> > > Beethoven, Ludwig van: Sinfonien Nr. 3 & 4
Donnerstag, 23. Januar 2020

Beethoven, Ludwig van - Sinfonien Nr. 3 & 4

Frischer Atem


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch die hundertste ?Eroica? kann Frische und Leichtigkeit atmen.

Die Frage, ob weitere Beethoven-Zyklen – angesichts Dutzender marktgängiger Gesamt- und Einzeleinspielungen – ‚gerechtfertigt’ sind, scheint überflüssiger als besagte Einspielungen selbst. Das audiophile Label Tacet hat nun unverdrossen einen weiteren Zyklus der neun Sinfonien in Angriff genommen. Hier liegen die Nummern drei und vier vor, im SACD-Format. Andreas Spreer, Produzent seines Zeichens, ist bemüht, die Notwendigkeit der Neuaufnahmen herauszustreichen. So heißt es im Booklet: ‚Die Sonderstellung dieser Beethoven-Aufnahmen kommt einerseits also durch die verschiedenen […] Aspekte der Aufnahmetechnik zustande; andererseits durch die musikantische und geistreiche Interpretation. […] Wojciech Rajski und die Polnische Kammerphilharmonie zeigen, dass sie ‚ganz vorne’ mitspielen.‘ Was die aufnahmetechnische Seite betrifft, mag man Spreer Recht geben: Die hauseigenen Aufnahmeprinzipien scheinen in puncto räumliche Staffelung außergewöhnlich genug und garantieren – auch bei konventionellem Gebrauch als CD – ein überraschendes Maß von räumlicher Weite und Tiefe. ‚’Das kenne ich schon’ gilt bei dieser Art der Aufnahme eben nicht‘, schreibt Spreer mit berechtigtem Stolz. Dass mancher Hörer konservativen Geschmacks von solcher Prägnanz auch der Mittelstimmen überfordert sein wird, steht auf einem anderen Blatt.

Ein Landsmann Rajskis, Stanisław Skrowaczewski, hat jüngst mit Saarbrückens Radiosinfonikern einen ähnlich gelagerten – aufnahmetechnisch vergleichsweise unspektakulären – Beethovenzyklus herausgebracht. Beide Dirigenten pflegen einen zupackenden, dramatisierenden Gestus mit zügigen, stetigen Tempi, die agogischer Manipulationen entraten, mit verhaltenem Vibrato und genauer Artikulation, prononcierten Bläsern und liebevoller Zuwendung zu instrumentalen Details. Vielleicht scheint Rajskis Musizieren eine Spur spontaner und frischer. Spreers Aufnahmetechnik jedenfalls erzeugt eine Würze und Farbigkeit, die im direkten Vergleich den Ausschlag zugunsten der Tacet-Version gibt. Bei beiden Dirigenten überrascht die enorme Aufgeschlossenheit für jüngere stilkritische Erkenntnisse der ‚Historischen Aufführungspraxis’: Mit über sechzig Jahren gehört Wojciech Rajski nicht zu den Jüngsten, und Skrowaczewski geht auf die neunzig zu.

Ein bedeutender Vorzug Rajskis ist darin zu sehen, dass ihm die Ausdrucksaskese nicht weniger zeitgenössischer Beethoven-Interpreten, die Pathos um jeden Preis meiden wollen, allem Anschein nach fremd bleibt. Heldenpose und Kreuzwegsgehabe werden sich bei Rajski nicht finden, wohl aber lebhafte, kraftvolle Emphase. Nichts scheint hier anämisch oder steril. Ein treffliches Beispiel bietet das ‚Eroica’-Finale: Hier gibt es kein ‚Durch Nacht zum Licht’, doch unerbittlich durchgehaltene Tempi schaffen einen finalen Sog, der den Hörer im besten Sinne erschöpft – und beeindruckt – zurücklässt.

Zum Schluss eine Warnung, dem Booklet entnommen: ‚Haben Sie einen SACD Spieler und eine Surround Anlage im Auto? Dann sollten sie sich gut anschnallen. Denn in vielen PKW kommen die Vorzüge unserer SACDs voll zur Geltung. Achtung: Für Unfälle, die Sie verursachen könnten, weil Sie zu fasziniert gelauscht haben, übernehmen wir keine Haftung‘.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sinfonien Nr. 3 & 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
11.02.2010
Medium:
EAN:

SACD
4009850017141


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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