die Produktion entstammt einer Zeit, in der derartige Projekte noch mit aller Sorgfalt und Kompromisslosigkeit im Hinblick auf die Qualität realisiert wurden. Das hört man in jedem Moment. Neben dem schon erwähnten beeindruckend aufspielenden Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester und dem exzellenten Chor gilt es einen Blick auf die Hauptprotagonisten der Szene zu richten. Hier fällt besonders einer auf: Max Proebstl als Kaspar. In dieser Rolle ist er eine kleine Sensation. Sein 'Schweig, schweig' etwa ist unvergleichlich gänsehauterzeugend, tiefdunkel und bedrohlich. Mit markanter Stimme und packender Gestaltungskraft wird sein Kaspar schlicht zum Inbegriff des Diabolischen.

Der inzwischen legendäre Hans Hopf, der den Max verkörpert, präsentiert sich als wahrlicher Heldentenor mit Kern. Sein Max ist ein gestandener, durchaus starker Mann voll Aufrichtigkeit und Skrupel. Gerade der Kontrast zwischen seiner äußeren Stärke und seiner inneren Zerrissenheit macht seine Figur in der Aufnahme so berührend und nachvollziehbar. Hier erlebt der Zuhörer tatsächlich einen Helden, der mit sich erbittert kämpft und von Ängsten hart angegriffen wird. Bei einem eher lyrisch angelegten Max wäre wohl die Fallhöhe deutlich geringer und wirkungsärmer gewesen.

Für die Agathe wurde Elisabeth Grümmer gewonnen. Ihr Name steht wie in vielen anderen Einspielungen für höchste Sensibilität im Umgang mit ihrer Partie. Sie zeichnet sich durch klare, niemals überzogenen oder forcierten Gesang aus. Ihre Agathe ist unschuldig, rein, dennoch in keiner Weise naiv. Sie stellt sich dem Leben mit ihren hellen und dunklen Seiten und weiß mit ihnen umzugehen. Ihre Arie 'Leise, leise, fromme Weise' ist an Innigkeit wohl nicht zu überbieten. Man kann sich dieser Berührung nicht entziehen. Rita Streich als Ännchen schließlich ist in gleicher Weise überzeugend, mit ihrer kecken, heiter-leichten Art und ihrem großen Charme, den ihr Gesang transportiert.

Sicher, etwas altmodisch wirkt heute die Tatsache, dass die Dialoge mit anderen Akteuren besetzt sind und damit deutlich aus dem Gesamtbild herausfallen. Freilich war diese Art des Aufnahmekonzeptes damals üblich, und so kann man diesen Aspekt durchaus als charmant-nostalgischen, an vergangene Zeiten erinnernden Staub über der Einspielung sehen.

Dass diese Aufnahme des 'Freischütz' aus dem Jahre 1955 eine erneute Auflage erfahren hat, ist ein Glücksfall, ruft sie uns doch große Meister ihres Fachs in Erinnerung, deren Kunst nichts an Überzeugungskraft und Direktheit eingebüßt hat. Wie gut, möchte man laut ausrufen, dass dieser 'Freischütz' als Gesamtaufnahme produziert wurde und nicht, wie es damals häufig geschah, als Opernquerschnitt. Denn bei dieser Einspielung kann man jede Minute genießen. Jeder Takt ist spannend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Dirk Weber Kritik von Dirk Weber,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weber, Carl Maria von: Der Freischütz

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Membran
2
19.07.2010
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222329158
232915


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

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Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

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