> > > Wilms, Johann Wilhelm: Violinsonaten op. 11 & 29
Montag, 6. Dezember 2021

Wilms, Johann Wilhelm - Violinsonaten op. 11 & 29

Mozart im Herzen


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Johann Wilhelm Wilms, Zeitgenosse Beethovens, wird in den letzten Jahren immer mehr entdeckt. Auch die Violinsonaten sind wichtige Beiträge zur Gattung und absolut hörenswert, insbesondere in diesen engagierten Interpretation.

Für Johann Wilhelm Wilms (1772-1847) fühlte sich lange Zeit keiner so recht zuständig; das mag schon allein daran liegen, dass der in Witzhelden bei Köln geborene Komponist seine Heimat früh verließ, um sich dauerhaft in Amsterdam niederzulassen – für die Deutschen ist er damit ein Niederländer, für die Niederländer hingegen blieb er ein Deutscher. Zu Lebzeiten genoss Wilms in seiner niederländischen Wahlheimat größtes Ansehen, konnte bei dem Wettbewerb um ein so nationales Gut wie die Landeshymne sogar den Sieg erringen. Wilms’ Kompositionen, unter denen sieben Sinfonien herausragen, verraten Einflüsse der Wiener Klassik, insbesondere des sehr geschätzten Mozart, aber auch von Haydn und (etwas weniger) Beethoven. Anderes hingegen verweist bereits voraus in die Zeit der Romantik. Die beiden Violinsonaten lassen die Vorbilder Mozart und Haydn deutlich erkennen, wirken aber dennoch eigenständig. So verwundert auch nicht, dass ein damaliger Rezensent schrieb, der Komponist habe Mozart bei der Arbeit ganz gewiss im Herzen gehabt. Zu erwähnen wäre, dass der besagte Rezensent die Sonaten als gleichwertig zu Mozart erachtete – ein Eindruck, der durch die hier zur Besprechung gelangenden Aufnahme nicht widerlegt wird: eindrucksvolle Werbung für ein unbekanntes Repertoire, das dringendst weiter zu erforschen und bekannt zu machen wäre.

Junge Interpreten

Die Aufnahme der Violinsonaten E-Dur op. 11 und B-Dur op. 29, die durch ein Klaviertrio C-Dur o.op. ergänzt wird, erschien beim Label Ars Produktion auf hybrider SACD. Erarbeitet wurden die Werke von den jungen Instrumentalisten Werner von Schnitzler (Violine) und Cosmin Boeru (Klavier); im Trio ist zusätzlich der Cellist Jakub Tylman zu hören. Aufgenommen wurde 2009 in der Wuppertaler Immanuelskirche; vielleicht war es der Hall des Kirchenraums, der die Techniker dazu motivierte, die Musiker sehr direkt aufzunehmen. Auf diese Weise bekommt man ein sehr klares und präzises Klangbild, das jedoch auch so manches Detail (in erster Linie sind hier Atemgeräusche zu nennen) deutlich abbildet. Im Mehrkanalverfahren abgespielt, lässt sich kein nennenswerter räumlicher Eindruck feststellen; unterm Strich ist der sehr transparente und detailscharfe Klang der Aufnahme aber als positiv zu bewerten. Die Interpreten überzeugen durch ihr engagiertes wie beseeltes Spiel sowie eine durchdachte Darbietung. Perfekt versteht es Boeru, sich immer dann vornehm zurückzuhalten, wenn die Violine zugange ist, ohne deshalb auch in der musikalischen Gestaltung nachzulassen. Sein recht weicher Ton und delikater Anschlag passen bestens zu Wilms’ Musik. Werner von Schnitzler gefällt durch den gesanglichen Ton seiner Violine sowie durch das sehr große Spektrum in den Bereichen Dynamik und Ausdruck. In der Höhe könnte der Ton etwas zarter und silbriger sein (womöglich aber der direkten Aufnahme anzulasten), die Intonation stimmt nicht immer ganz (auch im Zusammenspiel mit Jakub Tylman), und an einigen wenigen Stellen ließe sich sicher noch deutlicher artikulieren; im ersten Satz der ersten Sonate fällt eine Tendenz des Verschmierens auf. Das sind aber marginale Dinge, die lediglich dann kaufentscheidend werden können, wenn eine Zusammenstellung von Standardrepertoire zum x-ten Male eingespielt wird. Im vorliegenden Falle kann man sich an den wirklich gewichtigen und hochinteressanten Violinsonaten (das Klaviertrio fällt als eher hausbackenes Frühwerk dagegen etwas ab) erfreuen. Ein lesenswerter Text führt in die Musik ein; die ansprechende Gestaltung rundet das erfreuliche Gesamtbild ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Wilms, Johann Wilhelm: Violinsonaten op. 11 & 29

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
10.05.2010
Medium:
EAN:

SACD
4260052380604


Cover vergössern

Wilms, Johann Wilhelm
 - Sonate für Klavier und Violine E-Dur op. 11 - Allegro
 - Sonate für Klavier und Violine E-Dur op. 11 - Adagio
 - Sonate für Klavier und Violine E-Dur op. 11 - Rondo Allegro
 - Sonate für Klavier und Violine B-Dur op. 29 - Allegro
 - Sonate für Klavier und Violine B-Dur op. 29 - Poco Adagio
 - Sonate für Klavier und Violine B-Dur op. 29 - Rondo Allegro
 - Klaviertrio in C-Dur - Allegro
 - Klaviertrio in C-Dur - Un Poco Adagio
 - Klaviertrio in C-Dur - Rondo Allegro


Cover vergössern

Interpret(en):Schnitzler, Werner von
Tylman, Jakub
Boeru, Cosmin


Cover vergössern

ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ARS Produktion:

  • Zur Kritik... Ungleicher Fokus: Aufnahmetechnische Probleme beeinträchtigen die vorliegende Kammermusik-CD empfindlich. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wallenstein erobert den Konzertsaal: Das Sinfonieorchester Liechtenstein entdeckt eine spannende Tondichtung des Nationalkomponisten Josef Gabriel Rheinberger. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Einblick in die kompositorische Seele: Mit seiner bis ins kleinste Detail ausgefeilten und sowohl pianistisch als auch inhaltlich überzeugenden Interpretation gewährt Yunus Kaya dem Zuhörer auf meisterhafte Weise einen Einblick in das anspruchsvolle Herzstück von Brahms' Klavierwerk. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von ARS Produktion...

Weitere CD-Besprechungen von Christian Vitalis:

  • Zur Kritik... Bretonische Legende auf der Opernbühne: Ordentliche Aufnahme aus Liège der heute recht unbekannten Oper 'Le Roi d'Ys' von Édouard Lalo. Zwar nicht Referenzklasse-Niveau, angesichts der geringen Auswahl aber dennoch empfehlenswert, sofern man sich für die Oper interessiert. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Homogener als erwartet: Eine Gegenüberstellung von Orgelwerken finnischer Komponisten und solchen von J. S. Bach und Buxtehude bietet Kari Vuola mit dieser Platte. Faktisch fallen die im Titel versprochenen Kontraste geringer aus als erwartet. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Stille und Einkehr: Es sind hier drei Konzertstücke zu hören, deren Entdeckung eine lohnende Bereicherung ist. Der Japaner Toshio Hosokawa versteht sich auf Musik an der Grenze zur Stille. Gelungene Interpretationen aus Luxemburg. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
blättern

Alle Kritiken von Christian Vitalis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Bach mit Herz und Seele: Claire Huangci empfiehlt sich mit ihrem neuen Album für weitere Bach-Aufgaben. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Nebenschauplatz: Als Klavierkomponist hat Edward Gregson nur bedingt nachhaltige Bedeutung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Brahms ohne Schrei – aber als Trost im Lockdown: Emmanuel Despax realisiert mit engen Vertrauten seinen Jugendtraum, Brahms' 1. Klavierkonzert aufzunehmen. Und liefert eine im Lockdown entstandene Interpretation von 16 vierhändigen Walzern mit Ehefrau Miho Kawashima hinterher. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich