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Montag, 19. August 2019

Feo, Francesco - Passio secundum Joannem

Ausdrucksstarke Johannespassion


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine erfreuliche Neuentdeckung und ausdrucksstarke Einspielung einer vergessenen Passion aus der Neapolitanischen Schule.

Francesco Feo (1691-1761) war neben Alessandro Scarlatti, Dominico Cimarosa und Giovanni Battista Pergolesi einer der großen Komponisten der Neapolitanischen Schule des 18. Jahrhunderts. Feo wurde zu Lebzeiten vor allem durch sein Opernschaffen europaweit berühmt, ist heute aber mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Als Weltersteinspielung liegt nun seine Johannespassion von 1744 vor. Der Cembalist, Organist und Musikwissenschaftler Lorenzo Ghielmi entdeckte das Autograph in der Bibioteca dei Flippini in Neapel und hat es mit dem 2005 von ihm gegründeten, auch in dieser Aufnahme exzellenten Ensemble La Divina Armonia eingespielt. Herausgekommen ist eine ganz herausragende Produktion.

Bei dieser CD überrascht und erfreut schon das aufwendig gearbeitete Booklet: Ein Hardcoverband mit einer kurzen, aber substantiellen Einführung in Francesco Feos Werk, der lateinische Text der Passion mit parallel zu lesenden, mit großer Schrift gedruckten Übersetzungen ins Deutsche, Italienische, Englische (im Anhang findet sich auch eine französische Übersetzung) und immer wieder doppelseitigen, sehr kunstvollen Fotografien der berühmten Kreuzwegstationen am Savro Monte di Varese in der Lombardei. Schon das Booklet lädt zur Ruhe und Betrachtung ein.

Anders als die Johannespassion von Johannes Sebastian Bach beschränkt sich die gut einstündige Passion Francesco Feos auf die Vertonung der damals gängigen lateinischen Übersetzung des griechischen Evangelientextes, der allerdings entsprechend den verschiedenen handelnden Personen und Atmosphären abwechslungsreich und ausdrucksstark vertont worden ist. Die meist rezitativischen Passagen des Erzählers wechseln sich mit orchesterbegleiteten Ariosi, Chorsätzen und einigen wenigen Orchesterzwischenspielen ab. An drei markanten Stellen hat Ghielmi kurze Arien eingefügt, die eine persönliche Reflexion auf das Geschehen zum Ausdruck bringen und von der Mezzosopranistin Barbara Schmidt-Gaden mit voller, warmer Stimme gesungen werden.

Die technisch anspruchsvolle und teilweise virtuose Partie des Evangelisten, ursprünglich für einen Kastraten geschrieben, wird in der vorliegenden Aufnahme von dem Falsettisten Doron Schleifer mit klarer, heller Stimme und starkem, aber unpathetischem Ausdruck gesungen. Von seinen vielfältigen stimmlichen Gestaltungsmöglichkeiten lebt die Aufnahme ebenso wie von der ausgesprochen einfallsreichen Continuo-Begleitung nur mit Cembalo (das von Ghielmi selbst gespielt wird), einer kleinen Orgel und einer Harfe. Die Jesusworte werden von dem Tenor Krystian Adam, die Partie des Pilatus von Mirko Guadagnini angemessen gesungen. Einzig irritierend bei dieser Aufnahme ist die Aufnahmetechnik in den Chorpassagen, denn der Chor klingt gegenüber den Solisten und dem Orchester manchmal etwas stumpf und zu sehr in den Hintergrund geschoben. Dennoch bleibt als Fazit: Dem belgischen Label Passacaille, auf Alte Musik spezialisiert, ist ein großer Wurf gelungen!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Feo, Francesco: Passio secundum Joannem

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Passacaille
1
01.03.2010
Medium:
EAN:

CD
5425004849649


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Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


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