> > > Galuppi, Baldassarre: Sonaten für Tasteninstrumente (gespielt auf Orgel, Cembalo, Clavichord & Fortepiano)
Donnerstag, 2. Dezember 2021

Galuppi, Baldassarre - Sonaten für Tasteninstrumente (gespielt auf Orgel, Cembalo, Clavichord & Fortepiano)

Guglielmi spielt Galuppi


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Durch Guglielmis wunderbare Interpretationen kann der Hörer den etwas in Vergessenheit geratenen Galuppi wieder neu kennen lernen.

Kaum ein anderer Komponist stand im 18. Jahrhundert so sehr für die Musikstadt Venedig wie Baldassarre Galuppi (1706-1785). Während sein Kollege Vivaldi schnell in Vergessenheit geriet, erfreute sich Galuppi auch bei nachfolgenden Generationen noch größter Hochachtung als Komponist, auch wenn seine Werke nur noch selten erklangen. Galuppis musikalische Spezialgebiete waren Kirchenmusik für zwei der berühmten Waisenhäuser Venedigs und Musik für Tasteninstrumente. Einige dieser Werke hat der italienische Cembalist Luca Guglielmi wieder ausgegraben und auf Nachbauten historischer Instrumente neu eingespielt. Guglielmi zählt zu den wichtigsten Cembalisten und Pianisten der jüngeren Generation. Er spielte schon bei vielen namhaften Barockensembles mit und ist seit 13 Jahren Assistent von Jordi Savall. Entsprechend hochwertig ist auch seine Galuppi-CD. Giglielmi hat sich intensiv mit den einzelnen Kompositionen auseinandergesetzt und die passenden Instrumente ausgewählt. Da Galuppi selbst keine konkreten Angaben zur Besetzung gemacht hat, war Guglielmi frei, sich aus den ihm zur Verfügung stehenden Instrumenten die klangschönsten herauszusuchen.

Galuppis Kompositionen stehen auf der Schwelle vom Barock zur Klassik, womit sie in ihrer Formenvielfalt schlecht ausschließlich einer Epoche zuzuordnen sind. Dies dürfte auch einer der Gründe dafür sein, dass Galuppis Musik im 20. Jahrhundert nur selten zu hören war. Sie ließ sich einfach nicht in die üblichen Schemata pressen, sondern reklamiert für sich das Recht, nicht nur Werke einer Übergangsepoche zu sein. Galuppis Tonsprache ist abwechslungsreich und vielschichtig. Mal verwendet er kompositorische Neuheiten wie die gebrochenen Alberti-Akkorde für die Belgleitstimme, mal wählt er kontrapunktische, barocke Satzstrukturen wie von Scarlatti oder Lotti. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählte auch C.P.E. Bach, den er in Berlin besuchte und mit dem er sich über Kompositionstechniken ausgetauscht haben muss.

Die neun ausgewählten Sonaten entstanden zwischen 1750 und 1781, womit sie die mittlere und späte Schaffensperiode Galuppis widerspiegeln. Die CD beginnt mit einer Sonate in D-Dur, die Guglielmi auf einem italienischen Nachbau eines Micheal Mietke Cembalos spielt. Wie alle anderen von Guglielmi gewählten Instrumente klingt auch dieses Instrument hell und klar. Es hat wohltönende Mittelregister und eine schöne Tiefe. Die Höhe ist silbrig. Guglielmi nutzt diese Klangeigenschaften, um die verschiedenen Ebenen der Komposition geschickt miteinander zu kontrastieren. Seine Interpretation ist darum sehr gut in allen Stimmen durchhörbar und verständlich.

Die Sonate in B-Dur spielt er auf einem Bartolomeo Cristofori Cembalo, das einen etwas gedämpfteren, intimeren Klang als das Mietke Cembalo hat. Die Sonate wirkt dadurch in ihrer eleganten Schlichtheit sehr kammermusikalisch. Das etwas naiv wirkende Thema klingt bei Guglielmi deshalb einfach aber dennoch substanzvoll. Der schnellere zweite Satz erfordert vom Spieler ein cembalistisches Feuerwerk an Virtuosität. Die hämmernden schnellen Läufe und Akkordbrechungen bekommen hier durch geschickt gesetzte Akzente Schwung und Leichtigkeit.

Für die Sonate in a-Moll wählt Guglielmi ein Clavichord von Johann Christoph Georg Schmiedmayer, dem er in der Siciliana herrlich leise getupfte Klänge entlockt. Im 'Allegro' könnte der Klang des Instruments etwas direkter und lauter sein. Die Aufnahmen der a-Moll-Sonate und der c-Moll-Sonate ‚Passatempo als Cembalo‘ fallen akustisch von den sehr viel brillanteren und gut hörbaren anderen Stücken ab, was ein eine etwas größere Hörlautstärke einfordert. Die Sonate in a-Moll Op.1 Nr.3 spielt Guglielmi auf einer Orgel von Concone, die sich in der Chiesa di San Genesio Martire in Turin befindet. Das Instrument passt sehr gut zum Stück, doch sei kritisch angemerkt, dass der plötzliche sakrale Duktus nicht ganz in die kammermusikalisch geprägte Atmosphäre der anderen Interpretationen passt. Guglielmi spielt das Largo mit gedämpften Registern in einer mittleren Lage. Dazu kontrastiert er das helle, sehr lebhafte Allegro mit glitzernden hohen Registern.

Die Sonaten in G-Dur und in As-Dur Op.1 Nr.6 spielt er ebenfalls auf der Turiner Orgel. Als Letztes erklingt die Sonate in C-Dur auf einem wunderbar klingenden Fortepiano von Bartolomeo Cristofori. Die raffinierte Simplizität der Komposition erinnert an die Werke Haydns und Mozarts, weshalb das Fortepiano ausgezeichnet die Progressivität Galuppis unterstreicht. Guglielmis sanfter Anschlag lässt das Instrument wunderbar klingen. Besonders das 'Andante' bekommt dadurch einen herrlich beseelten Ausdruck. Im 'Allegro' nutzt Guglielmi die rhythmische Bassstimme, um der verzierungsreichen Oberstimme einen schwungvollen Unterbau zu liefern und das Stück dadurch zum Schwingen zu bringen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Galuppi, Baldassarre: Sonaten für Tasteninstrumente (gespielt auf Orgel, Cembalo, Clavichord & Fortepiano)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
10.05.2010
Medium:
EAN:

CD
4015023242272


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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