> > > López López, José Manuel: Violin- und Klavierkonzert
Sonntag, 20. Oktober 2019

López López, José Manuel - Violin- und Klavierkonzert

Unerhörte Klänge


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In drei faszinierenden Werken geht der Spanier José Manuel López López der Frage nach, wie man als Komponist der Gegenwart weiterhin die Gattung des Konzerts pflegen kann.

Für den traditionell orientierten Hörer – jenen also, dessen Vorlieben sich vorwiegend im Repertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts finden –, mag die Frage irrelevant sein, die der Spanier José Manuel López López (*1956) über seine Beschäftigung mit der rund 350 Jahre alten Gattung des Konzerts gestellt hat: Wie, so der Komponist, kann man heute entsprechende Werke schreiben, ohne in das totalitäre Klischee vom privilegierten Solisten als Gegenüber zu einem in sich geschlossenen Orchesterkollektiv zu verfallen? Anders formuliert: Wie lässt sich das Problem eines sinnvollen Miteinanders lösen, wenn man die Entwicklungen im kompositorischen Umgang mit dem Klang und die damit für alle Musiker maßgeblichen Steigerungen spieltechnischer Anforderungen berücksichtigt? Eine Antwort darauf gibt diese faszinierende Produktion des österreichischen Labels Kairos, die mit dem 'Concierto para violín y orquesta' (1995), den 'Movimientos para dos pianos y orquesta' (1998) und dem 'Concierto para piano y orquesta' (2005) drei sehr unterschiedliche Zugangsweisen zum genannten Problem vorstellt.

Es ist vor allem der ungewöhnliche Zugang zum Klang, in jedem der drei Werke auf andere Weise realisiert und von der exzellenten Tontechnik bestens unterstützt, der den Hörer aufmerken lässt. Als Dirigent das Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin setzt Johannes Kalitzke alles daran, Transparenz und Leuchtkraft der Partituren von López López akribisch nachzuzeichnen, ohne indes die immense Virtuosität der Orchesterbehandlung zu vernachlässigen. Durch seinen Zugriff bekommen die einzelnen Werke – trotz unverkennbar gemeinsamer Handschrift – ein jeweils eigenes Profil, das durch die Leistungen der Solisten zusätzlich unterstrichen wird. Da ist etwa der Geiger Ernst Kovacic, der den Solopart des Violinkonzerts mit einer luziden, vielfach in sich abgestuften Farblichkeit gestaltet und dabei immer auf eine organische klangliche Verschmelzung mit den Klang- und Geräuschwertigkeiten des Orchesters bedacht ist. Wie zentral dabei bei der Umsetzung der Werke die instrumentale Balance ist, erfährt man in den rhythmisch geprägten Texturen des Doppelkonzerts, in denen die beiden Pianisten Alberto Rosado und Juan Carlos Garvayo mit spielerisch anmutender Leichtigkeit zugleich als Anreger wie auch als Klang- und Resonanzräume des musikalischen Geschehens agieren.

Und wahrhaft unerhört gerät schließlich auch das Klavierkonzert, in dem noch einmal Alberto Rosado den Solopart übernimmt – ein Werk, das unter den drei hier versammelten Kompositionen durch den vielleicht ungewöhnlichsten Zugang zum Klang besticht. Allein schon der Beginn entfaltet sich als höchst suggestives, in seinen einzelnen Bestandteilen kaum greifbares Gebilde: Wie sich hier in trockenen Anschlägen die präparierten höchsten Saiten des Soloinstruments mit den perkussiven Aktionen (Bogen auf Holz) der Streichinstrumente zu einer Klanglichkeit von fast elektronisch anmutender Wirkung vereinigen, zu der dann – in kontrastierenden Registern – nacheinander das Schlagzeug und die Blechbläser hinzutreten, danach wiederum abgelöst von extrem tiefen Klaviertönen und Klangflächen, aus denen Akzentuierungen metallisch hervorstechen, lässt sich in seiner Wirkung eigentlich nicht in Worten wiedergeben. Hier hilft in der Tat nur hören und staunen. Für den Liebhaber zeitgenössischen Musikschaffens tut sich mit dieser CD eine mehr als lohnende Fundgrube auf, die den Blick zu Recht auf einen bei uns viel zu wenig bekannten Komponisten lenkt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    López López, José Manuel: Violin- und Klavierkonzert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
21.05.2010
Medium:
EAN:

CD
9120010281594


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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