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Montag, 23. September 2019

Puccini, Giacomo - La fanciulla del west

Wildwest vom Puccini-Festival


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Solides Handwerk verrät die 'La Fanciulla del West'-Produktion vom Puccini Festival, Torre del Lago (Juli 2005) kaum. Musikalisch geriet der Mitschnitt der RAI allerdings achtbar.

Oft genug zog man diese Oper durch den Kakao. Der Bogen sei viel zu weit gespannt, das Libretto überfrachtet. In der Tat pfropften Guelfo Cininini und Carlo Zangarini eine Menge in ihren Plot: Fieber nach Gold, Heimweh, Spielleidenschaft, Raffgier, Liebe, Sehnsucht, Worte der Bibel, Handgreiflichkeiten, baumelnder Galgen und ein Happy end als die moralpredigende Minnie ihren Geliebten im letzten Augenblick zu retten vermag. Es gibt zwei Aspekte, die Puccinis Goldgräber-Oper hörenswert machen: einmal die mörderische Partie der Schankwirtin Minnie, für die Daniela Dessi sich in einer tadellosen stimmlichen Verfassung präsentiert. Und zum Zweiten ihren Gegenspieler Dick Johnson (Ramerrez), gesungen von Fabio Armiliato, der der Rolle nichts an Glaubwürdigkeit und Profil schuldig bleibt.

Die anlässlich des Puccini-Festivals Torre del Lago im Juli 2005 mitgeschnittene Produktion überzieht das Geschehen in einer gemäßigt modernen Ausdeutung dezent mit Western-Touch – gut verträgliche szenische Mixturen mit realistischen Charakteren auf stimmungsvoll ausgeleuchteter Bühne, auf der Ivan Stefanutti seine professionelle Mannschaft – die gut disponierten Solisten, Chorleute, Artisten – in das große Spektakel schickt. Wer tiefgründiges, intelligent gemachtes Regietheater erwartet, kommt in dieser Produktion weniger auf seine Rechnung. Ein staubiges Lüftchen aus dem wilden Westen überzieht die Bildkreationen von ‚Set und Costume Designer‘ Fred Nall Hollis. Da winkt zwar keine waschechte amerikanische Pionierzeit, noch rauscht die Zeit der Goldgräber auffällig im Gran Teatro all’aperto di Torre del Lago vorüber. Eher führt der Regisseur seinem Touristenpublikum eine wohl gepflegte szenische Routine vor, inszeniert mehr oder weniger vom Blatt und vertraut auf den Instinkt der Beteiligten, vor allem auf die attraktiven Bühnenerscheinungen der ‚Wildwest-Heroine‘ Minnie, die Titelheldin, und den liebeshungrigen Revolver-Helden Dick Johnson. Beide sind hoch engagiert und lassen die Schlussapotheose auf der suggestiv ausgeleuchteten Bühne im vokalen Glanz leuchten. In diese szenische Schlacht mischen sich noch einige Randfiguren, u.a. die mafiose Figur des Agenten Ashby (Andrea Patucelli), zugleich stellvertretend für alle anderen Gestalten auf der Bühne.

Was Giacomo Puccini als ‚Patchworker‘ in seiner Partitur alles zusammenmixte – jazzige Elemente, Banjo, folkloristisch getönte Melodien, Zwölftonreihen, Ragtime, Cakewalk, Synkopen, leitmotivisch behandelte Themen, ganztönige Abschnitte, farbenreiche Instrumentation sowie Spuren des italienischen Belcanto –, darüber schwärmte Anton Webern einst in höchsten Tönen: ‘…jeder Takt überraschend. Ganz besondere Klänge’, die auch der unvergessene Analytiker Giuseppe Sinopoli ins Herz schloss. Und der Komponist meinte: ‚La fanciulla del West ist, so glaube ich, die beste Oper geworden, die ich jemals geschrieben habe‘ (Brief an seine Londoner Vertraute Sybil Seligmann). Die kreativen Potenziale dieser Klänge gehören allerdings in die Hände von exzellenten Dirigenten, die sich nicht damit begnügen, im Sinne von Puccini-Highlights nur Ohrengefälliges aus dem Kuchen herauszupicken, anstatt nach Modernität zu fahnden. Ein musikalischer Western ist 'La Fanciulla del West’ nicht. Alberto Veronesi vergegenwärtigt die schillernde Klangpalette mit gebotener Subtilität. Durch das tüchtige Orchestra Città Lirica erhält das facettenreiche Kolorit dieser amerikanisch getönten Klangwelten prägnantes Profil. Flexibel und klangreich intonieren die Mitglieder des Chorus Città Lirica (Stefano Visconti).

Interpretation:
Klangqualität:
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Regie:






Kritik von Prof. Egon Bezold,


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    Puccini, Giacomo: La fanciulla del west

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
08.02.2010
138:00
2005
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
807280139396
101 393


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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