> > > Caldara, Antonio: Sonaten für Violoncello und Basso continuo
Samstag, 6. März 2021

Caldara, Antonio - Sonaten für Violoncello und Basso continuo

Musikalische Bilanz


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Violoncello-Sonaten von Antonio Caldara: In einer souveränen Auffassung geboten von Gaetano Nasillo und Luca Guglielmi.

Der Lebensweg führte Antonio Caldara (1670/71-1736) von der Musikmetropole Venedig, wo er früh musikalisch gebildet wurde, über den Gonzaga-Hof in Mantua nach Rom in die Sphäre Francesco Maria Ruspolis, bevor er ihn schließlich als Vizekapellmeister an den Hof der Habsburger nach Wien brachte. In Wien verbrachte Caldara seine letzten Lebensjahrzehnte. Prägend für sein kompositorisches Schaffen waren fast alle Arten vokaler und vokal-instrumentaler Musik – nur die ersten Sammlungen und das letzte große Opus widmeten sich rein instrumentalen Besetzungen. Wie ganz zu Beginn schrieb Caldara auch am Ende seiner langen Karriere wiederum Sonaten für sein Instrument, das Violoncello.

Diese sämtlich in der umfangreichen Musiksammlung des Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn-Wiesentheid überlieferten sechzehn Sonaten sind ein wunderbares Finale einer langen Musikerkarriere. Für die vorliegende Platte haben der Cellist Gaetano Nasillo und Luca Guglielmi an Cembalo oder Cristofori-Klavier, unterstützt von der Continuo-Cellistin Sara Bennici, acht Sonaten ausgewählt und zu einem überzeugenden Programm zusammengestellt – für alle Hörer, die nicht in erster Linie enzyklopädisch interessiert sind, eine nachvollziehbare Entscheidung.

Caldaras formales Modell orientiert sich bei einer größeren Zahl der Sonaten an der älteren viersätzigen Form, wobei der kundige Venezianer vor allem die einleitenden langsamen Sätze zu expressiven Höhepunkten ausbaut: Hier singt das Violoncello seelenvoll, zeigt sich der Klangkünstler Antonio Caldara in seinem Element. In den rascheren Sätzen kann Caldara durchaus mit einer geschmeidigen und phantasievollen melodischen Invention für sich einnehmen, die er mit musikantischem Temperament verknüpft. Caldaras Setzweise ist insgesamt von einem schon etwas gezügelten – vielleicht altersweisen – italienischen Instrumentaltemperament geprägt. Manches 'Largo' glänzt im milden Licht der Reife wunderbar und wirkt fast wehmütig-bilanzierend. In jedem Fall scheint aus allen oft knappen Sätzen Caldaras Liebe zu ‚seinem’ Instrument auf – hatte er sich doch auf dem Deckblatt seines Opus’ 1 im Jahr 1693 selbst als 'Musico di violoncello' bezeichnet.

Souverän

Der im italienischen Barock-Repertoire denkbar erfahrene Gaetano Nasillo verfügt zweifellos über die nötigen Fähigkeiten zur Interpretation dieser Werke. Zu nennen sind eine feine, makellose Technik, vor allem ein sehr variabler Bogeneinsatz, dazu genug elegante Geläufigkeit, um in den bewegteren Passagen zu überzeugen. Noch eindrucksvollere Stärken Nasillos liegen jedoch in der Auffassung der langsamen Sätze: Hier dominieren der konzentrierte Klang, der lange Bogen und die schöne Kantilene. Nasillo ist insgesamt eher uneitler Anwalt der Musik und nicht in erster Linie Repräsentant seines eigenen Könnens – das sich freilich keineswegs zu verstecken braucht.

Diese ebenso angemessene wie angenehme interpretatorische Haltung ergänzt sich glückend mit dem Ansatz Luca Guglielmis, der zwischen frischem Temperament und dezenter Haltung – unterstützt vom sich unauffällig aber vernehmlich in den Klang einfügenden Contiuo-Cello Sara Bennicis – alle Register angemessenen Begleitens zu ziehen in der Lage ist. Besondere Erwähnung verdient das neben einem Cembalo zum Einsatz kommende Pianoforte: Es ist ein Nachbau eines Cristofori-Klaviers von 1726, also eines jener frühen Hammerklaviere, die der weiteren Entwicklung der Tasteninstrumente den Weg weisen sollten. Guglielmi nutzt die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers sehr schön aus, platziert vollgriffige Akkorde von einiger Noblesse, gestaltet die durchbrochenen Passagen im Kontrast dazu mit besonderer Zartheit. Hier punktet das Pianoforte erkennbar gegenüber dem Cembalo, dessen metrisch-perkussiven Qualitäten es freilich nicht erreicht. Insgesamt bringt der gelegentlich Einsatz des Cristofori-Klaviers eine gewisse Eleganz – wenn nicht gar Modernität – in die Interpretation.

Das Klangbild ist fein, ausgewogen und klar, vielleicht mit Blick auf das schöne Ungarini-Cello von Nasillo etwas zu schmal. Eine Spur mehr Plastizität und Körperlichkeit hätten der Aufnahme insgesamt gut getan. In entschieden gewählten Tempi werden die charaktervollen Sätze entfaltet, belebt und getragen von der differenzierten, auf die feinen Unterschiede achtenden Artikulationskunst Nasillos.

Nasillo und Guglielmi gelingt eine schöne Interpretation – getragen von feinem Klangsinn, kammermusikalischem Temperament und konzentrierter Geduld. Diese Haltung passt wunderbar zu Caldaras abgeklärter, vom vollen Maß eines reichen Musikerlebens genährter Musik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Caldara, Antonio: Sonaten für Violoncello und Basso continuo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
01.06.2010
Medium:
EAN:

CD
8033891690359


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Arcana

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