> > > Rachmaninoff, Sergei: Klavierkonzert Nr. 3 d - Moll op. 30
Dienstag, 21. September 2021

Rachmaninoff, Sergei - Klavierkonzert Nr. 3 d - Moll op. 30

Ein Elefantenbrocken


Label/Verlag: Mariinsky
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie ein Hexenmeister rückt Denis Matsuev dem ‚Elefanten-Brocken‘ zu Leibe. Valery Gergiev besorgt mit den Mariinsky Team einen wohl kalkulierten Klangrausch, der das Orchester und den Solisten in den mächtig auftrumpfenden Schluss hinein taumeln lässt.

Wer fürchtet sich vor Sergeij Rachmaninows Drittem Klavierkonzert? Denis Matsuev jedenfalls scheint keine Scheu vor diesem ‚Elefanten-Brocken‘ zu haben, den er wie ein Hexenmeister bezwingt. In der Tat: Klavieristisch derart Haariges und Widerborstiges wurde selten komponiert. Als künstlerischem Leiter der Stiftung Sergeij Rachmaninow wurde ihm die Ehre zuteil, die unveröffentlichten Werke des Komponisten aufzuführen. Von großer Rachmaninow-Verehrung kündet eine CD mit Raritäten, die Matsuev auf dem Flügel des Komponisten einspielte. Welch fulminante Treffsicherheit, welch eminente Gestaltungskraft führt Matsuev im Dritten Klavierkonzert vor. Da käme doch niemand auf die Idee, über die physischen Torturen nachzudenken.

Meisterlich gelingt der Beginn: Wie aus dem Nichts öffnet sich der melodische Kern bei herrlich abgetöntem Spiel, getragen von einer nervös-fiebrigen Stimmung. Schlüssig gelingt der Aufbau der pompösen Architektur. Die Steigerungsperioden leuchten im schwelgerisch-rhapsodischen Glanz. Matsuevs Sprungbereitschaft, die spontan einsetzende melodische Ziselierungsarbeit – all das sind Kriterien einer bedeutenden Meisterschaft. Und der kalkulierte Klangrausch geht unter die Haut, weil Matsuev den ganzen Rachmaninow vorführt. Er hat das untrügliche Gespür für die mondäne Tragik dieser zwielichtigen Musik, aber auch für die schweifend-sensitive Lyrik, die er feinfühlig mit fabelhafter Anschlagskultur vorführt. So entsteht eine trefflich ausbalancierte Mischung aus lyrischer Natur und rhythmisch scharf akzentuierten Steigerungsperioden.

Dynamisch konsequent aus Fortissimo und dreifachem Forte gebaut, fallen die Akkorde wie die Fallbeile. In den Konturen geschärft, aggressiv in den stampfenden Bässen, kündigt sich das auf ausladende Kraftentfaltung angelegte Finale an. Wie sich hier die Akkordtreppen in den Diskant aufschwingen, wie Zweiunddreißigstel-Sequenzen tönen, wie das hochvirtuose Geschehen bis zur Schlusskadenz vorangepeitscht wird, macht Staunen.

Das Mariinsky Orchestra assistiert mit dem temperamentvoll zupackenden Valery Gergiev geschmeidig genug, um der orgiastischen Hatz auf Tasten Paroli zu bieten. Ein wenig dick trumpft der Schluss schon auf. Dafür intonieren die Bläser nach der Kadenz im ersten Satz überaus gesangvoll. Die Zugabe fördert eine musikalische Goldmine zutage: die 'Rhapsodie über eine Thema von Paganini' op. 43, die Matsuev fulminant auslotet: in den lyrischen Abschnitten klangfarblich fein nuanciert, die Kantilenen sensibel aussingend und rhythmisch pulsierend in den Dialogen mit dem Orchester. Technisch brillant perlen die Läufe. Die mehrkanalige Einspielung (SACD) garantiert Transparenz im kompositorischen Gefüge, so dass sich auch das räumliche Ambiente in der Mariinsky Concert Hall in St. Petersburg plastisch mitteilt. Ein Wermutstropfen fällt allerdings auf das Booklet: Nur unter Zuhilfenahme einer Lupe lassen sich die einführenden Texte (russisch, englisch, deutsch) erschließen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Prof. Egon Bezold,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergei: Klavierkonzert Nr. 3 d - Moll op. 30

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Mariinsky
1
01.02.2010
Medium:
EAN:

SACD
822231850526


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Mariinsky

Das Mariinsky-Theater gehört zu den renommiertesten Opernhäusern der Welt. Zu Sowjetzeiten in Kirow Theater unbenannt, trägt es seit 1992 wieder seinen ursprünglichen Namen. Seit 1996 ist Valery Gergiev dem Haus als künstlerischer Leiter und Intendant verbunden. Auf dem hauseigenen Label werden die herausragende künstlerische Leistung dieses traditionsreichen Hauses dokumentiert. Das Repertoire umfasst neben Oper auch das große symphonische und konzertante Repertoire des 19. und 20. Jahrhunderts.


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