> > > Karita Mattila singt: Lieder & Arien von Wagner, Dvorak, Bernstein u.a
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Karita Mattila singt - Lieder & Arien von Wagner, Dvorak, Bernstein u.a

'Call me irresistible'


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Repräsentativ für ihre Karriere ist die CD nicht, dafür lernt der Hörer Karita Mattilas Vielseitigkeit zweifelsohne kennen.

Die finnische Sopranistin Karita Mattila, die seit Neuestem als Tosca in New York und München ihr Publikum mit dem Zauber ihrer Kunst umgarnt, ist seit vielen Jahren eine seriöse und anhaltende Größe im internationalen Opernbetrieb, und sie scheint keinen Tag älter oder vorsichtiger zu werden. Die klug geplante Karriere führte sie Ende der 1980er Jahre von Mozarts Fiordiligi, Figaro-Gräfin und Donna Elvira zur Agathe, Chrysothemis, Elsa, später zu Tschaikowskys Tatjana und Lisa, zur Jenufa, Fidelio-Leonore, Arabella, einer vielbeachteten Salome, parallel über diverse Verdi-Partien und zur aktuellen Tosca. Nach diesen unterschiedlichen Rollen könnte eine Stimme abgenutzt, farblos und angestrengt klingen, Karita Mattila beweist dennoch das Gegenteil. Mit einer stets lyrischen Grundhaltung nähert sie sich auch den ‚großen Brocken‘ mit der notwendigen Kontrolliertheit und verblüfft umso öfter mit ihrer metallischen Strahlkraft, die ihren tonschönen Sopran mühelos über große Ensembles trägt.

Von Mozart bis Strauss ist der Mattila nichts fremd – im vergangenen März hat sie Kaija Saariahos für sie komponierte Oper 'Emilie‘ uraufgeführt – und so verwundert die bunte stilistische Mischung auf der beim Label Ondine erschienen Sampler-CD ‚The irresistible Karita Mattila‘ nicht im Geringsten. Repräsentativ für ihre Karriere ist die CD nicht, dafür sind zu wenig Opernpartien enthalten, aber der Hörer lernt Mattilas Vielseitigkeit zweifelsohne kennen. Zwölf der vierzehn Nummern sind bereits auf anderen Mattila-CDs erschienen, fungieren hier quasi als Best-of, und die beiden letzten Nummern werden als bisher unveröffentlicht angepriesen. Zumindest ein kleiner Anreiz für Mattila-Fans, sich die CD mit bereits Altbekanntem zu kaufen. Dennoch, die Zusammenstellung ist gelungen, das Faszinosum Mattila ist bestens nachzuvollziehen, und unterhaltsam ist die CD allemal – auch für Nicht-Opern-Gänger.

Die vier eröffnenden Opernarien sind ein großartiges Beispiel für die solide Technik und enorme Wandlungsfähigkeit von Karita Mattila. Die strahlend schön gesungene Hallenarie aus Wagners 'Tannhäuser‘ wird dicht gefolgt vom zarten Mondlied der Rusalka aus Dvoráks gleichnamiger Oper. Die Stimme klingt natürlich und gesund, aus einem Guss, und bei Mattilas üppiger Mittellage überrascht immer wieder die Leichtigkeit, mit der sie sich in die Höhe schwingt, um flirrende Piani oder flutende Höhenlichter zu setzen. Äußerst überzeugend gelingen auch Aidas ‘Ritorna vincitor’ und Toscas ‘Vissi d’arte’, wobei hier die brustige Tiefe manchmal als Effekthascherei störend wirken kann.

Strahlende Wärme und intimer Klang kommen danach allerdings in Sibelius‘ ‘Flickan kom ifran sin älsklings möte’ besonders zur Geltung. Diese fünf Aufnahmen stammen aus einem Live-Konzert in Helsinki, ein genaues Datum oder gar eine Jahreszahl sind nicht angegeben. Ob es sich bei diesen Arien nun um die junge Mattila oder um zeitnahe Aufnahmen handelt, bleibt vorerst ein Geheimnis. Ein Umstand, der bei dieser Veröffentlichung ohnehin störend auffällt: Ein Booklet mit Informationen zur Künstlerin ist nicht vorhanden, das eingelegte Faltblatt hält einzig die Titel der Nummern mit Orchester und Dirigenten bereit, aber keine Hinweise auf die Aufnahmejahre – und gerade die wären bei einer solchen Karriere zur kritischen Betrachtung hilfreich gewesen. Das fällt umso mehr ins Gewicht, als die letzten drei Titel plötzlich mit ‚live at Tampere Hall, Finland, 8/2007‘ ausgewiesen werden.

Der herrliche Sopran von Karita Mattila kommt noch einmal in der Vocalise ‘Myrskyluodon Maija’ von Lasse Martenson zur Geltung, bevor sich die Künstlerin in die Region des Musicals und des Jazz begibt. Ob sie sich mit Musicalnummern wie ‘Don’t cry for me Argentina’ und ‘I could have danced all night’ einen großen Gefallen getan hat, bleibt fraglich, es klingt eben wie eine Opernsängerin im falschen Fach, aber Karita Mattila hat hörbare Freude an dieser Musik. Besser klingen da schon Bernsteins ‘Somewhere’, an dem sich Sängerinnen schon weitaus unerträglicher probiert haben, und der Dauerbrenner ‘Over the rainbow’. Wirklich spannend wird es aber gegen Ende, wenn Karita Mattila mit ‘Smoke gets in your eyes’ und ‘Round midnight’ ein bisher völlig unbekanntes Register, fernab ihres runden Soprantons, zieht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Karita Mattila singt: Lieder & Arien von Wagner, Dvorak, Bernstein u.a

Label:
Anzahl Medien:
Ondine
1
Medium:
EAN:

CD
761195117125


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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