> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Violinkonzerte Nr. 3 - 5
Dienstag, 14. Juli 2020

Mozart, Wolfgang Amadeus - Violinkonzerte Nr. 3 - 5

Manieriert


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Einspielung der Mozartschen Violinkonzert Nr. 3 bis 5 mit Thomas Irnberger bietet zu viel Gewolltes, um überzeugen zu können.

Die fünf Violinkonzerte von Mozart sind ein ganz besonderer Schatz der Violinmusikliteratur. Daran misst sich beinahe jeder Spieler. Hier trennt sich auf engstem Raum (weil die Differenzen zwangsläufig minimal sind) die Spreu vom Weizen. Der 25-jährige österreichische Geiger Thomas Albertus Irnberger stellt jetzt seine Version der letzten drei Konzerte beim Label Gramola vor. Vordergründig geht hier alles runter ‚wie Öl‘ – um ein Mozart-Briefzitat zu verwenden –, dennoch beschleichen den Hörer beim mehrmaligen Hören der CD Zweifel.

Im G-Dur-Konzert KV 216 fällt eine Artikulation auf, die eher der Selbstdarstellung des Interpreten dient als der Musik. Unwillkürlich spielt der Österreicher manche Noten sehr kurz, andere dehnt er über Gebühr. Das wirkt nicht unbedingt musikalisch motiviert – und damit manieriert. Dazu gesellt sich ein mitunter unmodern schwerfälliger Sound beim 2004 gegründeten Orchester Spirit of Europe (Melk a. d. Donau). Beispielsweise in der Einleitung zum A-Dur-Violinkonzert KV 219: Es dröhnt hier nicht nur passagenweise zu massiv; auch der Solist findet keine durchgehende Linie. Das 'Adagio' gefällt da noch am besten, weil die Melodie in schönen Bahnen fließt. Das 'Rondeau. Allegro' nimmt der Geiger in nicht zu raschem Tempo. So bleibt ihm genügend Zeit, um Hintergründe aufzuspüren. Seinen Ton mischt der Interpret dabei aus Salzburger Deftigkeit und Wiener Charme. Gefällig ist hier der Mittelteil, dessen Eingang ebenso wie alle Kadenzen von Paul Badura-Skoda stammt, die aber dem Werk nicht unbedingt guttun. Irnberger puzzelt leider auch im 'Allegro' des D-Dur-Konzertes KV 218. Zu manieriert phrasiert stellt seine Interpretation keine homogene, konsequente Lesart dar. Hier sucht jemand noch – auf hohem Niveau versteht sich – nach Verbindlichkeit. Zu grüblerisch und manchmal mit zu wenig Tatendrang kommt die Musik daher: Irisierendes, Lebendiges, Unwiderstehliches fehlt in dieser Aufnahme.

Das A-Dur-Konzert zählt zu den Werken der Literatur schlechthin. Nahezu jedes Orchesterprobespiel und unzählige Violinwettbewerbe fordern es ein. Es ist ein wertvolles, vom Publikum geschätztes Musikstück. Dementsprechend lang ist die Liste der herausragenden Interpreten die von A wie Christian Altenburger bis Z wie Frank Peter Zimmermann reicht. Das heißt ebenso: Überzeugender als bisher wird das Konzert kaum mehr zu hören sein, höchstens anders. Weicht diese Andersartigkeit vom imaginären Ideal in Klang, Tempo, Intonation, Geschmack usw. unverhältnismäßig weit ab, ohne dem Werk eine neue homogene Gesamtsicht zu erschließen, tut sich der Interpret damit keinen Gefallen. Der Einstieg in das A-Dur-Konzert des solide spielenden Orchesters Spirit of Europe unter der Leitung von Martin Sieghart ist zu müde, auch in dynamischen Parametern einförmig, der Klang, insbesondere im Bass, wirkt in seiner Schwere unzeitgemäß.

Trotz aller Kritik: Thomas Albertus Irnberger verfügt neben seiner geigerischen Expertise über beachtenswerte musikschriftstellerische Kompetenzen. Er selbst verfasste die absolut lesenswerten Texte zu den Werken. Er offenbart dabei eine weite Kenntnis von Mozarts Werk. Das Booklett (E/D/F) verzichtet zwar – bis auf den Titel – auf farbige Bilder, ist aber ansonsten sehr schön gestaltet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Violinkonzerte Nr. 3 - 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Gramola
2
01.11.2012
Medium:
EAN:

SACD
9003643988903


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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