> > > Bach, Johann Christoph Friedrich: Sinfonien HW 1/6, 10 & 20
Donnerstag, 18. Juli 2019

Bach, Johann Christoph Friedrich - Sinfonien HW 1/6, 10 & 20

Neues vom Bückeburger Bach


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Aus den drei hier zu hörenden Sinfonien des Bach-Sohnes Johann Christoph Friedrich ragt die späte B-Dur-Sinfonie hervor.

Johann Christoph Friedrich Bach (1732–95) gilt als der Unbekannteste der vier komponierenden Bach-Söhne. Dies war schon zu Lebzeiten so – die drei Brüder Carl Philipp Emanuel, Johann Christian und Wilhelm Friedemann genossen als Musiker hohes oder höchstes Ansehen, Johann Christoph Friedrich war über seine Wirkungsstätte Bückeburg hinaus kaum bekannt. Auch heute hat sich an dieser Einteilung nicht allzu viel geändert: Ganz oben am Musik-Firmament leuchtet Vater Bach, ein gutes Stück dahinter stehen Carl Philipp Emanuel und Johann Christian, gefolgt von Wilhelm Friedemann. Johann Christoph Friedrich wird gemeinhin am Schluss eingereiht, von seiner Musik existieren auch die wenigsten CD-Einspielungen. Diese Veröffentlichung bringt etwas Licht ins Dunkel und präsentiert drei (von acht erhaltenen) Sinfonien des jüngsten Bach. Das Leipziger Kammerorchester musiziert unter Morten Schuldt-Jensen.

Der Höreindruck fällt zwiespältig aus: Die ersten beiden Sinfonien (in C-Dur, HW1/6 und in Es-Dur, HW 1/10) klingen nach bravem Durchschnitt des 18. Jahrhunderts, wie ihn wohl einige hundert Komponisten jener Epoche aufs Notenpapier gebracht haben. Ganz anders präsentiert sich die B-Dur-Sinfonie (HW 1/20), die mühelos dem Vergleich mit Haydn standhält und auch allgemein zu Bachs besten Werken gerechnet wird. Wie der Musikwissenschaftler Martin Geck bemerkt hat, ‚beteiligt sich [Johann Christoph Friedrich Bach] auf beeindruckende Weise an dem geschichtlichen Wandel von der generalbassbegleiteten zur Musik des empfindsamen Zeitalters.‘ Dies zeigt sich schon an Äußerlichkeiten: In den Sinfonien in C und Es wirkt noch ein Cembalo mit, die Werke sind dreisätzig. Die viersätzige B-Dur-Sinfonie verzichtet auf das alte Generalbass-Instrument, das Orchester ist reicher besetzt als in den beiden Schwesterwerken. Doch nicht nur diese Erweiterung des Ensembles, sondern vor allem der (damals) neue Tonfall lassen die späte Sinfonie klar als das beste der drei Werke erscheinen.

Schuldt-Jensen und das Leipziger Kammerorchester sind hörbar bemüht, auch die zwei frühen Stücke von ihrer besten Seite zu zeigen. Sicheres Zusammenspiel, straffe Tempi in den Ecksätzen und dynamische Sensibilität tragen dazu einiges bei. Doch der Qualitätsunterschied bleibt: Selbst in dieser durchaus zwingenden Interpretation bleiben die C-Dur- und Es-Dur-Sinfonie beliebige, wenn auch handwerklich einwandfrei gearbeitete Kompositionen ihrer Zeit. Ganz anders die B-Dur-Sinfonie, in der schon die langsame Einleitung des Kopfsatzes aufhorchen lässt. Im 'Andante' können die vom Komponisten reich bedachten Bläser glänzen, Menuett und Finale wirken eine Spur blasser. Dennoch zeigt das Stück insgesamt den Bach-Sohn von seiner besten Seite, sämtliche Instrumente kommen angemessen zur Geltung. Die Leipziger Musiker lassen sich die Gelegenheit nicht entgehen und brillieren in allen vier Abschnitten, beim Klang muss man allerdings kleinere Abstriche in Kauf nehmen. Die Aufnahme wirkt etwas zu direkt, die klanglichen Mischungen bleiben so teilweise auf der Strecke.

Dies trübt den Gesamteindruck aber nur unwesentlich: Schuldt-Jensen und sein Orchester zeigen mit dieser CD, wie vielfältig das Oeuvre des Komponisten war und – vor allem mit der B-Dur-Sinfonie – wie gut ihm der Wandel zum ‚empfindsamen Stil‘ gelang. Es ist zu bedauern, dass der größere Teil seines Schaffens während des Zweiten Weltkrieges verloren ging. Was geblieben ist, macht Lust auf mehr – beim Leipziger Kammerorchester ist diese mal spätbarocke, mal frühklassische Musik jedenfalls in besten Händen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Christoph Friedrich: Sinfonien HW 1/6, 10 & 20

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Naxos
1
05.07.2010
51:08
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
730099125925
8.551259


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Bach, Johann Christoph Friedrich
 - Sinfonie C - Dur HW 1/6 - Allegro di molto
 - Sinfonie C - Dur HW 1/6 - Andante
 - Sinfonie C - Dur HW 1/6 - Allegro assai
 - Sinfonie Es - Dur HW 1/10 - Allegro
 - Sinfonie Es - Dur HW 1/10 - Andante assai
 - Sinfonie Es - Dur HW 1/10 - Allegro assai
 - Sinfonie B - Dur HW 1/20 - Largo - Allegro
 - Sinfonie B - Dur HW 1/20 - Andante con moto
 - Sinfonie B - Dur HW 1/20 - Minuetto
 - Sinfonie B - Dur HW 1/20 - Rondo allegretto scherzando


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Orchester/Ensemble:Leipziger Kammerorchester


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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