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Montag, 16. September 2019

Tschaikowski - Streichquartette - Klenke Quartett

Kostbarer Schatz


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Einspielung des Klenke Quartetts umfasst beinahe das gesamte kammermusikalische Œuvre Tschaikowskys und lässt den Hörer tief in die expressive Welt seiner Streichquartette eintauchen.

Kammermusik nimmt im Vergleich zu Orchester nur einen kleinen Raum in Tschaikowskys kompositorischem Schaffen ein. Sein Kammermusikdebüt (mit dem Streichquartettsatz B-Dur) erfolgte noch während seiner Studienzeit im Jahr 1865; das Quartett bekam keine Opuszahl. Zur Gattung des Streichquartettes kehrte der Komponist erst 1871 wieder zurück. In der Periode von 1871 bis 1875 schrieb er die nächsten drei Quartette. Das Quartett Nr. 1 op. 11 wurde schnell beliebt und bekannt, besonders sein zweiter Satz 'Andante cantabile', der auf einem russischen Volkslied basiert. Im zweiten Streichquartett erkennt man auch volkstümliche musikalische Züge. Eine traurige Begebenheit veranlasste die Entstehung des dritten Quartettes: der Tod des Geigers und guten Freundes Ferdinand Laub. Das letzte kammermusikalische Werk, das Streichsextett d-Moll 'Souvenir de Florence', wurde Ende der 1880er Jahre geschrieben und gehört zu den späteren Werken des Komponisten. Auch hier hört man volkstümliche Melodien, sowohl russische als auch italienisch inspirierte.

Ebenso schwungvoll wie schlüssig ist die Interpretation des Streichquartetts Nr. 1. Das Klenke Quartett wählt stimmige Tempi und entwickelt die melodischen Linien sehr klar. Im ersten Satz ('Moderato e semplice') schafft das Ensemble einen agogisch und dynamisch sehr feinfühlig gestalteten Übergang vom ersten, lyrischen zum zweiten, zügellosen und feurigen Thema. Im zweiten Satz erlebt man die ganze Palette des Streichklanges, von der dunklen Wärme der tiefen Saiten bis zum zärtlichen Auflösen in den hohen Lagen. Der dritte Satz 'Scherzo' klingt insgesamt energisch und schön artikuliert. Leider verleiht die Abschlussphrase des Cellos dem Satz eine unnötige Wucht, auch am Satzende.

Im Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 22 hat der langsame dritte Satz ('Andante') besonderes dramatisches Gewicht. Der Satz hat eine dreiteilige Gliederung mit vehementen Rahmenteilen und einem heiteren Mittelabschnitt, den das Klenke Quartett wunderbar lyrisch angeht. Die Eckteile könnten jedoch noch stärkeres dramatisches Potential entwickeln. Trotzdem schafft es das Quartett, einen großen, dramaturgisch schlüssigen Bogen zu schlagen. Das Finale ist sehr gut getroffen. Die glücklich gewählten Tempi, die im Laufe des Satzes mehrmals wechseln, der sehr klare und trotz der musikalischen Dichte transparente Fugen-Abschnitt, die aufrauschende Coda – jedes Element wirkt ausgefeilt und präzise in den Ablauf eingebettet.

Das dritte Quartett klingt in der Aufführung des Klenke Quartetts zuweilen eindringlich, zuweilen leidenschaftlich oder auch zärtlich. Sie wird etwa im ersten Satz das Hauptthema mit unterschiedlichen Färbungen versehen. Im zweiten Satz ('Allegretto scherzando') dominiert ‚piano‘ als Dynamikbezeichnung, was von dem Ensemble leider vernachlässigt wird. Außerdem erscheinen in diesem Umfeld die Sforzandi zu massiv; dadurch verliert der Satz seine leichte Anmut teilweise. Das 'Andante con sordino' verkörpert den expressiven Schwerpunkt des Stücks. Der gedämpfte Klang der Streicher lässt an eine vor Trauer heisere Stimme denken. Schmerzlich schön klingt der mittlere, heitere Teil; er erreicht einen intensiven Hochpunkt, an dem das Anfangsthema gleichzeitig mit dem mittleren Thema erklingt. Das Satzende hellt das Klenke Quartett mit auffallend starken Lichtstrahlen. Zwei Abschnitte, die rezitativische Repetitionen enthalten, einmal bei der zweiten Geige und einmal beim Cello, sind indes nicht ganz überzeugend realisiert. In beiden Fällen scheint mir eine größere innewohnende Ausdrucksmöglichkeit, die bei dieser Interpretation nicht zum Tragen kommt. Der erste Abschnitt lässt an die Liturgie an der russisch-orthodoxen Kirche denken. Die Repetitionstöne der zweiten Geige sollten den kühlen, distanzierten Rezitationston eines Priesters repräsentieren; hier klingt die zweite Violine allerdings zu emotional gesättigt. Ihr fehlt in dem Abschnitt gewissermaßen die Nichtteilnahme des Fatums. Den zweiten Abschnitt fängt das Cello deutlich zu laut und auch noch akzentuiert an, was die spätere Steigerung abschwächt. Im Finale lassen die Musikerinnen eine echte, glaubwürdige Fröhlichkeit entstehen. Die Musik klingt leicht und transparent. Das Bild vollendet eine glänzend ins Satzganze einbezogene Coda.

Der Titel des Streichsextetts d-Moll 'Souvenir de Florence' ist wahrscheinlich eine geistreiche Anspielung auf die Tatsache, dass Tschaikowsky das Hauptthema des langsamen Satzes 1890 in Florenz schrieb und es quasi als Souvenir aus Florenz mitbrachte. Die Begeisterung, die der Komponist während der Komposition empfand, wird auf den Hörer übertragen, sowohl dank der Musik als auch der Interpretation des Ensemble. Im langsamen zweiten Satz erlebt man eine strahlende Lyrik. Der verzückte Dialog von Violine und Cello wird von einem leichten und präzisen Pizzikato begleitet. Eine bange Ahnung, die in der Mitte des 'Andante' einen kurzen Schatten wirft, vermittelt das Ensemble durch ausdrucksvollen Strich, präzise Artikulation und subtil aufgefächerte Dynamik. In der Finalfuge verwirklicht das Ensemble wiederum eine transparente Textur des musikalisch komplexen und volltönenden Gewebes.

Das Ensemble weist eine glänzende Technik, eine präzise Artikulation, eine differenzierte Klangfarbengebung und ein tiefes Verständnis für Tschaikowskys Musiksprache auf. Das macht diese Gesamteinspielung der Tschaikowsky-Quartette zu einem kostbaren Schatz für alle, die sich in diesen selten erkundeten Bereich von Tschaikowskys Schaffens begeben möchten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Oksana Danych,


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    Tschaikowski - Streichquartette: Klenke Quartett

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
2
26.03.2010
152,25
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124165024
0016502BC


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Berlin Classics

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