> > > Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 9 d - Moll op. 125
Montag, 3. August 2020

Beethoven, Ludwig van - Sinfonie Nr. 9 d - Moll op. 125

Aus Klang


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Philippe Herreweghe wird den Erwartungen gerecht: Hier liegt eine konsequent wie eigenwillig musizierte Stellungnahme zum Thema Beethoven vor.

Das Royal Flemish Philharmonic hat Beethovens Neunte Sinfonie eingespielt. Dirigent: Philippe Herreweghe. Pentatone Classics bringt die Aufnahme als SACD auf den Markt. Es handelt sich – kurz gesagt – um einen Herreweghe par excellence. Mancher wird dies bedauern, andere kann’s freuen. Philippe Herreweghe denkt von der Vokalmusik her und neigt zum flächigen Dauerlegato. Der Vergleich mit Herbert von Karajan mag aus vielerlei Gründen verwegen erscheinen – in dieser Hinsicht drängt er sich auf, umso mehr, als der junge, toscanini-enthusiastische Karajan gerade bei Beethoven zügigen Tempi zuneigte. Herreweghe ist noch etwas rascher: Beethovens Neunte dauert in seiner Darstellung eine Stunde. (Unter Furtwänglers und Klemperers Händen konnte dasselbe Stück sich auf weit über siebzig Minuten erstrecken.) Dennoch scheinen nicht wenige Tempoentscheidungen im guten Sinn konventionell, sinnvoll gemäßigt. Der langsame Satz: 'Adagio molto e cantabile' kommt freilich andantehaft schwungvoll daher und fordert einiges Umdenken seitens der Hörer.

Deutlich artikulierende, schroff zuspitzende ‚Klangrede’ nach Art Nikolaus Harnoncourts ist Herreweghes Sache nicht. Auch lässt er recht wenig Neigung erkennen, Phrasen dynamisch zu formen, ‚rhetorische’ Höhepunkte zu akzentuieren. Dies kann – zumal, wenn suboptimale akustische Gegebenheiten hinzutreten – den Eindruck eindimensionalen Fortschnurrens erwecken. Günstigenfalls, so im Scherzo der Neunten, ergeben sich rhythmische Sogwirkungen – trotz konsequenten Verzichts auf jegliche platte Scherzo-Dramatik. In solchen Augenblicken scheint Beethoven auf Bruckner, beinahe auf Minimal Music, vorauszuweisen.

Den Bläsern des Royal Flemish Philharmonic sind Kränze zu flechten. Sie stellen staunenswerte malerische Qualitäten unter Beweis: Thematischen Linien der Streicher werden allerlei Farbtupfer und Klangschleier aufgesetzt. Auch zählt Philippe Herreweghe nicht zur Riege jener Dogmatiker historisierender Aufführungspraxis, denen Vibrato verdammenswert scheint. So können die Streicher humane, vokal anmutende Klangwirkungen schaffen. Das Schlagwerk klingt exakter, knöcherner, auch archaischer als gewohnt – ohne zu lärmen. Dass schieres Streichervolumen und neoromantisches Pathos à la Barenboim und Thielemann bei Herreweghe nicht zu gewärtigen sind, braucht kaum erwähnt zu werden. In grober Verkürzung des Sachverhalts ließe sich sagen, dass Herreweghe diese wie andere seiner Aufführungen ‚aus dem Klang’ zu schöpfen bemüht ist, mit Präferenz für pastellene Farbigkeit. Dies bringt Wirkungen und Nebenwirkungen mit sich. In jedem Fall ist Herreweghes Ansatz aller Ehren und Aufmerksamkeit wert.

Was das – klanglich klar gestaffelte – Sängerquartett betrifft, fällt die ausnehmend deutliche Diktion vorteilhaft auf. David Wilson-Johnson, Brite von Geburt, artikuliert bemerkenswert klar – mit fokussiertem, sicher geführtem Bariton. Auch Christoph Strehl (Tenor) lässt an Deutlichkeit nicht viel zu wünschen übrig. Christiane Oelze (Sopran) und Ingeborg Danz (Mezzosopran) warten – soweit ihre Stimmlage es zulässt – mit klarer Diktion auf, und das Collegium Vocale Gent grundiert das Quartett mit wunderbar homogenem Chorgesang.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 9 d - Moll op. 125

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
1
23.04.2010
Medium:
EAN:

SACD
827949031762


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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