> > > Triosonaten aus der Dresdner Pisendel-Sammlung vol. 2 : Werke von Händel, Torelli, Weiss u.a
Donnerstag, 2. Dezember 2021

Triosonaten aus der Dresdner Pisendel-Sammlung vol. 2 - Werke von Händel, Torelli, Weiss u.a

Gehobene Schätze


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Feine barocke Kammermusik aus der im Dresdner ‚Schranck II‘ überlieferten Pisendel-Sammlung: Die Batzdorfer Hofkapelle mit einer sehr überzeugenden Platte.

Johann Georg Pisendel (1687-1755), am Dresdner Hof Konzertmeister und Musikorganisator, hat im Zuge seiner Arbeit eine umfangreiche Sammlung erlesener Kammermusik angelegt. Etliche der Kompositionen sind nur hier, im fast schon magisch zu nennenden ‚Schranck II‘ überliefert. Die Batzdorfer Hofkapelle hat diesen Schatz aus der Dresdner Hofkirche für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht – und für die vorliegende Platte unter anderem Triosonaten von Torelli, Händel und Porpora ausgewählt.

Das Programm bietet einen tollen Querschnitt durch Triosonaten sehr verschiedener Ausprägung, vom älteren, in vielerlei Hinsicht vorbildhaften Modell Giuseppe Torellis (1658-1709) bis zur eleganten Klangkunst Nicola Porporas (1686-1768). Diese Kompositionen zeigen die von verschiedener Hand belebte Tradition des konzentrierten kammermusikalischen Satzes, schwungvoll und individuell gedeutet. Als besonderes Highlight kann die Arbeit eines anonymen Künstlers gelten: Sie zeigt dieselben Qualitäten wie die anderen, berühmten Kollegen zuzurechnenden Kompositionen und sie konfrontiert den Hörer der Gegenwart mit der Merkwürdigkeit, mit großen Namen der Musikgeschichte verknüpfte Werke unbewusst für gewichtiger zu halten als anonym überlieferte. Diese Praxis können Interessierte an diesem Beispiel prüfen – und gegebenenfalls verwerfen. Gegliedert wird das Programm der Platte durch einzelne Sätze aus der für zwei Lauten bearbeiteten Sonate BWV 1025 von Johann Sebastian Bach, die dieser nach einer Komposition des Dresdner Hoflautenisten Sylvius Leopold Weiss (1686-1750) notiert hatte.

Der feine Strich

Das kleine Ensemble der Batzdorfer Hofkapelle zeigt sich einmal mehr beweglich, spielfreudig, zart und durchsichtig, zugleich in den rascheren Sätzen auch klanglich avanciert und expressiv. Zwischen der Oboe Xenia Löfflers und der Violine Daniel Deuters gibt es eine feine artikulatorische Interaktion, besonders deutlich im 'Andante' der Händel-Sonate. Die von Stefan Maass und Stefan Rath vorgetragenen Weiss/Bach-Sätze bilden einen gelungenen Kontrast in der Abfolge des Programms und sind ausgeprägte Ruhepole in der kammermusikalischen Bewegtheit.

Vor allem formt die Kammerformation klare, tempobasierte Satzcharaktere mit deutlichen Konturen, die sehr bewusst und nuanciert phrasiert werden. Dynamisch sind naturgemäß die gesammelten Bereiche stärker repräsentiert, verbunden mit fabelhafter Intonation. Der Klang ist sehr plastisch, klar und geordnet. Die kleine Besetzung wird angemessen transparent abgebildet.

Insgesamt ein starkes Plädoyer für die oft nicht bekannten, weil ungedruckten Arbeiten, die Pisendel in unermüdlicher Tätigkeit zusammengetragen und damit für die Nachwelt bewahrt hat. Es handelt sich sämtlich um erstrangige Kompositionen, die den ‚Schranck II‘ einmal mehr in seiner Bedeutung als Schatztruhe barocker Kammermusik aufscheinen lassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Triosonaten aus der Dresdner Pisendel-Sammlung vol. 2 : Werke von Händel, Torelli, Weiss u.a

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
01.03.2010
Medium:
EAN:

CD
4015023242227


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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