> > > Beethoven, Ludwig van: Violinsonaten op. 23 & 24
Dienstag, 25. Januar 2022

Beethoven, Ludwig van - Violinsonaten op. 23 & 24

Großer Klangfarbenreichtum


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Geiger Hiro Kurosaki und die Pianistin Linda Nicholson legen den zweiten Teil einer Gesamtaufnahme von Ludwig van Beethovens Sonaten für Klavier und Violine auf historischem Instrumentarium vor, der neben dem Sonatenpaar op. 23 und op. 24 zwei frühe W

Im Mittelpunkt dieser zweiten CD aus der bei Accent erscheinenden Gesamteinspielung von Ludwig van Beethovens Sonaten für Klavier und Violine mit Linda Nicholson (Pianoforte) und Hiro Kurosaki (Violine) stehen die Sonaten a-Moll op. 23 und F-Dur op. 24. Dass beide Werke ursprünglich tatsächlich als gegensätzliches Sonatenpaar gedacht waren und unter einer Opuszahl veröffentlicht werden sollten, wird immer noch zu wenig wahrgenommen, was vor allem mit der Popularität der so genannten "Frühlingssonate" op. 24 zusammenhängt. Nicholson und Kurosaki gelingt es allerdings mit ihrer dichten, musikalisch überzeugenden Interpretation – und darin liegt die Besonderheit dieser Aufnahme –, die Zusammengehörigkeit beider Kompositionen als miteinander kontrastierende (und auch einander ergänzende) Gegenstücke musikalisch zu verdeutlichen.

In der a-Moll-Sonate entfalten die beiden Musiker zunächst einen herben und akzentreichen Dialog, der immer wieder hin zu einem dramatischen Tonfall mit sprachnaher Diktion tendiert. Bei ihrer Wiedergabe des zweiten Satzes spielen sie dagegen gekonnt mit dem changierenden Charakter, den Beethoven durch die Satzbezeichnung 'Andante scherzoso più Allegretto' im Übergangsbereich zwischen ruhigerem und rascherem Tempo angesiedelt hat: Einerseits verfahren Nicholson und Kurosaki hier kurz und prägnant bei der Darstellung der kontrapunktischen Momente, andererseits lassen sie aber auch der kantablen Melodienzeichnung und der damit verbundenen Aufteilung in Oberstimme und Begleitung viel Sorgfalt zukommen. Im Finale schließlich regieren verhaltene Anspannung und eng verzahntes Miteinander, zwei Elemente, die sich gleichsam eruptiv in die Darstellung von Höhepunktsbildungen entladen, bevor der Satz ungewöhnlich leise zu Ende geführt wird.

Dass dieser Piano-Ausklang im Kopfsatz der nachfolgenden "Frühlingssonate" mit ruhigem Duktus des Hauptthemas und anfänglichem Verhaftetsein in den leisen Dynamikbereichen von den Musikern wieder aufgegriffen wird, schweißt die beiden Werke in der Wahrnehmung des Hörers besonders eng zusammen. Auch hier überzeugt das bis in die agogischen Nuancen hinein stimmige Zusammenspiel, bei dem Nicholson und Kurosaki auch dynamisch exzellent aufeinander reagieren. Besonders kommt dies in den wie improvisatorisch hingeworfenen Melodiebildungen der ersten beiden Sätze, in denen es oft um minimale Verzögerungen geht, aber auch beim rhythmisch brillanten Vortrag des Scherzos zum Vorschein. Das Finale überzeugt hingegen dadurch, dass trotz melodischen Jubilierens immer wieder auch hintergründigere Stimmungen an die Oberfläche dringen, die wie ein letzter Reflex auf die unruhige Klangwelt der a-Moll-Sonate wirken.

Neben den beiden Sonaten enthält die CD zwei selten gespielte Werke ohne Opuszahl aus Beethovens frühem Schaffen: die 'Sechs deutschen Tänze' WoO 42 und die Variationen über Mozarts 'Se vuol ballare' WoO 40. Besonders letztere überraschen durch großem Abwechslungsreichtum, da bei ihrer Wiedergabe – trotz musikalischer Bevorzugung des Klaviers – das Musizieren deutlich dialogisch angelegt wird. Während die Sonaten vor allem von der kraftvollen Komponente im Klang des Tasteninstruments – eines um 1797 gebauten Pianofortes von Johann Schantz – profitieren, kommen hier besonders gut die intimeren Qualitäten und Ausdrucksmöglichkeiten zur Geltung: Die besondere Dämpfung und der Fagottzug mit seinem schnarrenden Tonfall sorgen für erstaunlich viele, teils ernste Nuancen, so dass der Variationszyklus einen Farbenreichtum erhält, den man nicht für möglich gehalten hätte. Dass Nicholson hier ein anderes Instrument benutzt als auf der ersten CD, unterstreicht, wie stark die Interpretationen jeweils mit einer gezielten Wahl von Instrumenten verschränkt ist – und dies zeigt letzten Endes auch, mit welchem Ernst das Duo an die Beethovenschen Kompositionen herangeht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Violinsonaten op. 23 & 24

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
01.12.2009
Medium:
EAN:

CD
4015023242128


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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